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    Spürnasen in Uniform

    zigarettenIm Auto darf nicht mehr geraucht werden, wenn Kinder und/oder Schwangere an Bord sind. Die Sicherheitskräfte fragen sich: „Müssen wir jetzt die Nase in die Auto hineinstecken und riechen, ob jemand geraucht oder gekifft hat?“

    von Artur Oberhofer

    Martin Schwienbacher kann den neuen Bestimmungen nicht allzu viel Positives abgewinnen.

    „Sollen wir jetzt auch noch hergehen und die Nase in die Autos hineinstecken und riechen, ob jemand geraucht oder gekifft hat?“

    Absurd sei das.

    Ähnlich wie dem Vizekommandanten der Stadtpolizei in Bozen ergeht es auch anderen Ordnungshütern.

    Italien verschärft den Kampf gegen das Rauchen.

    So weit, so gut.

    Am Montag hat der Ministerrat in Rom einen Gesetzentwurf verabschiedet, laut dem das Rauchen im Auto verboten wird, wenn Kinder oder Schwangere an Bord sind. Verboten wird auch das Rauchen im Freien vor Krankenhäusern. Und auf den Zigarettenpackungen sollen künftig abschreckende Bilder und Slogans abgedruckt werden. „Zigarettenrauch enthält 70 krebserregende Substanzen“, wird unter anderem auf den Schachteln zu lesen sein.

    Aber wie so oft in Italien:

    Die Maßnahmen haben, wenn überhaupt, nur Symbolcharakter. „Es ist so ähnlich wie mit der Spagnolli-Verordnung in Bozen, dass in Sportstadien nicht geraucht werden darf“, so erklärt Martin Schwienbacher. „Wer kontrolliert das? Niemand!“

    Die Sicherheitskräfte, so der Stadtpolizei-Vizekommandant, hätten anderes tun.

    Aber er gibt es heute, im Zeitalter der Aufklärung über die Nikotin- und Teerrisiken, tatsächlich noch Menschen, die im Auto tschiggen, wenn Kinder oder eine schwangere Frau mit an Bord sind?

    „Das mag vielleicht schon noch vorkommen“, sagt Martin Schwienbacher.

    Und weiter:

    „Aber was stellt sich die Regierung vor? Dass ich oder meine Kollegen eine Geruchsinspektion im Wagen machen? Und dann stellt sich auch noch eine technische Frage: Darf ich nur strafen, wenn ich den Fahrer mit dem Glimmstengel zwischen den Fingern erwische?

    Und was sollen wir tun, wenn wir eine Schwangere am Steuer erwischen, die eine Zigarette im Auto raucht?“

    Martin Schwienbacher appelliert einerseits an die Selbstverantwortung.

    Sprich: Wer heutzutage noch so blöd ist und im Auto raucht, wenn ein Baby und/oder eine schwangere Mutti mitfahren, dann sei dem eh nicht zu helfen. Andererseits: In puncto Verkehrssicherheit sei die Maßnahme völlig sinn- und belanglos.

    Martin Schwienbacher weiter:

    „Wenn etwas gefährlich ist, dann ist es das CD-Wechseln im Auto während der Fahrt, oder das Telefonieren und SMS-Schicken: Letzteres ist gleich gefährlich wie das Fahren unter Alkoholeinfluss.“

    Der Vizekommandant der Stadtpolizei in Bozen kann dem Rauchverbot im Auto also nichts abgewinnen. „Ich finde die Maßnahme einen Nonsens ersten Grades“, so Schwienbacher.

     

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