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    Verurteilter Angreifer

    Urteil zur Messerattacke gegen den Gadertaler Carabinieri-Kommandanten Armando Di Genova: Vier Jahre und vier Monate Haft für den Angreifer Klaus Castlunger.

    Von Thomas Vikoler

    Die Verteidiger Manuela Obojes und Flavio Moccia sehen den Fall natürlich völlig anders als die Staatsanwaltschaft. In ihren Plädoyers in der gestrigen Vorverhandlung zeichneten sie ein völlig anderes Tatszenario.

    Demnach ist Klaus Castlunger, ein 41-jähriger Familienvater aus Stern, zuallererst ein Opfer von behördlicher Gewalt. Er sei von Armando Di Genova, dem Kommandanten der Carabinieristation von Corvara, an jenem Nachmittag des 23. August 2013 bei einer Verkehrskontrolle am Hals festgehalten und mitgeschleift worden. Dies sagte jedenfalls Castlungers Tochter im Zeugenstand aus.

    Der Übergriff Di Genovas habe Castlungers Überreaktion ausgelöst, behaupten die Verteidiger. Er attackierte den Carabinieri mit einem Messer und verletzte ihn dabei (sieben Tage Heilungsdauer). Die Staatsanwaltschaft ging zunächst von einem Mordversuch aus, stufte das Delikt aber auf erschwerte Körperverletzung zurück.

    Nach einer umkämpften Verhandlung fällte Vorverhandlungsrichter Walter Pelino am Montagnachmittag sein Urteil: Vier Jahre und vier Monate Haft wegen mehrfach erschwerter Körperverletzung (u.a. niedrige Beweggründe, die einschlägige Vorstrafe, die verminderte Abwehrfähigkeit des Opfers und der Versuch, einer Alk-Kontrolle zu entgehen).

    Di Genova, der von Marco Dall`Aglio vertreten wird, sprach der Richter ein Schmerzensgeld von 60.000 Euro plus Spesen (insgesamt 75.000 Euro) zu. Im Rahmen eines Gerichtsgutachtens war festgestellt worden, dass die Messerattacke Castlungers bei dem Carabiniere psychische Schäden hinterlassen hatte. Was die Verteidiger Castlungers bestreiten.

    Sie haben gestern Berufung gegen den in einem verkürzten Verfahren zustandegekommenen Schuldspruch angekündigt.

     

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    Kommentare (16)

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    • Mann

      Bravo. Das nennt man einmal ein gerechtes Urteil.

      • der eine

        skandalös: die sta hat zuerst mordversuch als anklage erhoben? pellino ist sohn eines carabinieri-generals (bzw. finanzgenerals). das urteil ist purer korpsgeist.
        als vergleich: die polizisten die in ferrara einen unbewaffnente burschen ermordeten, der sie nicht mal angegriffen hatte, haben geringere strafen ausgefasst.

    • Daniel

      Eine regelrechte Sauerei, finde ich!!

    • tottele

      Den besagten Fall kenne ich zwar nicht , aber warum hat die Aussage dieses Herrn keine Beweiskraft ? Es ist für mich keine Neuigkeit , dass sich Staatsbeamte so manche mit Falschaussagen schmücken und vor Gericht noch nach abgelegten Schwur ohne mit der Wimper zu zucken lügen. Ist ganz logisch , dass man in solchen Situationen als schuldig gesprochen wird , aber manchmal in einem zweiten Moment kann man sich beweisen , vorausgesetzt dass es sich um die Wahrheit handelt !

      • Manuel

        Kann ich dir nur recht geben.
        Habe selbst mal eine Anzeige kassiert weil ich ein Messer bei meiner Fischerausrüstung im Auto mitführte .“Eigendlich wäre es ihnen ja egal ,aber sie haben keine Lust bei dem Sauwetter auf der Straße zu stehen.Und wenn ich mich lange aufrege ,schieben sie mir noch was unter.Da ich ja alleine war und sie mir den Handy genommen hatten konnte ich niemanden verständigen .Einige Wochen später bekahm ich eine Rechnung von kapp 500 Euros.
        Aber die meisten sind sehr freundlich,da macht es auch mal Spaß wenn man angehalten wird.Zumindestens im Pustertal.Einige schwarze Schafe gibt es überall.Es ist nur Schade das man das in einem so bedeutendem Amt solche auch findet und eigendlich nicht mehr tun kann als sie zu befördern, um sie los zu werden.Wurde mir vom Ohrmännchen gepfiffen.

    • Daniel

      7 Tage Heilungsdauere!
      Das sagt Alles: 2 Kratzer und dafür auch noch Blechen!
      Hoffentlich behält Castlunger seine Nerven, denn sowas kann ganz schön nagen!

    • Flötzinger

      Man müsste die ganzen Umstände kennen, um darüber urteilen zu können. Aber 75.000 Euro für 7 Tage Heilungsdauer finde ich auf jeden Fall ganz schön ziemlich viel. An die Familie des Opfers hat hier wohl niemand gedacht.

    • Leitwolf

      …..am Hals festgehalten und mitgeschleift worden. Dies sagte jedenfalls Castlungers Tochter im Zeugenstand aus….. ist die Tochter mit dem besoffenen Vater mitgefahren???? Spricht ja sehr für den Vater …..

    • Yannis

      @tottele

      >>>Es ist für mich keine Neuigkeit , dass sich Staatsbeamte so manche mit Falschaussagen schmücken und vor Gericht noch nach abgelegten Schwur ohne mit der Wimper zu zucken lügen<<<

      Polizei / Carabinieri Staat "Südtirol" war das schon immer so. In Kalabrien oder Sizilien hätte Herr "Di Genova" erst gar keine Anzeige erstattet, weil ihn klar gewesen wäre, das die Quittung dafür dann mehr als nur ein paar Kratzer mit 7 Tagen Heilungsdauer ausmachen würde.

    • Truegrit

      Und warum bekommen nicht all jene diese drakonischen Strafen die sich ähnliche Taten zu schulden haben kommen lassen? Warum??

      • Franz

        Truegrit
        Weil Einwanderer eben mit Samthandschuhen angefasst werden, bzw. weil bei ihnen zivilrechtlich nicht’s zu holen ist.

        • der eine

          franz: selten sowas blödes gehört! warst du jemals bei einer strafverhandlung mit ausländern? ich rate dir mal hinzugehen: es gibt richter, die nicht mal den blick heben und ausländer für kleinigkeiten hart bestrfen. bei inländern gibt es hingegrn meistens einen fairen prozess.

    • jui

      wären die Gesetze viel härter
      täten solche Kerle nicht hier einnisten,
      wenn es kein Paradies mehr gebe …

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