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    Lillo geht

    Lillo geht

    Enrico Lillo ist als Regionalkoordinator von Forza Italia zurückgetreten. Der Grund: Eine despektierliche Aussage von Silvio Berlusconi gegen das Militär.

    von Thomas Vikoler

    Vielleicht ist es ein Zufall, dass die beiden einschneidenden Ereignisse im Leben des Enrico Lillo an ein- und demselben Tag vorfielen. Das Ende seines Mandats als Gemeinderat von Forza Italia in Bozen und sein Rücktritt als regionaler Koordinator von Forza Italia.

    Enrico Lillo schlägt die Tür zu und geht. Aus Ärger und Zorn über Silvio Berlusconi, dem auf die politische Bühne zurückgekehrten Chef von Forza Italia.

    Berlusconi soll, so berichtet eine Zeitung in einem Leitartikel, folgenden Satz ausgesprochen haben: „Invece die stare ad annoiarsi in caserma a giocare a carte, tutti i militari nelle vie delle nostre cittá. Loro sarebbero felici“.

    Ein Satz, der Enrico Lillo zutiefst getroffen hat, wie er in seinem Rücktrittsschreiben an Berlusconi einräumt. Das ist in gewisser Weise nachvollziehbar: Lillo ist von Beruf Maresciallo bei den Alpini in Bozen.

    Sich vom eigenen Parteiboss nachsagen zu lassen, den ganzen Tag in der Kaserne Karten zu spielen – das geht dann doch zu weit. „Eine Verleumdung, weil es einfach nicht wahr ist, was hier behauptet wurde“, ärgert sich Lillo.

    Der zurückgetretene Koordinator räumt allerdings ein, den despektierlichen Satz bereits einmal live aus dem Mund Berlusconi gehört zu haben. Und zwar bei einem Treffen der gewählten Gemeinderäte von Forza Italia im Juli. Damals habe er gedacht, so Lillo, es handle sich um einen Lapsus des allmächtigen Parteigründers.

    Doch inzwischen, nach der Lektüre des Zeitungsartikels am 27. September ist der Lokalpolitiker aus Bozen zum Schluss gelangt, dass Berlusconi es ernst gemeint hat. „Das steckt Überzeugung dahinter“, getraut sich Lillo in seinem Rücktrittsbrief zu schreiben.

    Er fordert Berlusconi darin auch auf, seine Aussage gegen die Angehörigen des Italienischen Heeres zurückzunehmen. „Sie haben die Ehre der Tausenden Soldatinnen und Soldaten verletzt, die im Dienst ihr Leben riskieren“, schreibt Lillo.

    Ob er weiterhin bei Forza Italia bleibt – etwa im Hinblick auf die kommenden Gemeinderatswahlen in Bozen – lässt Maresciallo Lillo offen. Er dankt immerhin der FI-Parlamentarierin Michela Biancofiore für die langjährige Zusammenarbeit.

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    Kommentare (12)

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    • Hubert

      Gut, er ist jedenfalls beim Militär und kann sich innerhalb seiner Dienstzeit für die Nebenbeschäftigung im Gemeinderat von Bozen Zeit nehmen. Solche Privilegien gibt es in der Privatwirtschaft nicht.
      Anscheinend werden solche bevorzugte Menschen schnell zu Mimosen und ziehen sich beim ersten „Unwetter“ schnell zurück.
      Anstatt sich mit dem Obersten in seiner Partei und mit der Biancofiore auseinanderzusetzen, wirft er das Handtuch. Es scheint beinahe so, als hätte er nur auf einen „Grund“ gewartet, oder?

    • Einereiner

      Man erinnere sich an den zweiten Weltkrieg, als die Italiener von Deutschland aus Angriffe auf England flogen. Die Deutschen hatten doch einige Verluste bei den Einsätzen, die Italiener keine. Dies verwunderte die Deutschen und so flog einer den Italienern unbemerkt hinterher. Was er dann sah, erklärte die geringen Verluste der Italiener: sie warfen die Bomben nicht über London ab sondern bereits über dem Ärmelkanal und drehten dann um.

    • schorsch

      Wir benötigen weder die Furza, noch deren Faschismusfreundliche Vertreter als Stellvertreter eines Maffia-Freundes im Lande. Auch das Militär als Besatzungsmacht hat hier nichts verloren.

    • Kurt

      Jeder der die „Naia“ gemacht hat , weiß das Berlusconi nun das erste mal in seinem Leben die Wahrheit gesagt hat und besonders die Unteroffiziere waren die faulsten Typen in der gesamten Kaserne und dazu gehören auch die Marescialli.

      • paulus

        Kurt du bist über den heutigen Stand des Militärs nicht genügend informiert, heute ist das italienische Heer viel operativer als nochvor 15 Jahren, Wir haben ein Berufsheer das in Bereitschaft steht. Natürlich kommt es vor das Kartengespielt wird oder die Zeit sinnlos totgeschlagen wird, das ist bei der Bundeswehr auch nicht anders.

        Nur so wie Onkel Silvio das sich vorstellt geht garnicht, alle mit ihren MP in den Strassen der Städte und das 24 stunden lang, das wären dann wirklich afrikanische Verhältnisse und wer möchte das gerne sehen?

        • Yannis

          >>>Nur so wie Onkel Silvio das sich vorstellt geht garnicht, alle mit ihren MP in den Strassen der Städte und das 24 stunden lang, das wären dann wirklich afrikanische Verhältnisse und wer möchte das gerne sehen?<<<

          gemeint ist sicher als man Militärangehörige zur Unterstützung der regulären Staatsorgane (Carabinieri, und Polizia mit auf Streife schickte.

          Mir war der Anblick von Soldaten in Süditalienischen Städten an der Seite der Carabinieri allemal lieber als der Anblick aller möglichen "Clandestini"

    • So-sehe-ich-das

      Mal eine berechtigte Frage: welche Aufgabe hat das Militär in Südtirol?
      Ich war selbst beim Militärdienst (Pflichtdienst) und 90% der Dienstzeit war verlorene Zeit. Die restlichen 10% der Dienstzeit war ich in „Licenza ordinaria“ 😉 😉
      Berlusconi hat mit seiner Aussage recht.

      • schorsch

        Das italienische Militär hat seit 1919 in Südtirol die Aufgabe, das Land besetzt zu halten und ab und zu mit Alpini-Aufmärschen dem Volk den Gessler-Hut zu zeigen, den man zu grüßen hat.

    • Peter.g

      Wenn ich sehe dass Mareschalli mit Anfang 50 seit kurzem in Pension sind, welche vor dreissig Jahren ein Jahr lang geglaubt haben mich zu drillen, denke ich auch dass etwas nicht stimmt. Nicht stimmt deshalb weil sie selbst nur einige Jahre älter sind als ich, ich aber noch Jahre bis zu meiner Pensionierug arbeiten muss. Dazu kommt noch dass einer dieser Herren vor einigen Jahren sich mit dem Spruch hervortat dass nur sie im Ausland gearbeitet haben, alle anderen der Bevölkerung haben diesbezüglich nichts geleistet.

    • AlexB.

      Berlusconi hat meines Erachtens zumindest das zweite mal in seinem Leben 100% die Wahrheit gesagt. Als er sagte: meglio guardare le ragazze che essere gay und eben dieses Mal. Außerdem, ist das Militär in Südtirol so wie es bis heute aufgetreten ist sowieso fehl am Platz. 100% nationalistisch und italofil. Das entspricht nicht dem Wille des südtiroler Volkes, dafür zeugen ja alle Wahlen im Lande.

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