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    Verstaubte Frist

    Seit mehreren Jahren ist die Feinstaubkonzentration in Südtirol rückläufig – doch viele eigentlich messpflichtige Heizanlagen sind von den Messungen ausgenommen. Nun hat das Land die Umweltmaßnahme weiter verwässert. Aus gutem Grund?

    Von Anton Rainer

    Es war wohl ein Fall von Optimismus, der die Landesregierung im März 2011 erfasste. Als man mit Landesgesetz 413/2011 die sogenannten „Bestimmungen über die Emissionen der Heizanlagen“ verabschiedete, glaubte man noch, dem Feinstaub möglichst schnell auf die Pelle rücken zu können – vor allem was die mittlerweile stark verbreiteten Feststoff-Heizungen angeht, sprich Hackschnitzel, Pellets und ähnliche Brennstoffe.

    „Einmal jährlich“, so die strengen Bestimmungen, muss „die Abgasprüfung zur Bestätigung der Einhaltung der Emissionsgrenzwerte“ durchgeführt werden.

    Das Problem? Man hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

    Während sich Tischlereien, Hotels und andere Betreiber mittelgroßer Heizanlagen durchaus mit der Abgas-Vermeidung anfreunden konnten, schlugen ausgerechnet die Kaminkehrer, die mit der Messung betreut werden, Alarm. Viel zu teuer seien die Feinstaub-Messgeräte derzeit und noch dazu ungenau, kann man da nichts machen?

    Man konnte: Die Landesregierung schrieb zwar die Pflicht der Gesamtstaub-Messung in die Bestimmungen – gewährte der ersten Messung allerdings einen fünfjährigen Aufschub.

    „Wir hofften“, erklärt Georg Pichler, Direktor im Amt für Luft und Lärm, „dass die Messinstrumente bis zum Ablauf der Frist billiger und besser sind.“

    Ende 2015 wäre diese Frist ausgelaufen – und hätte die Kaminkehrer zu dringenden Investitionen verdonnert.

    Doch das Land zog die Handbremse: In den bereits großzügigen Aufschub („Bis zum 31. Dezember 2015 werden nur die Kohlenmonoxid (CO) Messungen durchgeführt“) wurde eine weitere Fünf-Jahres-Frist eingebaut. Die ersten Feinstaubmessungen werden dementsprechend erst im Jahr 2021 durchgeführt.

    Ein Jahrzehnt nach Einführung der Richtlinien.

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    Kommentare (9)

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    • Einereiner

      Bravo den Kaminkehrern. Ob eine Heizanlage in gutem technischen Zustand ist erkennt man auch ohne Feinstaubmessgerät. Wehrt euch gegen sinnlose Vorschriften.

      • Andreas

        Das meinte VW auch….
        Es gibt kein politisches Interesse die realen Werte zu ermitteln, da dies die Hersteller der Anlagen bzw. Autos in Schwierigkeiten bringen würde.

        • ITler

          Die hatten die technischen anlagen das zu erkennen und haben deshalb auch die motorensteuerung manipuliert.
          Nicht alles was hinkt ist ein vergleich!

        • George

          @Andreas
          Und wenn die Gesundheit ins Wanken gebracht wird, ist das dann auch kein „politisches Interesse“, diese möglichst zu erhalten bzw. wieder herzustellen?

          • Andreas

            Dann wird mit Flüchtlingen aufgefüllt, sollte doch in Deinem Interesse sein 🙂

            Kann ich dafür, wenn eine Merkel in Brüssel für die deutsche Autoindustrie interveniert, um die Abgasrichtlinien zu erhöhen?
            Ich bin überzeugt, dass Heizanlage auch Schwierigkeiten haben die Richtlinien einzuhalten, deshalb wird auch nicht so genau kontrolliert.

      • George

        @Einereiner
        Sind dann klare Regeln zur Erhaltung der Gesundheit für Sie auch sinnlose Vorschriften? Wer hat dann die Schuld, wenn Sie wegen zu großer Belastung ihrer Atmungsluft krank werden?

        • Einereiner

          @Georg
          da sind wohl ein paar Leute unterwegs, die nicht verstehen wie es funktioniert. Klar ist bei einer Feinstaubmessung noch gar nichts (sonst wärs ja kein Feinstaub 🙂
          Also langsam zum Nachdenken:
          Wenn eine Heizanlage TECHNISCH (so wie geplant und gebaut und zugelassen) in Ordnung ist, verursacht sie am wenigsten Feinstaub.
          Die Menge an Feinstaub hängt dann viel mehr von dem verwendeten Heizmaterial und dem aktuellen Zustand ( Anheizen oder Abbrand) ab. Und eine Feinstaubmessung ist nicht einfach, wegen der unterschiedlichen Zustände und Kamine. Da kann viel falsch gemessen und interpretiert werden. Deshalb ist es besser den technischen Zustand so gut wie möglich zu kontrollieren und einen Blick auf das verheizte Material zu werfen. Alles darüber hinaus gehende ist wenig praktikabel.

    • ÖZzi

      Ab zur nächste Lobby…die Kaminkehrer.
      Also mal ehrlich gesagt: welche sonst so hohen Investition in Werkzeug, Inventar, etc. hat denn ein Kaminkehrer dass es sich nicht diese Messgeräte kaufen kann? Das ist doch lächerlich, jeder Freiberufler muss etwas investieren damit er erfolgreich arbeiten und Gewinn erwirtschaften kann.
      Das klingt ja in etwa so, als würde sich der Geometer plötzlich darüber aufregen, dass er sich nicht mehr die Messgeräte leisten kann, oder der Zahnarzt seine Bohrer?
      Das ist wieder einmal typisch für Südtirol, echt lächerlich: ich würde sie alle auffordern sich innerhalb einer angemessenen Frist anzupassen, ansonsten sind sie ihre „Gebietsaufträge“ los.

    • Oraculus

      Schon Goethe wusste es – siehe Zauberlehrling – die Geister die Ich rief, die werd Ich nicht mehr los !

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