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    Der Maulkorberlass

    stecherWeil sich Hildegard Stecher nicht so ohne Weiteres eine Mistlege vor ihr Baugrundstück stellen ließ, liegt sie mit der Gemeinde Graun seit Jahren im Clinch. Jetzt hat sie Post vom Rechtsanwalt bekommen: Die aufmüpfige Bürgerin soll schweigen – oder zahlen.

    von Karin Gamper

    Hildegard Stecher lebt seit Langem nicht mehr in Graun. Sie besitzt dort jedoch noch das Elternhaus – und ein kleines Baugrundstück.

    Dieses liegt in einer Wohnbauzone und ist nun schon seit Jahren Gegenstand eines Streites, den Stecher mit der Gemeinde ausficht und der nun eine demokratiepolitisch interessante Wendung genommen hat.

    Grund für den schwelenden Konflikt ist u.a. eine Jauchengrube, für welche die Gemeinde 2008 die Baukonzession ausgestellt hat. Die übel riechende „Mistlege“ steht nur fünf Meter entfernt von Stechers Bauparzelle und ist Schuld daran, dass ein potentieller Käufer wieder abgesprungen ist. „Schließlich will sich niemand neben einer Jauchengrube ein Haus bauen“, sagt Stecher. Sie hat sich informiert und ist überzeugt: „In einer Wohnbauzone dürfte eine Mistlege überhaupt nicht genehmigt werden“.

    Die Gemeinde behauptet dagegen, dass die Baukonzession regulär und aufgrund eines Gutachtens des Amtsarztes ausgestellt wurde. Dieser habe die hygienische Unbedenklichkeit attestiert. „Bislang konnte mir aber niemand dieses Gutachten vorlegen“, sagt Stecher.

    Das Hickhack geht nun schon eine Weile hin und her. Es gibt Argumente und Gegenargumente, die Details zu beschreiben würden den Rahmen eines Zeitungsartikels bei Weitem sprengen. „Ich bestehe lediglich auf meinem Recht“, betont Stecher, „und die Gemeinde musste bereits mehrmals einlenken.“

    Dabei hat man im Rathaus wohl nicht mit dem langen Atem der aufmüpfigen Bürgerin gerechnet und nun de facto einen Maulkorberlass in die Wege geleitet.

    Jedenfalls hat die streitbare Frau vor wenigen Tagen Post vom Rechtsanwalt Hartmann Reichhalter bekommen. Reichhalter ist nicht nur Advokat in Bozen, sondern auch ehemaliger Bürgermeister in Kastelruth. Im Auftrag der Gemeinde Graun erläutert Reichhalter noch einmal sämtliche Streitpunkte, um schließlich festzuhalten: Aufgrund des bisherigen „enormen Verwaltungsaufwandes und der entstandenen Rechtsanwaltsspesen“ werde das Rathaus Graun keine Anfragen von Stecher mehr beantworten. Sollte diese – also Stecher – etwas von der Gemeinde wollen, so müsse sie sich ab sofort an seine Kanzlei wenden. Die Kosten dafür würden ihr in Rechnung gestellt. Ein Hammer. „Warum sollte ich als Steuerzahlerin nur mehr gegen Bezahlung über einen Anwalt mit einer öffentlichen Verwaltung kommunizieren dürfen?“, kann sich Stecher nur mehr wundern.

    Wörtlich heißt es in dem Schreiben:

    „Jede weitere Beanstandung und/oder Anfrage in den vorstehenden Angelegenheiten muss ab sofort an den schreibenden Rechtsanwalt gerichtet werden, was mit einer Spesenübernahme zu Ihren Lasten verbunden sein wird“.

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    Kommentare (14)

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    • Hubert

      So wird Schritt für Schritt das „Recht“ eines Bürgers beschnitten oder man versucht es zumindest.
      Die öffentliche Verwaltung wird von den Bürgern bezahlt und hat gefälligst für das was sie tut, Rede und Antwort zu stehen.
      Für mich ist die Variante der Gemeinde und ihres Rechtsanwaltes nichts anderes als der Versuch einen Bürger mundtot zu machen. Ist dies im Sinne einer demokratischen Verwaltung?

    • Einereiner

      Gebe dir vollkommen Recht Hubert!
      In Südtirol sind viele Probleme durch die Politiker geschaffen worden. Warum genehmigt man eine Wohnbauzone direkt neben einem Bauernhof? Warum genehmigt man eine Jauchegrube 5 m von der Bauzone?
      Sowas muss schiefgehen und ist nur Futter für die Avokaten.

    • Andreas

      Frau Gamper, als Journalistin sollten Sie eigentlich über einen Sachverhalt neutral berichten und nicht für eine Seite Partei ergreifen.
      So einseitig wie Sie es hier darstellen, kann eine Angelegenheit gar nicht sein.

    • P

      Ehemaliger Bürgermeisert (SVP?) und Rechtsanwalt vertritt Gemeinde Graun? Klarer Fall von Anwaltswahl nach Parteikartlkriterium!

    • Aha

      „Regiert“ und agiert in Graun die SVP? Das „Verhalten“ & walten wäre nämlich typisch!
      Ausserdem würde ich eine Strafanzeige aufgeben, wenn öffentlich zugängliche Daten nicht ausgehändigt würden. Am besten mit den Carabinieri im Gemeindeamt erscheinen! Meines Wissens besteht Auskunftspflicht!
      Gehört der Mist einem Ratsmitglied oder gar dem Bürgermeister? Würde mich nicht wundern!

    • Bärig

      In Graun schreibt die “ Gemeinde“ dem Bürger vor welchen Advokat einer nehmen muss, bärig, einzigartig!!!! ( Schleichwerbung für einen auserwählten Rechtsanwalt!
      Schilda lässt grüssen!

    • hans

      wenn die Mistplatz oder Güllegrube illegal ist ,wieso wurde keine Anzeige erstattet und wenn sie nicht Illegal ist wird das streiten keinen Sinn haben ,leider ist das Grundstück mit diesem Bau im Wert um einiges gesunken ,da haben Sie Frau Stecher früher (in der genehmigungsfase ) intervenieren müssen.

      • christoph

        Bei dieser Gemeindeposse stellt sich unweigerlich die Frage : “ Welcher SVP Handlanger hat einem Anderen bei der Genehmigung des Misthaufens und der Güllegrube einen sogenannten sprichwörtlichen Gefallen getan“. Der unsägliche Filz und Sumpf in den Gemeindeverwaltungen lassen grüssen !!!!

    • felix

      Frau Stecher ich gebe ihnen ein Rat. Wenden sie sich sofort an Volksanwalt und lassen sie nicht von der Gemeinde schikanieren! Die Gemeinde muß für den Bürger da sein und ich glaube dass diese Mistgrube sicher nicht vor den Haustür legal ist!

    • Franz I

      @ felix,

      die vorige Volksanwältin war „sehr SVP lastig“, das habe ich persönlich erfahren.
      In Südtirol hat die noch immer „Allmächtige“ SVP das Sagen!
      Deshalb, wenn du mit deinem richtigen Namen schreibst, beim nächsten „Ansuchen“ auf Gemeindeebene bist von vornherein schon durch, da sind diese SVPler nicht zu übertrumpfen, wenn sie dir nur eine Auswischen können.
      Das „bindet“ die Bürger gewissermaßen …
      Saustall des politischen Südtirols!

    • tottele

      Die Frau soll sich die Katasterpläne besorgen und dann zu Carabinieri oder Polizei vorstellig werden und den Brief nicht vergessen ! Sie dürfen aber nicht zu Carabinieri oder Polizei in der Nähe ihrer Ortschaft erscheinen, weil die veräppeln sie dann vielleicht auch noch mit Falschinformatinen . Wenn alles der Wahrheit entspricht müssten sie auch Recht bekommen und außerdem wer hat das Recht zu sagen sie müssen sich einen Anwalt nehmen . Diese HOHEN können nur arrogante Leute sein und unter einer Decke stecken !

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