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    Neues Ungemach für Raiffeisen

    paul gasser raikaDie Wettbewerbsbehörde wirft der Raiffeisen-Geldorganisation Preisabsprachen vor. Der Raiffeisenverband macht sich auf saftige Geldstrafen gefasst – und befürchtet gravierende Folgen für das genossenschaftliche System.

    von Heinrich Schwarz

    Paul Gasser ist besorgt: „Das Verfahren der Wettbewerbsbehörde dürfte noch innerhalb des Jahres abgeschlossen sein. Wir schließen nicht aus, dass gegen uns empfindliche Strafen verhängt werden und unser genossenschaftliches System in Gefahr gebracht wird.“

    Der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes betont jedoch, dass man die genossenschaftlichen Errungenschaften der letzten 125 Jahre auf jeden Fall verteidigen werde.

    Um was geht es?

    Die Geschichte beginnt mit einer Eingabe der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) bei der italienischen Wettbewerbsbehörde AGCM im Dezember 2013. Die Verbraucherschützer bemerkten bei einem Darlehens-Vergleich eine auffällige Gleichheit bei den Angeboten von lokalen Banken. Man vermutete eine Preisabsprache, die den geltenden Finanznormen widerspricht.

    Eine sogenannte Zinsuntergrenze verhindere, dass der variable Zinssatz unter eine vorher festgelegte Schwelle sinken kann.

    Gegen mehrere Raiffeisenkassen, die Südtiroler Volksbank und die Südtiroler Sparkasse wurden Ermittlungen eingeleitet. Ein Ergebnis der Wettbewerbsbehörde steht noch aus.

    Im Zuge der Ermittlungen hat die Wettbewerbsbehörde das Verfahren Anfang 2015 auch auf die Raiffeisen Landesbank, den Raiffeisenverband Südtirol und weitere Raiffeisenkassen ausgedehnt. Im Fokus dieser erweiterten Untersuchung steht der Verdacht auf einem nicht wettbewerbskonformen Informationsaustausch innerhalb der Raiffeisen-Geldorganisation.

    Im Bereich der Kreditvergabe – insbesondere bei Wohnbaudarlehen – soll es Preisabsprachen gegeben haben.

    Das Südtiroler Raiffeisen-System – ein System, das gegen das Kartellrecht verstößt?

    Bleibt die Wettbewerbsbehörde bei dieser Auffassung, hätte dies gravierende Folgen.

    EINEN AUSFÜHRLICHEN ARTIKEL LESEN SIE IN DER FREITAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG.

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    Kommentare (10)

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      • Walter Mair

        „Finanzielle Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln“
        Jean Paul Getty
        „Bankraub ist ein Unternehmen von Dilettanten.Wahre Profis gründen eine Bank!“
        B.Brecht

    • Stieglitz

      Walter Mair@

      Diese Worte von Brecht hab ich gestern in meiner Raiffeisenbank auf dem Bildschirm oberhalb des Schalters lesen können! Und heute diese Meldung….

    • Einereiner

      Da wird aber einiges verbogen in diesem Artikel. Wer Preisabsprachen macht ist illegal unterwegs und soll Strafe zahlen. Das ist gut so. Aber dann gleich das Ende des genossenschaftlichen Systems darin zu sehen….Da will sich der Täter als Opfer sehen.

    • Lagreiner

      Es geht hier im Kern darum, dass die Raiffeisenkassen zwar alle eigenständige Banken sind, aber in einem genossenschaftlichen Verbund zusammengeschlossen sind. Jede Kasse bedient ihr Tätigkeitsgebiet, das ist im wesentlichen die eigene Gemeinde. Da aber der Verbund (Raiffeisenverband) in vielfältiger Hinsicht Aufgaben für die Mitgliedskassen übernimmt, siehe Datenverarbeitung, Rechtsberatung, Unternehmensberatung usw.,glaubt die Wettbewerbsbehörde, dass das in gewissen Details mit den Regeln des freien Wettbewerbs nicht vereinbar ist, obwohl genau diese Organisationsform typisch für die Raiffeisenkassen ist, nicht nur in Südtirol sondern weit darüber hinaus – und das seit über 100 Jahren.

    • andy

      bravo Lagreiner du hast es auf den Punkt gebracht – außerdem ist in den Statuten der kleinen Raikas eine Kreditvergabe ab einem gewissen Betrag nicht vorgesehen, deshalb muss hierfür das Geschäft über die Raiffeisen-Landesbank abgewickelt werden – mit dem zukünftigen neuen Gesetz, welches die Regierung demnächst beschließen wird, müssen sich die Raiffeisenkassen sowieso mehr zentralisieren, was natürlich Vor- und Nachteile bringt. Der Bürokratieaufwand ist mittlerweile so hoch und die Erträge so gering, dass eine kleine Raika allein gar nicht mehr bestehen kann.

      • Walter Mair

        @andy
        Ich möchte Ihnen vorschlagen Ihr ganzen Gespartes ZINSFREI der Raika zu überlassen. Wenn Sie glauben, das nur ein Cent von irgendeiner Bank auf Kosten des Kleinsparers, nicht vervielfacht wird, dann haben Sie das System des „legalen Betrugs“ von Seiten der Banken überhaupt nie begriffen..

    • Ungläubiger Thomas

      @ Walter Mair
      Die aktuelle Bankenlandschaft (undifferenziert ob lokale Genossenschaftsbank oder internationale Großbank) ist also ein System des legalen Betrugs. Was ist der konkrete Gegenvorschlag zu den bestehenden Verhältnissen?

      • Walter Mair

        @Ungläubiger Thomas
        Dass man sein Geld nicht unbedingt unter der Matraze aufhebt, ist mir klar! Nichts desto Trotz und das können tausende Kleinsparer bestätigen, ist das heutige Bankensystem auf Abzocke aufgebaut und hat mit Real-wirtschaft nichts mehr zu tun. Mit der Abschaffung des Goldstandards und die Einführung der Papier-Valuten bekamen die Banken immer mehr an Macht. Eklatantestes Beispiel ist die FED in Amerika wo ein PRIVATBANK aus wertlosem Papier Dollars druckt und dem Staat dann verkauft! (sic) Die Finanzkrise ab 2007, versinnlicht plastisch, wie Banken mit dem Geld und Aktien der Kleinsparer umgehen und unbescholten davon kommen..Diejenigen, die den“ Karren“ an die Wand fahren,werden noch mit Millionen von Euros oder Dollar“prämiert“!!. Zu Ihrer Frage was die Alternative sei, möchte ich das Projekt Wörgl nennen, das Perspektiven aufgezeigt hat. Es wurde von den damaligen Banken nicht nur verteufelt,sondern auf Druck von oben „eliminiert“. Eine andere Möglichkeit wäre „Ethical Banking“.

        http://www.zeit.de/2010/52/Woergl
        https://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufgesichertes_Geld
        https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/das-wunder-von-worgl

      • Walter Mair

        @Ungläubiger Thomas
        Unerklärlicher Weise hat man meine Antwort auf Ihrer Frage in Bezug auf Alternativen NICHT veröffentlicht! Ich habe weder jemand beileidigt, noch wurde ich ausfallend! Habe nur Fakten über die Finanzkrise und dem FED zur Sprache gebracht!! Ich warte noch…. 🙂

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