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Der große Frust

Ein vertrauliches Papier einer Ärztegewerkschaft erlaubt tiefe Einblicke in das Seelenleben der Ärzte in der Südtiroler Peripherie – und es beweist, wie verunsichert die Mediziner in den Kleinspitälern sind. 

von Artur Oberhofer

Die Sache ist auf EU-Mist gewachsen. So sieht eine neue EU-Arbeitszeitregelung vor, dass Ärzte vor und nach einem Wachdienst eine 11-stündige Pause einlegen müssen.

Diese EU-Regelung muss von Italien übernommen werden und soll mit 26. November in Kraft treten.

Nun befürchten Ärzte (und auch Verwalter) in den Südtiroler Kleinspitälern den Zusammenbruch der ambulanten Versorgung, auch die Dienste in den Notaufnahmen seien gefährdet.

Im Fadenkreuz der (Ärzte-)Kritik steht jetzt der Generaldirektor des Sanitätsbetriebes Thomas Schael: Der resolute Deutsche, der von den Ärztegewerkschaften bereits im Oktober mit der delikaten Geschichte befasst worden war, hatte öffentlich erklärt, dass die neue Arbeitszeitregelung in Südtirol keine Anwendung finde. Schael kündigte bereits vor Wochen ein Rundschreiben an – das es bis jetzt nicht gibt.

Im Sanitätsbetrieb hieß es, das Rundschreiben sei „unterschriftsreif“.

Verunsicherung und Rechtsunsicherheit sind jetzt groß.

Der TAGESZEITUNG liegt ein internes Gewerkschaftspapier vor, aus dem hervorgeht, dass die Situation in den Kleinspitälern ernst bis dramatisch ist. Innerhalb der Ärzteschaft herrscht der große Frust.

Das Problem besteht darin, dass die Primare die Dienste drei Monate im Voraus planen müssen. In Ermangelung des vom Gesundheitsbetrieb angekündigten Rundschreibens – das laut dem Amt für die Gewerkschaftschaftsbeziehungen „sehr schnell für alle einsehbar sein“ soll – haben Primare bereits damit begonnen, die Dienste nach den am 26. November geltenden Bestimmungen zu planen. Nach Informationen der TAGESZEITUNG hat das Innichner Spital die Dezemberdienstpläne bereits nach den neuen Bestimmungen ausgerichtet, Bruneck wird dem Beispiel folgen.

In dem vertraulichen Gewerkschaftspapier heißt es:

„Das bedeutet, dass die Kollegen, vor allem in der Peripherie, dann vorwiegend die Erste Hilfe und die institutionellen Dienste decken müssen und große Teile der ambulanten Versorgung zusammenbrechen, weil die Ärzte notwendigerweise fehlen, längerfristige Termine für Patienten nur mehr schwer planbar werden, etc.“

Düstere Prognosen, also.

Die Interessensvertreter der Ärzte schließen nicht aus, dass der Sanitätsbetrieb die Gunst der Stunde nutzen wolle, um den Kleinen den Garaus zu machen.

In dem Papier heißt es nämlich weiter:

„Böse Zungen behaupten, dies sei nun die passende Gelegenheit, in der Peripherie Krankenhäuser ,zu reformieren’, ohne mit lästigen Diskussionen Sympathien zu verlieren.

 

LESEN SIE AM FREITAG IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Warum viele Spitalsärzte aus Südtirol weggehen könnten;
  • Die Mediziner werfen dem Betrieb vor, auf ihnen würde herumgetrampelt.
  • Und: Was auf die Patienten in den Kleinspitälern zukommt.

 

 

 

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