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    Torins Traktor

    Torins Traktor

    Kinder mit Down-Syndrom werden häufig auf Wunsch des werdenden Vaters abgetrieben. Ein Berliner will das ändern – und fährt im Rahmen einer Kampagne mit dem Traktor quer durch Südtirol.

    Von Anton Rainer

    „Bis auf die Schweiz haben wir sämtliche deutschsprachigen Gebiete abgedeckt“, sagt Cord Groß, „aber die meiste Zeit haben wir sicher in Südtirol verbracht.“ Der 48jährige Berliner, Bezirk Prenzlauer Berg, bestieg vor rund drei Wochen zum ersten Mal ein eher seltsames Gefährt: Ein roter Traktor mit gelben Reifen, Baujahr 1962 und Höchstgeschwindigkeit von rund 15 km/h sollte den Hauptschullehrer mit Frau und Sohn Torin von Südtirol nach Berlin bringen. Warum all die Mühe?

    Seit rund drei Wochen ist Cord Groß nicht nur Besitzer eines einzigartigen Fahrzeugs – sondern auch eine Art Aktivist. Als Gründer der Kampagne „Väter sagen Ja“ will er, unterstützt von dem deutschen Schauspieler Jürgen Vogel, werdenden Eltern Mut machen. Kinder, die mit dem Downsyndrom diagnostiziert wurden, sollen, wenn es nach Groß geht, in Zukunft nicht mehr abgetrieben werden. Vor allem Männer müssten diesbezüglich sensibilisiert werden, sagt Groß, der die Entscheidung über seinen eigenen Sohn bis heute nicht bereut.

    7 Traktor Aufmacher

    Cord Groß mit Sohn Torin

    Den Verlauf seiner nicht nur politisch ambitionierten Reise, die vor allem in deutschen Medien großen Anklang gefunden hat, dokumentiert Groß auf seiner Facebook-Seite. Zu sehen sind: Der Traktor am Timmelsjoch, am Penserjoch, am Jaufenpass, vor dem Gasthaus Schönau im Passeiertal, mit zahlreichern unterstützenden Südtirolern.

    „Es war wunderschön, und die Menschen waren wirklich gastfreundlich“, erklärt Groß im Gespräch mit der TAGESZEITUNG – und hat auch eine Vermutung, warum der Großteil der Kampagne in Südtirol stattfinden musste: „Woanders hätte ich nicht so viel Unterstützung gekriegt. Ein Bergvolk hat eine andere Ethik und erkennt schneller, was im Leben wichtig ist – und das sind nun mal die Kinder.“ Bessere Eigenwerbung hätte man auch in der Landesverwaltung nicht erfinden können. Am heutigen Mittwoch erreichen Cord und Torin, per (nicht ganz so rotem) Flugzeug die deutsche Hauptstadt – zur Ankunft am Brandenburger Tor werden sogar Kamerateams der ARD erwartet. Das Ziel des Berliners: „Ich möchte, dass wir es in die letzten Minuten der Tagesschau schaffen.“ Ohne Traktor – aber mit großem Antrieb. Sein Motto: „Wenn ein Mann sich für ein Downsyndromkind entscheidet, dann ist das sein Mount Everest.“

    Traktor am Timmelsjoch

    Traktor am Timmelsjoch

     

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    Kommentare (12)

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    • Puschtra

      Warum wird nicht darüber berichtet, dass die Meisten Frauen, die, warum auch immer einer Abtreibung zustimmen, deshalb in tiefe Depressionen fallen – sowohl unmittelbar als auch später (besonders während der Wechseljahre). Im schlimmsten Fall führen sie zum Selbstmord der Frau, bedeutend öfter zu großem Schuldbewusstsein.

    • Andreas

      Die ethische Säuberung hat auch vor Südtirol nicht halt gemacht, es kamen fast keine Kinder mehr mit Downsyndrom auf die Welt.

      Die Methoden der Medizin sind nicht wirklich verlässlich, was Ärzte aber manchmal ignorieren, es sollte aber eine Entscheidung der Frau sein, da meistens sie es ist, welche sich schlußendlich, auch bei einer Trennungen, um das Kind kümmert.

      Es ist eine schöne Aktion vom ihm und Respekt für seine Einstellung.
      Den Alltag müssen die Eltern aber alleine bewältigen und die Unterstützung der Politik ist recht bescheiden.

      Als es im Landtag vor nicht mal langer Zeit zur Abstimmung kam, 1.813 Behinderten, welche arbeiten, des Entgeld von 396 Euro um einen kleinen Betrag zu erhöhen, stimmten die ehrenwerten Damen und Herren dagegen.
      Sich selbst Pensionszahlungen in Millionenhöhe genehmigen und bei Menschen, welche wirklich jeden Euro brauchen können, eine betroffene Mutter weinte bei einem Interview, als sie die Entscheidung kommentierte, fangen sie an zu sparen.
      Grad solche Entscheidungen tragen dazu bei, dass die Achtung vor Politikern verloren geht.

      Wenn ein Land, welches sich Flughafen, Thermen, Safty Park und sonstige kostspielige Spielereien leistet, nicht mal, glaub es hätte jährlich eine Million ausgemacht, leisten will, sollte es vielleicht mal seine Prioritäten überdenken.

      • Mann

        Andreas, diese Abstimmung steckt mir immer noch im Hals wie ein Knödel. Total unverständlicn, wenn man tagtäglich mitansehen muss, wie unsere Steuergelder beim Fenster hinausgeworfen werden.

        • Andreas

          Mir sind die meisten Sachen, welche sie abstimmen, recht egal, doch bei diese war meiner Meinung nach der Tiefpunkt der amtierenden Landesregierung. Mich ärgert dies mehr als die Rentenvorauszahlungen.

          Da sitzen Leute drin, welche monatlich 6.000 – 10.000 Euro bekommen, verdienen tun es sich die wenigsten, und diese meinen ein Behinderter muss mit 396 Euro abgespeist werden.

          • Kruat

            Andreas, wieder einmal, ein Super Kommentar, das ist Leider die Wahrheit, was die Bürohengste mit den Behinderten betreiben. oft haben sie so richtig schikaniert, es kostete den Betroffen viel Geld, ohne Behinderte keine Büros, Das Geld was den Behinderten zusteht Frist das meiste das Büro. Daumen hoch für Andreas.

    • Stephan Mair

      Willkommen in Südtirol, Torin und Cord.
      Ein Bergvolk hat eine andere Ethik.
      Schön wärs.
      Trotzdem danke für den Lob und alles Gute für eure Reisen und Aktivitäten.

    • Alfons Zanardi

      Schöne Sache, sehr trauriges Thema.

    • Peace

      Ich glaube, dass es bei so einer Entscheidung nie Gewinner oder Verlierer gibt, und dass „Aussenstehende“ sich kein Urteil darüber erlauben sollte, ob die Abtreibung richtig oder falsch ist, dies rein menschlich und nicht christlich betrachtet.
      Egal wie sich die Eltern entschieden haben, schwierig wird es für Sie so oder so, so dass man allen Beteiligten am besten viele glückliche und fröhliche Momente nur wünschen kann.

      • Dr. Engelbert Dollfuß

        @peace: Bei einer Entscheidung „pro Abtreibung“ gibt es keine Verlierer? Was ist mit dem ungeborenen Kind, dass in dem Fall umgebracht wird? Ist das nicht der Verlierer, weil es sogar das Leben verliert?

    • Sofie

      Ich glaube auch, dass es niemanden zusteht, der nicht selbst in einer solchen Situation ist, zu urteilen, glaube aber schon, dass in Südtirol die Tendenz eher noch in Richtung Akzeptanz geht als in Deutschland, wo fast schon standardmäßig eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht wird und danach der Druck für eine Abtreibung sehr groß ist. Allerdings stimmt es leider auch, dass die Politik bei uns tatenlos ist und einem die Entscheidung pro Kind nicht gerade leichter macht.

    • humanist

      die schon was meine zu sagen, sollen erst erfahren wie es ist so ein Kind zu bekommen, mit alle
      probleme, deswegen abtreibung besser. dann pfarrer ethiek.

    • Cord Groß

      Liebe Südtiroler, liebes Hotel Adlon,
      wir haben uns wirklich verdammt wohl in Südtirol gefühlt und wir wurden freundlichst im Hotel Adlon empfangen !
      So gegensätzlich auch diese beiden Adressaten meines Briefes sind, so sehr vereint sie doch unsere Erinnerung an große Herzlichkeit, Gastfreundschaft und ein Herz am rechten Platz.
      Gestern hatten wir unsere Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin.
      Alles ist bestens gelaufen. Wir bekamen eine Polizeieskorte mit drei Motorrädern und zwei Wagen. Das war, ehrlich gesagt, schon ein erhabenes Gefühl. Mit dem alten Steyr-Trecker, der eben noch über das Timmelsjoch getuckert war, begleitet von der Polizeieskorte, zum Brandenburger Tor zu fahren !
      Das Hotel Adlon, eines der Besten, hat uns mehr als mit offenen Armen empfangen !
      Jürgen Vogel, die Down-Syndrom-Kinder und ihre Familien wurden vom Empfangschef, der Pressechefin und der Gästebetreuung wärmstens empfangen. Das Adlon spendierte Champus und Eis für die Kinder und in Gedanken war ich beinahe noch in Südtirol.
      Deutschland hat im Umgang mit geistig behinderten Menschen eine tiefe Schuld auf sich geladen.
      Die Zukunft fängt heute an. Am Brandenburger Tor, wie auch in Südtirol !
      Eine Zukunft mit allen Kindern, die uns geschenkt werden:
      Den Mädchen und den Buben,
      den „normalen“ und den „besonderen“.
      Einen herzlichen Dank an alle, die uns bisher so engagiert und tatkräftig unterstützt haben.
      Der Traktor rollt weiter.
      Torin und sein Trecker sind noch nicht am Ziel !

      Herzlich, Cord Groß

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