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    Fremde Flaschen

    Fremde Flaschen

    Wer seinen Durst am Südtiroler Expo-Stand stillen möchte, sollte sich nicht auf Gletscher-Wasser und Forst-Bier freuen. Die Hintergründe eines absurd anmutenden Sponsoren-Vertrags.

    Von Anton Rainer

    Südtirol, Südtirol und noch mal Südtirol: Lange bevor der erste Ast des 13 Meter hohen Südtirol-Standes auf der Mailänder Expo an seinem geregelten Baumhaus-Platz hing, war für das Land klar, wie man sich im Rahmen der Weltmesse präsentieren möchte. Südtiroler Äpfel, Südtiroler Speck, Südtiroler Weine und sogar das „Südtiroler Lebensgefühl“ (Arno Kompatscher) sollten die Expo-Besucher für die kleine Alpenregion begeistern – Südtirol „all inclusive“, quasi.

    Umso verwunderter war ein TAGESZEITUNG-Leser, als er, mitten im heißen Mailänder Juli, seinen Messebesuch mit Bier versüßen wollte. Statt Forst oder Batzen-Bier hieß es am Südtiroler Stand: „Tut uns leid, wir haben nur Poretti.“

    Marion Pristinger, Hotelunternehmerin aus Nals, führt das rund 80 Quadratmeter große Restaurant am Südtiroler Stand. Bereits Anfang Mai bedauerte sie im Gespräch mit der Südtiroler Wirtschaftszeitung Schwierigkeiten mit Südtiroler Wasser und Bier.

    Heute sagt sie: „Birra Poretti ist Sponsor des Italien-Pavillons – rechtlich bleibt uns also gar nichts anderes übrig, als es auszuschenken.“

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    LH Kompatscher mit österreichischen Vertretern auf der EXPO

    Ähnlich die Situation beim abgefüllten Wasser. Anstelle von Südtiroler Gebirgsquellen kommt das Wasser in Mailand wahlweise von dem Toskaner Unternehmen „Acqua Panna“ oder von „San Pellegrino“ – eine Tochter des Nestlé-Konzerns. Diese Regeln seien aus juridischer Sicht unbedingt zu befolgen, meint Marion Pristinger, auch wenn man über Alternativen nachgedacht habe.

    In der Tat bestätigt man auch bei Forst Verhandlungen, die man mit der Zeit aufgeben musste – trotz rechtlicher Grauzonen, die man bereits im Auge hatte. Denn: Südtiroler Bier wäre nur zulässig gewesen, wenn man auf das Logo verzichtet hätte. „Wir haben zum Beispiel über Manschetten statt Etikettierungen nachgedacht – und darüber gesprochen, das Forst-Bier halt ohne Namensnennung anzubieten.“ Daran hatte das Unternehmen allerdings wenig Interesse.

    Stattdessen konzentrierte sich Forst auf Verhandlungen mit den deutschen Ausstellern. Dort verzichtete man zwar, Hofbräuhaus sei Dank, auf Südtiroler Bier – konnte sich aber durchaus mit dem Innichner „Kaiserwasser“, ebenfalls Teil des Burggräfler Brauerei-Unternehmens, anfreunden.

    Die kuriose Folge aus dem Getränke-Deal: Wer Südtiroler Wasser sucht, wird nur im deutschen Pavillon fündig.

    Südtiroler Kaffee hingegen erhält man dort, wo man ihn vermutet – kriegt das aber möglicherweise nicht mit.

    So bezieht Marion Pristinger zwar Kaffeepulver des Leiferer Unternehmens Garaboni, darf dessen Logo aber, wegen eines Exklusiv-Deals der Italiener mit „illy“, nicht offen zeigen. Pristinger: „Wir sagen aber, woher der Kaffee kommt, wenn jemand fragt.“ Immerhin: Garaboni trinkt man nicht nur im Baumhaus – auch am weißrussischen Gastronomie-Stand wird Leiferer Kaffee ausgeschenkt.

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