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    Rotierende Beamte

    Rotierende Beamte

    Mehr als zwei Dutzend leitende Beamte wechselten in den letzten zehn Jahren ihren Posten. Eine hohe Fluktuation – oder ganz normale Verwaltungsrochaden?

    Von Anton Rainer

    Manchmal kann es selbst in der behäbigen Landesverwaltung ziemlich schnell gehen. Wurde Paolo Montagner noch im vergangenen Juli von Landesrat Florian Mussner als frischgebackener Direktor der Abteilung Vermögen begrüßt – musste er sich nur zwei Monate später in einen neuen Job einarbeiten.

    Als Ressortdirektor von Landesrat Christian Tommasini folgte er auf Katia Tenti, die ihrerseits – aufgrund empfindlicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft – in die Abteilung Vermögen wechselte, die Montagner vor ihr leitete. Dieser hatte wiederum alleine in den letzten zehn Jahre ganze vier, vom Straßendienst bis in die Vergabeagentur teilweise radikal unterschiedliche, Abteilungen geleitet.

    Eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Paul Köllensperger beweist nun: Montagners Rekordwechsel ist alles andere als ein Einzelfall.

    Gerade in den letzten Jahren wurde in den Landesämtern mutig befördert, degradiert oder gleich ganz versetzt: Mehr als zwei Dutzend Beamte wechselten in den letzten zehn Jahren ihren Posten, teilweise drei- und vierfach.

    Es sind Spitzenbeamte wie Thomas Mathà, der den Direktor-Posten in der Abteilung Europa in Richtung Gesundheits-Ressort verließ, wo ihn Martha Stocker nur ein Jahr lang werken ließ – oder wie Stefan Walder, der bereits Referent des ehemaligen Landesrats Erich Achmüller war, bevor er die Abteilung Berufsbildung leitete und schließlich im Ressort der Landesrätin Waltraud Deeg eine neue Heimat fand. Nach einem Jahr komplimentierte die ihn wiederum in Richtung Familienagentur. Kein Wunder, dass bei all diesen Rochaden kaum noch jemand den Überblick behält.

    Über „Kurzparkzonen“ an der Spitze der Landesverwaltung beschwerte sich schon im September die Grüne Landtagsfraktion, hier sehe man „barocke Personalrochaden.“ Und, so die Abgeordneten: „Hinweise auf eine schlechte Regie oder eine fehlende Gesamtvision zum Landesmanagement bietet das beschriebene Herumgeschiebe allemal genug, Verlegenheitslösungen haben Vorfahrt vor sorgsamem Personalmanagement.“

    Ein Blick auf die nun veröffentlichten Daten beweist vor allem: Selbst das Land weiß nicht genau, wer wie oft welche Abteilungen streifte.

    In der Beantwortung der Landtagsanfrage der 5-Sterne-Bewegung schreibt Personallandesrätin Waltraud Deeg: „Es gibt aktuell kein Programm, das es uns erlaubt, jene leitenden Angestellten zu erkennen, die in den letzten 10 Jahren die Abteilung gewechselt haben.“ Aufzeichnungen darüber gibt es nicht – weswegen eine diesbezügliche Aufstellung mühsam per Hand erstellt werden musste. Und, das gibt die Landesrätin offen zu, diese habe „keinen Anspruch auf Vollständigkeit.“

    In der Tat fehlen teilweise prominente Abgänge wie der nicht ganz freiwillige Wechsel von Irmgard Prader in die Prüfstelle des Landtags. Auch, so zumindest die Datensammlung der Personalabteilung, habe es zwischen 2006 und 2010 keinen einzigen Wechsel in den Landesämtern gegeben. Ein beeindruckender Wert – wenn er denn auch stimmt.

    Nichtsdestotrotz erlaubt die Aufstellung einen interessanten Blick auf die berufliche Mobilität der leitenden Landesangestellten. Erstens: Der Großteil der „Multitalente“ sind Männer – und in gleich fünf Fällen lag der Wechsel an einer Beförderung in das Amt eines Ressortdirektors. Das ist bei einer neuen Regierung durchaus naheliegend. Nicht ganz so logisch ist die Verortung der „Kurzparkzonen“ (Grüne): Neben der Vermögensabteilung wurde auch die Vergabeagentur von insgesamt fünf leitenden Beamten gestreift.

     

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