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    Wieviel Welt brauche ich?

    Sarah Merler: „Ich mag einfach, wie ich mich beim Tanzen fühle

    Sarah Merler: „Ich mag einfach, wie ich mich beim Tanzen fühle

    Die junge Waidbrucker Tänzerin Sarah Merler studiert noch am Wiener Konservatorium, steht aber bereits als Tänzerin und Choreographin ihre Frau.

    Von Heinrich Schwazer
    Am Anfang stand der klassische Mädchentraum von der Balletttänzerin. Geträumt hat ihn Sarah Merler als sie 7 Jahre alt war. Im Fernsehen lief eine Ballettaufführung, Schwanensee oder der Nussknacker, danach wusste sie: „Das will ich machen.“ Das Ziel vor Augen schrieb sie sich in eine klassische Ballettschule in Brixen ein, doch der richtige Kick kam in Amerika, wo sie während der Oberschule ein Auslandssemester verbrachte. „Dort habe ich jeden Tag trainiert und wusste, diesen Weg will ich weitergehen.“

    Ein Stipendium brachte sie, immer noch während der Oberschule, zu einer Tanzschule nach Mailand. Einen Monat lang tanzte sie dort täglich und den ganzen Tag über. „Damals habe ich erstmals das Leben von Tänzern so richtig mitbekommen. Den ganzen Tag tanzen und sonst nichts.“ Nach der Matura schrieb sie sich am Wiener Konservatorium für klassischen und zeitgenössischen Tanz ein, heuer schließt sie ihr Studium ab.

    „Ballett hat ein ziemlich enges Bewegungsvokabular, im zeitgenössischen Tanz kann ich alles machen. Da gibt es nicht richtig oder falsch.“ (Foto: Hannes Merler)

    „Ballett hat ein ziemlich enges Bewegungsvokabular, im zeitgenössischen Tanz kann ich alles machen. Da gibt es nicht richtig oder falsch.“ (Foto: Hannes Merler)

    Klassisch oder zeitgenössisch – der Widerstreit zwischen den beiden verfeindeten Richtungen interessiert die junge Waidbruckerin nicht: „Mir geht es nicht um klassisch oder zeitgenössisch, ich will einfach tanzen. Manche zeitgenössische Tänzer wollen mit klassischem Ballett nichts zu tun haben, aber der Trend geht dahin, dass ein Tänzer alles können muss.“

    Die Ausbildung umfasst zwar tägliche Ballettstunden, aber der Abschluss ist auf zeitgenössischen Tanz ausgelegt. Gute klassische Technik, so Merler, sei wichtig, ob man sie einsetzt oder nicht, sei eine andere Frage. Dennoch, „die Staatsoper Wien wäre nichts für mich“, sagt sie. „Ballett hat ein ziemlich enges Bewegungsvokabular, im zeitgenössischen Tanz kann ich alles machen. Da gibt es nicht richtig oder falsch.“

    Beim Festival Alpsmove hat sie ihren ersten Erfolg als Choreographin eingeheimst. Mit (In)visible hat sie die 3. Ausgabe des Schaufenstertanz-Wettbewerbs für sich entschieden, bei der heurigen Ausgabe des Festivals war sie zweimal vertreten. Mit den Stiegen-Aktionen “Bouncing, falling – but not going down” und „Ecological Footprint“. Auch wenn sie Tänzerin und nicht Choreographin werden will, hat sie bereits ein Gespür für tänzerische Konzepte bewiesen. „Ecological Footprint“, so der Titel der Choreographie, setzt sich mit dem ökologischen Fussabdruck auseinander, den jeder Erdenbewohner hinterlässt. „Es ist kein Stück über Ökologie, davon gibt es schon so viele. Schmelzende Eisberge, Müll und die Schädlichkeit des Autofahrens – das kennen wir schon. Es geht darum, welche Spuren mein eigener Lebensstil in der Welt hinterlässt, anders gesagt: Wieviel Fläche von der Welt brauche ich?“

    Aber wie setzt man solche Recherchen in Tanzbewegungen um? Merler geht das streng konzeptuell an: „Das Konzept muss stimmen, sonst verliert man sich in allzu vielen Einzelheiten. Ästhetik und Schönheit stehen nicht im Vordergrund, es geht um das Notwendige.“

    Dass die Tanzwelt kein rein ästhetisches Vergnügen, sondern ein überaus hartes Geschäft ist, ist ihr bewusst. 10 Stunden Tanz täglich mit schmerzenden Füssen und blauen Flecken sind normal, aber das macht einer Tänzerin nichts aus. „Man sucht es sich ja selber aus und man bekommt alle Mühen wieder zurück, wenn man auf der Bühne steht. Ich mag einfach, wie ich mich beim Tanzen fühle.“

    Ihre Zukunft? „Im Moment ist mir diese Frage ziemlich egal. Wo man mich nimmt, dort gehe ich hin. Am Anfang ist es einfach wichtig, Erfahrungen zu sammeln“, sagt sie. Das kann auch in Südtirol sein. „Man hat immer im Kopf, dass es in Südtirol für Tänzer eh keine Möglichkeiten gibt. Das stimmt nicht, wie das Festival Alpsmove beweist. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, aber genau das kann auch eine Chance sein, selbst etwas aufzubauen.“

    Und was sagt der Vater, Norbert Merler, seines Zeichens Ex-Bürgermeister von Waidbruck zur Tanzleidenschaft seiner Tochter? „Mittlerweile ist er schon überzeugt.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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