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    „Billige“ Advokaten

    Die Verbraucherzentrale hat eine Liste von Südtiroler Anwälten veröffentlicht, die ihre Leistungen günstiger anbieten. Nur 20 von 1.000 Anwälten haben an der Aktion mitgemacht.

    Immer häufiger fragen VerbraucherInnen die BeraterInnen der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS), ob sie ihren Fall vor Gericht bringen sollen, und wenn ja, an welchen Anwalt sie sich wenden können und wie viel die Kosten betragen würden.

    Um den VerbraucherInnen hier zu helfen, hat die VZS die Initiative „Anwaltskosten: transparente Preis online“ ins Leben gerufen.

    Ziel der Initiative war die Erstellung eines Verzeichnisses, aus welchem die VerbraucherInnen die in den jeweiligen Fachgebieten erfahrenen AnwältInnen ersehen können, und welches zugleich Auskunft über die von den AnwältInnen für die jeweiligen Tätigkeiten angelasteten Kosten gibt.

    anwaltDie VZS hat also jeden Anwalt und jede Anwältin in Südtirol angeschrieben (und das sind mehr als 1.000), um die Initiative zu erklären.

    Wer teilnehmen wollte sollte innerhalb eines bestimmten Termins die Informationen der VZS übermitteln.

    „Wir fragten nach spezifischen Erfahrungsbereichen und dem Prozentsatz, um welchen die Anwälte ihre Vergütungen zu verringern bereit waren, und zwar für Verfahren vor dem Friedensgericht und vor dem Landesgericht“, so die VZS.

    Das Echo sei schlichtweg enttäuschend gewesen:

    Nur 20 von über 1.000 AnwältInnen haben auf den Brief geantwortet. „Dabei wäre dies eine gute Gelegenheit gewesen, sich in Streitigkeiten im Bereich des Verbraucherschutzes zu bewähren“, so die VZS.

    Und weiter heißt es in der Aussendung:

    „Es gab auch den Fall eines Anwalts, der zuerst seine Teilnahme mitteilte, diese dann aber überraschend zurückzog. Man muss beinahe davon ausgehen, dass dies aufgrund eines Rundschreibens des Ausschusses der Rechtsanwaltskammer erfolgt ist, in welchem ,die begründete Befürchtung, dass durch die Teilnahme die Qualität der Leistung in erheblichem Ausmaß beeinträchtigt werden könnte“ geäußert wird, „was einen Nachteil, nicht nur für die Anwaltschaft, sondern auch für die Verbraucher selbst darstellt‘. Vielleicht erklärt dies die mangelnde Begeisterung der Anwaltschaft für unsere Initiative.

    Wir teilen die Interpretation des Ausschusses der Rechtsanwaltskammer überhaupt nicht, und sind der Meinung, dass diese auf die Entscheidungen der einzelnen Anwälte bezüglich ihrer Teilnahme eingewirkt haben könnte. Daher werden wir das Rundschreiben auch der Aufsichtsbehörde für Wettbewerb und Markt vorlegen, damit diese prüfe, ob hier ein konkurrenzschädigendes Verhalten vorliegt.

    Wer nachträglich an der Initiative teilnehmen, braucht uns nur die ausgefüllten Formulare zukommen zu lassen.“

    DAS IST DIE LISTE MIT DEN ANWÄLTEN UND DEN ABSCHLÄGEN, DIE SIE GEWÄHREN:

    Bildschirmfoto 2015-10-23 um 12.28.33

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    Kommentare (17)

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    • joka

      Die VZS hat sich wohl etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die bei der Anwaltskammer eingetragenen Rechtsanwälte habe viele Verpflichtungen und Auflagen zu befolgen. U.a. Studium, Praktikum, Staatsprüfung, verpflichtender Besuch von Kursen und Weiterbildungen, verpflichtende Berufshaftpflichtversicherung, Privacy-Regelung, Geldwäschebestimmungen, u.v.m. Dies gilt übrigens für alle Freiberufler, welche verpflichtend in irgendeine Berufskammer eingetragen sein müssen, um ihren Beruf ausüben zu dürfen.
      Ganz sicher aber gibt es aber keine Pflicht der VZS die Abschläge auf die Honorare mitzuteilen. Wieso fragt die VZS nur die Rechtsanwälte?? Sie sollte ALLE Freiberufler fragen,wenn sie die Abschläge so sehr interessieren: z.Bsp. u.a. Ärzte, Apotheker, Skilehrer, Ingenieure, Architekten, Steuerberater, Rechnungsprüfer, Notare, Arbeitsrechtsberater, Makler, Agronomen, Broker und Anlagenberater, Journalisten!!, Geometer, Perito Industriale…..
      Detail am Rande: Ich wähle meinen Rechtsanwalt oder anderen Freiberufler nicht anhand des Abschlages, sondern anhand seiner Fähigkeiten und Vertrauenswürdigkeit.

    • Alter Egon

      Bei der Anfrage der VZS wurde auch nach evt. Spezialisierungen gefragt. So müssen Anwälte, selbst wenn sie in einem bestimmten Feld erfahren sind, mit disziplinarrechtlichen Folgen rechnen, wenn sie sich in Ermangelung der nötigen Ausbildung zum Fachanwalt trotzdem als solcher ausgeben.

      • Josef

        das Verzeichnis zum Fachanwalt ist ja noch in Kinderschuhen. ein standesrechtliches Vergehen ist es jetzt schon wenn ein RA einen Fall in einem Bereich annimmt, den er nicht beherrscht.

    • WM

      Auf der Liste habe ich einen Anwalt gefunden, der mich geschädigt hat, indem er sich von der Gegenpartei unterm Tisch eine Abfindung versprechen hat lassen. Für ihn und für die Gegenpartei war das von Vorteil, für mich war es schlecht.
      Mehr als der Preis zählen Fähigkeit, professionelle Korrektheit und moralische Integrität. Der Schleuderpreis kann sich als ungünstig erweisen!

    • Felix von Wohlgemuth

      Es wurden von der Anwaltskammer mehrere Bedenken angemeldet; unter anderem wurde beanstandet, dass „die von der VBZ eingeforderte Verpflichtung, die Entgelte nicht einseitig abzuändern, auch nicht bei Vorliegen von begründeten neuen Umständen, ohne entsprechende vorherige Mitteilung an die VBZ, bedeutet, dass diese Mitteilung einem dem Mandatsverhältnis Außenstehenden gemacht werden muß“. Diese Vorgabe der VBZ ist schwerwiegend! Ich möchte mit niemandem, außer dem Mandanten selbst, über seinen Fall sprechen müssen…
      Des Weiteren, was nützt der Honorarabschlag des eigenen Anwaltes, wenn sich der gegnerische Anwalt natürlich nicht daran halten und der Klient nach dem Prozess beide zahlen muss? Viel besser ist es, wenn der Kunde – wie bei jedem Handwerker – vorab eine schriftliche Honorarvereinbarung (bzw. Kostenvoranschlag) verlangt und sich ausführlich über etwaige Risiken des Rechtsstreites (Jeder Rechtsstreit beinhaltet ein Risiko!!!) aufklären lässt. Damit wäre jedem besser gedient, als mit pauschalisierten Abschlägen auf eine mehr wie dehnbare Kostentabelle.

    • tztz

      Laien in der Branche kennt sich nicht aus,
      ob billig oder teuer auch gut ist?

    • Bernd

      Die Ital. Gesetzgebung dürfte jedermann einigermassen bekannt sein!
      Ergo: Für einen schlechten Anwalt ist jeder Cent zuviel und was ein guter Anwalt wert ist, müsste Jedem – spätestens nach dem Rainer Urteil – klar sein.

    • Unterwind

      Die Anwälte sollten nach amerikanischem Muster bezahlt werden. Bei Leistung gibs richtig Knete ansonsten nur das Benzingeld.

    • michl

      Anwälte haben zu wenig Arbeit.Kenne selbst 4 die anscheinend arbeitslos sind!

    • christian waschgler

      Um 1.000 € (tausend) darfst du bei einem Advokaten gerade einmal bei der Tür hineinschauen

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