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Das Pusterer Meer

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Nach jahrelangem Hin und Her sind die Tage des Issinger Weihers als Badeteich gezählt. Das „Pusterer Meer“ entspricht nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen. Überreglementiert das Land den Bereich?

von Karin Gamper

Juri Stolzlechner kann es nicht fassen: „Man sieht mit freiem Auge, dass die Wasserqualität im Issinger Weiher passt“, sagt der langjährige Pächter des einzigen privaten Badeteichs in Südtirol, „es gibt Frösche, Fische und sogar meine Koi-Karpfen haben Nachwuchs bekommen“.

Und dennoch sind die Tage des Weihers als Badeteich gezählt. Stolzlechner hat vor wenigen Tagen Post vom Land erhalten. Der Succus: Er muss „alle Fische und eventuell vorhandenen Wasservögel“ aus dem Badeteich entfernen und gemeinsam mit der Standortgemeinde Pfalzen für Frischwasserzufuhr sorgen. Außerdem wurde ihm jede weitere Behandlung des Wassers untersagt.

Das amtliche Schreiben ist der vorläufige Höhepunkt in einem Hin und Her, das nun schon seit Jahren geht. Die Beteiligten: die Gemeinde Pfalzen, Juri Stolzlechner und das Land.

Um die Wasserqualität des torfhaltigen Teichs stand es bereits in der Vergangenheit nie zum Besten, vorübergehend wurde auch ein Badeverbot verhängt.

Da übernimmt 2008 Juri Stolzlechner den Issinger Weiher. Stolzlechner steckt – wie er sagt – sein Herzblut in das Gewässer. Er ist Idealist. Er möchte den Badeteich für Mensch und Tier zugänglich machen, im Sinne einer ganzheitlichen und nachhaltigen Auffassung des Lebens, von der er überzeugt ist.

Er informiert sich im In- und Ausland, lässt sich beraten, u.a. auch vom Vinschger Wasserforscher Helmuth Ratschiller. Dieser hat sich einer ganzheitlichen Wasserbelebung verschrieben, er betreut Projekte im Inland und Ausland, darunter auch zwei Gemeinden in Südtirol.

Im Laufe der Jahre steckt Juri Stolzlechner viel Geld und Energie in die Erhaltung der Wasserqualität mit natürlichen Mitteln. Das „Pusterer Meer“ wird mit Zeolithen, feinstofflichem Gold und Silber, Kristallsteinen u.ä. behandelt. „Mit dem positiven Gutachten des Landes“, wie Stolzlechner betont.

Parallel dazu werden chemische und biologische Analysen durchgeführt. Sie fallen einmal besser, einmal weniger gut aus. Für Stolzlechner völlig normal: „Das Wasser im Teich ist torfhaltig, es ist logisch, dass die Werte nicht mit einem Schwimmbad vergleichbar sind“.

Stolzlechner behauptet: „Das Wasser im Weiher ist sogar von hervorragender Qualität“. Es habe nachweislich keinen einzigen Fall von Hautrötungen oder sonstigen Reklamationen seitens der Badegäste gegeben. Im Gegenteil: Die Badegäste würden sogar die wohltuende Wirkung des Wassers loben.

Juri Stolzlechner räumt jedoch auch ein, dass er „finanziell und energetisch“ an die Grenzen stößt. „Der Weiher“, sagt Stolzlechner, „braucht mehr Frischwasserzufuhr“. Diese ist zur Zeit auf wenige Kubikmeter beschränkt. Wie es scheint, aufgrund einer Fehlplanung in der Vergangenheit. Die Gemeinde weigert sich, Abhilfe zu schaffen. Was Stolzlechner wiederum ärgert: „Der Tourismusverein bewirbt den Weiher, aber tun will niemand etwas dafür“.

Dazu kommt, dass der vorbeiführende Moosbach für einen torfhaltigen natürlichen Einlauf sorgt. Was für die Landeslabors offenbar ein gesundheitliches Risiko darstellt, ist für Stolzlechner das genaue Gegenteil: Heilwasser.

„Für mich ist die Anwesenheit der Tiere der beste Bioindikator“, ist Stolzlechner überzeugt, „den Tieren geht es gut, da braucht es keine teuren Analysen dafür.“

Juri Stolzlechner bedauert, dass es so weit kommen musste: „Ich habe den Weiher wieder zu einem attraktiven Badeteich gemacht, weil ich daran glaubte, ich habe all die Jahre nur Geld investiert und dabei keinen Euro verdient“. Die Badegäste kommen in Scharen, er habe einem Dutzend von Leuten einen Arbeitsplatz gesichert.

Alles, was er möchte, ist: „Dass Mensch und Tiere auch weiterhin in Ruhe im Weiher schwimmen dürfen“.

LESEN SIE AM DIENSTAG IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Was man beim Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit sagt

 

 

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