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    Kampf um Wien

    Kampf um Wien

    Michael Häupl oder Heinz-Christian Strache – Wer macht am Sonntag das Rennen? In der TAGESZEITUNG schildern Auslandssüdtiroler ihre Eindrücke von der wohl spannendsten Wien-Wahl aller Zeiten.

    Von Matthias Kofler

    In Wien bahnt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Rathaus an: In den letzten Umfragen vor der Wahl am Sonntag sind der amtierende Bürgermeister Michael Häupl und sein Herausforderer, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, mit 36 zu 35 Prozent fast gleich auf. Ohne Übertreibung kann man sagen: Die Wahl am Sonntag wird die spannendste in der Nachkriegsgeschichte der österreichischen Hauptstadt.

    Auch zahlreiche Südtiroler, die in Wien studieren oder arbeiten, erleben den Wahlkampf hautnah mit. Die TAGESZEITUNG konnte im Vorfeld ein paar Stimmen einfangen.

    Florian Mayr etwa arbeitet seit zehn Jahren in der Millionen-Stadt. Der Pusterer ist vor allem von der kleinen, liberalen Partei NEOS begeistert. Sie könnte am Sonntag zum ersten Mal den Sprung ins wichtigste Parlament der Alpenrepublik schaffen. „Die NEOS sind vergleichbar mit den Grillini in Italien – eine klassische Protestpartei“, meint Florian Mayr.

    Der Pusterer hat sich auch die Elefantenrunde der Spitzenkandidaten im ORF angesehen. Besonders beeindruckt hat ihn dabei eine Zahl: Demnach würden in Wien jährlich 9 Millionen Euro nur für institutionelle Wahlwerbung ausgegeben. „Klar, dass die Wiener irgendwann die Schnauze voll haben von dieser Politik“, so Florian Mayr.

    Ruth Kronbichler ist erst seit wenigen Tagen in Wien. Die junge Pusterin hat zuletzt ein Praktikum bei der TAGESZEITUNG absolviert und studiert nun in der österreichischen Hauptstadt. In den wenigen Tagen in Wien konnte sie sich aber schon einen Eindruck vom Wahlkampf machen: „Die Politiker machen schon die ganze Woche fleißig Werbung auf den Straßen“, sagt die Studentin. Wer macht das Rennen? „Vermutlich Strache.“

    Vor der Universität Wien finden fast täglich Demonstrationen gegen den FPÖ-Chef statt. Am Donnerstag etwa die Kundgebung mit dem Titel „Strache vertreiben – Flüchtlinge bleiben“. Die Route führte vom Schottentor über die Schottengasse, die Herrengasse und den Kohlmarkt bis zum Graben. Bei der Gegendemonstration zählte die Exekutive 350 bis 400 Personen. Alles sei friedlich verlaufen, hieß es. Ruth Kronbichler beschreibt ihre Eindrücke von den Demonstrationen so: „Trotz ständigen Regens hat sich die Menschenmenge von der Uni bis zum Graben erstreckt. Viele Teilnehmer haben Reden gehalten.“

    Helmuth Schweigkofler lässt sich von diesen Gegendemos nicht beeindrucken. Der gebürtige Oberösterreicher und Wahl-Südtiroler wird am Sonntag das Kreuzchen bei der FPÖ machen. „So wie meine ganze Familie: mein 75-jähriger Vater, mein 20-jähriger Sohn – wir alle wählen Strache“, so Helmuth Schweigkofler. Grund ist vor allem das Thema Ausländer, das die Österreicher derzeit so stark beschäftigt.

    Simon Pötschko hat überhaupt nichts mit der FPÖ am Hut. „Die FPÖ versucht natürlich mit altbekannten Strategien und Sprüchen die Wahlen zu gewinnen“, sagt der Student aus Neumarkt. Das alles beherrschende Thema, die Ankunft der hauptsächlich syrischen Fluchtlinge, spiele ihr dabei in die Hände. Pötschko glaubt dennoch an einen Häupl-Sieg. Es würden zwar starke Zugewinne der FPÖ erwartet. „Tatsächlich wird sich Häupl und die SPÖ aber auf Platz Eins halten können.“ Die von Häupl angestrebte absolute Mehrheit werde sich für die SPÖ aber auch diesmal nicht ausgehen. „Bei Weitem nicht“, so Pötschko.

    Durch den Zweikampf zwischen SPÖ und FPÖ haben die anderen kleineren Parteien große Schwierigkeiten, im Wahlkampf vorzukommen. Der ÖVP und den Grünen drohen Stimmenverluste. „Die Grünen haben es im Laufe der letzten fünf Jahre eigentlich recht gut geschafft, einige ihrer wichtigen Wahlversprechen umzusetzen“, meint Simon Pötschko und verweist auf das Öffi-Jahresticket und den Umbau der Mariahilferstraße. Allerdings gingen die Grünen im Zweikampf SPÖ-FPÖ unter.

    Die Meinungen über den Wahlsieg gehen unter den Südtirolern also weit auseinander. Doch auch wenn Strache die meisten Stimmen ergattern wird – Bürgermeister wird der FPÖ-Chef wohl nicht werden: Die wahrscheinlichsten Koalitionen im wichtigsten österreichischen Bundesland sind nämlich Rot-Grün oder Rot-Schwarz.

    Simon Pötschko glaubt: „Wenn sich rechnerisch auch Rot-Schwarz ausgeht, könnte Häupl sich dafür entscheiden, weil ihm eine schwache ÖVP sicher weniger dreinreden wird, wie es die Grünen in den letzten fünf Jahren getan haben.“

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    Kommentare (22)

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      • schorsch

        @ Gemach! Der Strache ist kein Wunderheiler. Selbst wenn er 47 % erhielte, würden sich alle Verlierer gegen ihn zu einer Koalition zusammenschließen.
        Ich persönlich würde an Straches Stelle das Amt eines Wiener Bürgermeisters nicht anstreben, bei all den Problemen, die 70 Jahre SPÖ-Herrschaft hinterlassen hat.
        Der Wiener Sumpf ist sprichwörtlich und den würde ich dem Herrn Paten selbst ausbaden alssen.

    • Andreas

      Strache wird stark zulegen und am Abend werden die Südtiroler Freiheitlichen Bilder verbreiten, auf welchen sie neben Strache jubeln und grinsen, als hätten sie etwas zum Ergebnis beigetragen.
      Sie werden verbreiten, dass die Freiheitlichenpolitik die richtige ist, obwohl die Politik der Südtiroler Freiheitlichen, wobei ihre „Politik“ eigentlich nur Polemik ist, mit der von Strache so gut wie gar nichts miteinander zu tun hat.

      Sollte der Ziehsohn des Totengräber Kärntens BM werden, kann er zeigen ob er regieren kann.

    • Unterwind

      Das Bild sagt mehr als tausend Worte. Der eine hat sich über Jahre im Wiener Sumpf gesuhlt, hat Speck angelegt, ist alt und schwerfällig geworden während der andere jung und dynamisch daher kommt, das sagen kann was Sache ist ohne dabei Angst haben zu müssen die Wähler zu vergraulen.
      Da können die Südtiroler FH Luftpumpen nur neidisch zusehen.

      • schorsch

        @: zum „Wiener Sumpf“: Der Leitspruch des Paten: Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht“.
        Einer der Großen der österreichischen Sozialisten, Dr. Karl Renner, zitierte in seinem Buch „An der Wende zweier Zeiten – Lebenserinnerungen“ (Wien, 1946), Seite 148, sein sozialistisches Vorbild, „Vater“ Alois Rohrauer:
        „Der Sozialismus ist eine Sache des Charakters! Der Sozialismus muß die Bewegung der anständigen, tüchtigen Arbeiter sein und nicht allerlei Gesindels“.
        Und Karl Renner ergänzte dazu u.a., daß Rohrauer ein starkes Mißtrauen gegen „alle Wirtshausläufer und Maulreißer“ in den eigenen Reihen hatte.
        Hatte er eine Vorahnung auf den „roten Gspritzten“?

    • Helene

      Helmuth Schweigkofler sollte sich vor Augen halten, dass er in Südtirol auch „Ausländer“ ist.

    • helmut

      Erstaunlich ist der Werdegang von Häupl.

      Der aus einer konservativ-nationalen Gymnasialverbindung kommende Abiturient geht nach Wien und lernt dort die radikal-marxistischen sozialistischen Studenten (VSSTÖ) kennen. Er schließt sich ihnen an.

      Sein Ausbruch aus dem bisherigen Milieu führt ihn in ein entgegengesetztes Extrem. Noch ist er idealistisch gesinnt und will die Welt nach links verbessern.

      Jetzt, am Ende seiner Tage, hinterlässt er ein korruptes Wien mit einer unsäglichen Verflechtung SPÖ-naher oder der Kommune zuzurechnender Firmen, in denen fette Versorgungsposten und Privilegien für Parteifreunde geschaffen wurden.

      Die Stadt selbst ist pleite, ihre Politiker sind hervorragend versorgt.

      Um rund 400.000 Wiener an der Armutsgrenze kümmert sich die „Sozialdemokratie“ so gut wie nicht, während der Zustrom von Wirtschaftsmigranten herzlichst willkommen geheißen wird.

      Das sind die neuen Wähler, welche die untreuen und abtrünnigen Österreicher ersetzen werden. Um sie wirbt man.

      Es ist ein langer Weg, den der radikale und einst idealistische Student Häupl zurückgelegt hat. Er selbst hat sich dabei verändert und er hat Wien verändert.

      Zum Guten?

      • schorsch

        @ Ja, der rote Pate war in seiner Jugend ein sehr strammer Nationaler: Er war Mitglied der national-freiheitlichen, schlagenden Schülerverbindung „Jungmannschaft Rugia zu Krems“. Bereits während des Studiums trat er 1969 dem Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) bei, den er 1972 wieder verließ. Nach dem RFS engagierte er sich beim „Verband Sozialistischer Studenten Österreichs“ (VSStÖ), dessen Bundesvorsitzender er von 1975 bis 1978 war.
        Mag sein, daß er einst idealistisch-sozialistische Ideale hatte. Davon hatte er sich schleunigst entfernt, denn seit Jahrzehnten beherrscht eine Art roter Familienclan die bankrotte Kommune.
        Von Sozialismus keine Spur!

    • Martinique

      Jaja, den Strache braucht es (nicht wirklich):

      http://derstandard.at/2000012460249/Wien-zum-sechsten-Mal-zur-lebenswertesten-Stadt-der-Welt-gekuert

      Der Kaiser macht es richtig: https://youtu.be/-hPn4ROHqR0?t=189 (zwar aus dem Jahr 2010 aber immer nocht passend)

    • helmut

      Wie sich Wien unter Häupl auf die neue Hoffentlich-SPÖ-Wählerschaft vorbereitet, konnte man gestern in der „Kronen-Zeitung“ lesen:

      In Wien wurde eine 50jährige Kindergärtnerin gekündigt. Sie hatte den Kindern den christlichen Hintergrund des Weihnachtsfestes erklärt.

      Sie hatte sich nach Ansicht der Magistratsabteilung damit als religiöse Fanatikerin erwiesen und „das Ansehen des Dienstes beschädigt“.

      Die Betroffene dazu in der „Kronen-Zeitung“:

      „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich habe doch niemanden beleidigt, nichts Schlechtes getan.

      Sie kennen ja das Vernehmungsprotokoll der MA 10, oder? Es stimmt: Ich habe den Kindern die christliche Bedeutung des Weihnachtsfestes erklärt.

      Aber ich durfte im Kindergarten ja nicht einmal sagen, dass das Jesuskind ein Bub ist – es musste gegendert werden, also ‚geschlechterneutral‘ als Zwitter erklärt werden. Obwohl jeder weiß, dass er Sohn Gottes ist.“

      Die Leiterin des Kindergartens hätte sie deshalb zur Rede gestellt: „Sie sagte, dass ich mich an den Bildungsplan der MA 10 zu halten habe. Aber einige dieser Vorgaben kann ich nicht mit gutem Gewissen erfüllen.“

      Soweit die hinausgeschmissene Kindergartenpädagogin, die jetzt im Alter von 50 Jahre beruflich vor dem Nichts steht.

      Weit haben wir es unter dem Banner des „Fortschritts“ gebracht!

    • Bernd

      Rot/Grün wird wieder regieren!! Warum?
      Weil sie folgende Stimmen kriegen:
      1. 90% von Sozialhilfempfänger
      2. 85% der Ausländer welche bereits wahlberechtigt sind
      3. 80% von Studenten (18 bis 28 Jahren) weil viele davon noch grün hinter den Ohren sind
      und blind Ihren Einflüsterern gehorchen

    • Hansomat

      Strache wird der nächste Bundeskanzler und plötzlich wird es dann sehr schnell gehen mit der doppelten Staatsbürgerschaft.

      • Steuerzahler

        @Hansomat
        …der Pius und die Ulli werden dann als Österreichische Staatsbürger nach Wien gehen und dort unter Strache einen Beraterposten annehmen.
        Die „Marke“ Südtiroler Freiheitliche wird dann bei Ebay versteigert, ganz nach dem Motto, nach uns die Sintflut.

    • christian waschgler

      Schade, kein blauer Himmel über Wien, noch immer nur rot – grün schwarze Gewitterwolken

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