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    Das Lehrgeld

    Das Lehrgeld

    335.000 Euro sollen in den nächsten drei Jahren zur Förderung des Lehrangebots für Südtiroler Studenten an die Uni Innsbruck fließen. Die Details eines unüblichen Vertrags.

    Von Anton Rainer

    Die Geschichte der wissenschaftlichen Forschung in Südtirol war lange Zeit in erster Linie die Geschichte der Universität Innsbruck. Noch viele Jahre nach der Gründung der Freien Universität Bozen beanspruchten die Nordtiroler Kollegen einen Großteil der Förderungen, die in diesem Bereich zu holen waren – 2,6 Millionen Euro waren es etwa in den Jahren 2009 und 2010, kurz nachdem das Land Südtirol die Gründung eines „Forschungsfonds“ vorangetrieben hatte. 2013, als die damalige Landesrätin Sabina Kasslatter Mur einen Beitrag von 2,1 Millionen Euro absegnete, sorgte das sogar für Protest aus Bozen, wo man sich im Vergleich mit deutlich weniger Forschungsgeldern abspeisen musste.

    Zu jenen Forschungsbeiträgen, die im vergangenen Jahr durch einen Euregio-Topf erweitert wurden, gesellt sich seit 1. Oktober dieses Jahres ein weiterer Vertrag zur erstmaligen Förderung der bisher kaum finanzierungsbedürftigen Lehre – der jedoch nur einem kleinen Teil der Universität zugutekommt: Dem Institut für Italienisches Recht.

    Insgesamt 335.000 Euro an Geldern sollen in den nächsten drei Jahren an das Institut fließen, die in dem der TAGESZEITUNG vorliegenden Vertrag festgeschriebenen Leistungen schließen die Zusatzfinanzierung von Lehre und Lehrenden, die Koordination und Administration sowie Beratungs- und Informationstätigkeit ein – ein recht breitgefächertes, schwammiges Förderungsgebiet also, das die Universität dafür gleich doppelt begründen muss: Durch die Angabe des voraussichtlichen Aufwands vor jedem Studienjahr und eine entsprechende Rechnung mit Kostenaufstellung und Tätigkeitsbericht danach – eine Kontrolle der Geldflüsse an der Universität selbst ist allerdings nicht vorgesehen.

    Dafür kann sich das Institut über eine beachtliche Geldspritze freuen: Neben der Überweisung von 100.000 Euro pro Studienjahr erhält die Universität je 25.000 Euro für den Ankauf von „einschlägiger Literatur.“

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    Ein Mitspracherecht bei der Zuwendung dieser Beiträge hat das Land nicht, es darf den Förderungs-Vertrag lediglich „auflösen, wenn es von der Universität Innsbruck über wesentliche Tatsachen in Irrtum geführt wurde“ oder „die Universität Innsbruck ihrer Verpflichtung aus dieser Vereinbarung trotz schriftlicher Mahnung unter Setzung einer angemessenen Nachfrist beharrlich nicht nachkommt.“

    Dafür sichert sich das Land eine Art Sponsoring-Vereinbarung („Veröffentlichungen im Rahmen der Lehre erhalten den Hinweis, dass die Lehre von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol gefördert wird“) – und eine eigene Ansprechperson. Die da wäre?

    Esther Happacher, derzeit gleichzeitig Studienbeauftragte für Italienisches Recht und außerordentliche Professorin, soll als alleinige Auskunftsperson für „jegliche mit der Durchführung dieses Vertrages in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten“ zur Verfügung stehen. Happacher ist in Südtirol kein unbeschriebenes Blatt. Wie die TAGESZEITUNG am Montag berichtete, soll der gebürtigen Brixnerin derzeit mit fragwürdigen Mitteln eine Professur im Bereich Autonomie-Recht zugeschanzt werden – mithilfe einer passgenau zugeschnittenen Ausschreibung. Die Begründung der Universität: Man wolle damit ein „klares Signal nach Südtirol“ schicken.

    Ein schlecht kaschiertes Dankeschön in Richtung Chefverhandler/in? In Südtirol dürfte man sich jedenfalls beruhigt zeigen, dass schon bald eine „richtige“ Professorin mit Landesgeldern hantiert – egal, wie es nun dazu kommt.

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    Kommentare (13)

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    • Vogelweider

      Die Universität Innsbruck hat bis dato viele tausend Studierende unseres Landes hervorragend ausgebildet und war -und ist- deshalb nicht ohne Grund unsere Landesuniversität, auch abseits von politischen Ideologien oder Machenschaften. Wenn sie im oben genannten Zusammenhang nun weiters gefördert wird oder eine aus Südtirol stammende und hervorragende Lehrkraft wie Frau Happacher definitiv in den Lehrkörper aufnimmt, ist das einfach nur zu begrüßen.
      Dieses Stänkern hinter den Kulissen bringt niemandem etwas!

      • Themistokles

        Gerade weil das Jus-Studium in Innsbruck in der Vergangenheit gut funktioniert hat, müssen solche Entwicklungen, die dieses Studium ruinieren, verhindert werden.
        Die Qualität einer Universität steht und fällt mit den Professorenberufungen. Hier erfolgt eine Berufung ohne wirklichen Wettbewerb. Eine ad-personam-Ausschreibung ohne Wettbewerb ist eine Farce. Das zerstört den Ruf einer jeden Universität.. Wenn Frau Happacher so hervorragend ist, weshalb wird dann kein echter Wettbewerb ausgeschrieben? Auf dieser Basis brauchen wir überhaupt keine Wettbewerbe mehr, denn es wird sich immer jemand finden, der sich vornherein für „hervorragend“ hält.
        Außerdem verstößt diese Ausschreibung, wie klar aus dem gestrigen Artikel hervorgeht, gegen das Gesetz.
        Solche Vorfälle schaden vor allem den Studierenden. Die Südtiroler Jus-Studenten müssen sich schämen, wenn solche Vorfälle publik werden.

      • Leitln Leitln

        Jo, und wos isch mit di Gelder, de noch Inschbrugg iberwisen werdn? Konn der Londeshauptmonn oanfoch hundertttausende va Euro noch Innschbrugg schickn? Und wos isch mit die Guatochten va Obwexer und Happacher? 81.000 € fir a Guatochten des zomkopiert wor:

        http://www.tageszeitung.it/2015/07/19/das-kopierte-gutachten/

        Isch des insre akademische Elite?

      • Franz10

        Gegen Ausschreibungen ist das Land prinzipiell allergisch und wenn eine unumgänglich wird, weiß man schon ein Jahr zuvor, wer gewinnt. Dies gilt natürlich eher für höher dotierte Stellen vor allem im Schul- und Universitätsbereich. Schon längst werden z. B. die Inspektorenposten nach Gefälligkeit besetzt, ohne jegliches Kriterium. Dass man jetzt auch für eine Professorenstelle bezahlen lässt, ist mir neu. Wenn die gute Frau Happacher wirklich so gut ist, hätte man ja einen Wettbewerb ausschreiben können, den sie dann sicher gewonnen hätte.
        Neben dem richtigen Boot, in dem man sitzen sollte, um vorwärts zu kommen, ist es auch noch wichtig, möglichst wenig studiert zu haben. Schon gar nicht sollte man mit Veröffentlichungen aufwarten, außer in Hauspostillen. Den sonst fällt man unangenehm auf und könnte eine Konkurrenz darstellen.
        Wisst ihr wie es weiter geht: Die Stelle wird nach einiger Zeit nach Bozen mutiert, weil dort die Professorengehälter unvergleichlich höher sind. Dann wird man so langsam Dekan und vielleicht auch Rektor. Der Steuerzahler kommt dann nicht nur einmalig für die Stelle in Insbruck auf, sondern auf Dauer für die hoch dotierte Stelle an der Uni Bozen. Mich wundert bald gar nichts mehr. Napolitaner kommt, wir können euch Nachhilfestunden geben. Und, wir Deutsche betreiben die Gaunereien gründlicher.

    • Honecker

      ist frau happacher eine freundin der ordenbehangenen trachten-sabina??

    • christian waschgler

      In diesem Falle hinausgeworfenes Geld

      • Kruat

        ja, in Innsbruck studieren, kaum übern Brenner und schon den Held spielen, Arbeiten haben sie in der Uni nicht gelernt, nur mehr auf die Arbeitnehmer herum hacken. wir haben die Schnauze voll von diesen Oberschlauen. das sind unsere Steuerfresser.

    • artemis

      Apropos „hervorragende Juristen“. Hier ein „Standard“-Artikel zu Walter Obwexer:

      http://derstandard.at/1304551134092/Innsbruck-Eine-Habilitation-wie-ein-aufgewaermtes-Gulasch

    • christian waschgler

      Viel Studium – viel dumm

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