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    Modes of Democracy

     Modes of Democracy: Ist die Demokratie auf dem Rückzug?

    Modes of Democracy: Ist die Demokratie auf dem Rückzug?

    Ist die Demokratie auf dem Rückzug? Dieser Frage stellt sich die Ausstellung Modes of Democracy in der Festung Franzensfeste auf verschiedenen geopolitischen Ebenen.

    Demokratie im Zeitalter einer global vernetzten Welt hat viele Gesichter. Das Internet birgt die Gefahr der Überwachung, Kontrolle und Verletzung der Privatsphäre, führt aber auch zu einer stärkeren partizipatorischen Zivilgesellschaft und damit zu mehr Demokratie. Die Erfolge populistischer Kräfte und die Rückkehr autoritärer Parteien in Europa und anderswo verdeutlichen diese Gefahr, der wir uns selbst aussetzen.

    Ist die Demokratie auf dem Rückzug? Dieser Frage stellt sich die Ausstellung Modes of Democracy auf verschiedenen geopolitischen Ebenen: von Nachbarschaftsprojekten und Städten bis zu Regionen und Nationalstaaten. Am Ende steht die transnationale globale Entwicklung zur Debatte, die uns alle betrifft. Die von Jaroslav Andel kuratierte Europaratsausstellung Modes of Democracy war von November 2014 bis März 2015 im Zentrum für Zeitgenössische Kunst DOX in Prag zu sehen. Die internationale Ausstellung ist nun in der Franzensfeste zu Gast.

    Sie präsentiert sowohl einzelne Arbeiten als auch Gemeinschaftsprojekte von Kunstschaffenden aus fünf Kontinenten. Die Werke von Harun Farocki, Trevor Paglen und Laura Poitras erforschen die vielseitigen Formen der Überwachung und Kontrolle und deren negative Auswirkungen auf unsere grundlegenden demokratischen Rechte und Freiheiten. Digitale Technologien dienen einerseits der Kontrolle und Überwachung, andererseits stehen sie aber auch im Dienst einer partizipatorischen Zivilgesellschaft und des sozialen Fortschritts. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Entwurf einer neuen Verfassung für Island, die ein Maximum an öffentlicher Partizipation und Transparenz darstellt. Die Videoinstallation des Künstlerduos Libia Castro und Ólafur Ólafsson hat sich mit dieser Verfassung auseinandergesetzt.

    Ein Teil der Ausstellung, kuratiert von Haimo Perkmann, mit Werken von Peter Kaser, Jakob De Chirico, Franz Pichler, Peter Tribus , Ulrich Egger, Nicolò Degiorgis, Hannes Egger, Julia Frank, Siggi Hofer, Peter Holzknecht, Gabriela Oberkofler ist der jüngeren Südtiroler Geschichte gewidmet. Das Südtiroler Autonomiestatut hat die nördlichste Provinz Italiens zu einem Sonderfall der Demokratie werden lassen. In jahrzehntelangem Tauziehen zwischen der Südtiroler Landesregierung und der italienischen Regierung unter Einbeziehung internationaler Institutionen führte der Prozess der politischen Transformation zu einer bis heute gültigen Sonderautonomie. Im Zuge dieses ausgeklügelten Systems des Gleichgewichts zwischen den verschiedenen politischen, kulturellen sowie ökonomischen Interessen setzte in den 1970er Jahren der wirtschaftliche Aufschwung ein.

    Der Ausstellungsteil „Das Sudetenland einatmen“ hingegen handelt von der bewegten Geschichte von Ústí nad Labem, vormals Aussig, Hauptstadt der Region Nordböhmen und gleichzeitig jener Ort, der das Schicksal der tschechischen Grenzregion, bekannt als das Sudetenland, verkörpert wie kein zweiter. Formen der Bürgerbeteiligung zur Überwindung von sozialen Trennungen in der Stadt Cali in Kolumbien zeigt das Projekt Corredor Verde von Daniel Latorre auf. Lanchonete.org hingegen ist ein Artist in Residence Projekt und zugleich ein genossenschaftlich geführtes Restaurant im Stadtzentrum von Sao Paolo in Brasilien. Zudem möchte Lanchonete ein Referenzpunkt für die Bürgerinnen sein, die hier ihr Feedback über politischen Entwicklungen und Entscheidungen in ihrer Nähe deponieren und besprechen können. Mit der Mediengewalt und Biopolitik in TV-Nachrichten, Reality Shows befasst sich die Videoinstallation Torture Talkie von Ebadur Rahman.

    Die Vision einer globalen und direkten Demokratie entwickelt der in New York lebende italienische Künstler Paolo Cirio, der aus verschiedenen animierten Organigrammen zusammengesetzt, eine neue, partizipatorische und globale Organisation illustrieren. Zur Ausstellung wurde eigens das Vermittlungsprogramm „Übungen zur Demokratie“ für Schülerinnen der Oberschulen entwickelt. Die Unterrichtsmaterialien dazu können unter www.franzensfeste.info heruntergeladen werden.
    Termin: Eröffnung am Mittwoch, 11. November um 19 Uhr in der Festung Franzensfeste. Neben Josef March, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates, sprechen Jaroslav Andel und Haimo Perkmann, die Kuratoren der Ausstellung. Elisabeth Alber vom Institut für Föderalismus- und Regionalismusforschung der EURAC wird kurz über Formen der partizipativen Demokratie in der Europaregion Tirol berichten. Eröffnet wird die Ausstellung vom Landesrat für deutsche Kultur Philipp Achammer. Anschließend wird die Projekt-Terra-Suppe von Hannes Egger ausgegeben

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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