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Quici in Freiheit?

mord ester alexIm Mordfall Alessandro Heuschreck liegt das definitiv medizinische Gutachten der Anklage vor. Ester Quici ist für höchstens zwei der 18 Stiche im Körper ihres Lebensgefährten verantwortlich. Keiner von ihnen war tödlich – doch warum hat sie die Rettung nicht früher gerufen?

von Thomas Vikoler

Verbluten als Folge der 18 Stiche und Schnitte an seinem Körper. Das war laut Mattia Barbareschi, Pathologe aus Trient, und Gabriella Trenchi, Gerichtsmedizinerin aus Verona, die Ursache für den Tod von Alessandro Heuschreck. Die Agonie des 51-jährigen Bozners dauert laut ihrem Bericht im Auftrag von Staatsanwältin Daniela Pol rund eine halbe Stunde: Von 19.15 bis 19.45 Uhr.

Als der Notarzt an jenem 24. März dieses Jahres in der Wohnung in der Freiheitsstraße in Bozen eintraf, war es bereits zu spät. Der Rettungswagen, von seiner Lebensgefährtin Ester Quici gegen 19.30 Uhr verständigt, traf laut Bericht zwei Minuten vor Heuschrecks Tod ein.

Die TAGESZEITUNG hatte bereits Mitte August über die ersten Ergebnisse des Anklage-Gutachtens berichtet.

Der nun vorliegende Endbericht zu den medizinisch-dynamischen Aspekten des Mordfalles Alessandro Heuschreck bestätigt und präzisiert die Zwischenergebnisse. Von den 18 Stichen und Schnitten, die am Körper des Verstorbenen festgestellt wurden, war keiner tödlich. Und: Alle 18 Wunden könnte sich, zumindest hypothetisch, Alessandro Heuschreck selbst zugefügt haben.

Barbareschi und Trenchi kamen allerdings auch zum Schluss, dass möglicherweise zwei Schnitte – jene an der Hinterseite des Halses und am Gesäß – von Dritten zugefügt wurden.

Also von der Tatverdächtigen Ester Quici. Sie selbst hatte im Verhör nicht ausgeschlossen, im ihren Lebensgefährten im Laufe eines Handgemenges mit dem Messer verletzt zu haben.

Eine bewusste Absicht Quicis, Heuschreck zu verletzen, bestand laut diesem Gutachten also nicht.

Was bleibt da vom Mordvorwurf der Staatsanwaltschaft übrig? Im Vordergrund rückt damit das Verhalten der 34-Jährigen während der halben Stunden, die zwischen dem ersten und dem letzten Stich bzw. Schnitt vergingen. Warum hat sie nicht früher die Rettung gerufen?

Erwiesen ist jedenfalls, dass Quici das Messer abgewischt und in eine Schublade gelegt hat. Eine Panik-Reaktion sagen die Verteidiger Beniamino Migliucci und Enrico Lofoco, die kommende Woche die Enthaftung ihrer Mandantin beantragen werden.

LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Wie sich mit diesem Gutachten die Position von Ester Quici ändert

 

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