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    Mussolini im Archiv

    Roland Lang und Eva Klotz vor dem Gerichtspalast in Bozen (Foto: SHB)

    Roland Lang und Eva Klotz vor dem Gerichtspalast in Bozen (Foto: SHB)

    Die von Roland Lang (Südtiroler Heimatbund) und Guido Margheri (SEL) eingebrachten Anzeigen gegen den Casa-Pound-Gemeinderat Andrea Bonazza wegen faschistischer Wiederbetätigung sind auf Antrag von Staatsanwältin Daniela Pol archiviert worden.

    Die von Roland Lang (Südtiroler Heimatbund) und Guido Margheri (SEL) eingebrachten Anzeigen gegen den Casa-Pound-Gemeinderat Andrea Bonazza wegen faschistischer Wiederbetätigung sind auf Antrag von Staatsanwältin Daniela Pol archiviert worden.

    „Überraschend ist nicht die Archivierung des Verfahrens, da die italienische Justiz mit Faschisten üblicher Weise sehr gnädig ist, wohl aber die Begründung der Staatsanwältin: Die Erklärungen Bonazzas, der unter anderem Hitler und Mussolini gelobt hatte, seien rein persönliche Überzeugungen und in den extremistischen Ideologien allgemein üblich“, kritisiert Hartmuth Staffler vom SHB am Dienstag in einer Aussendung.

    Am 14. Mai dieses Jahres hatte Andrea Bonazza in einem Radio-Interview sich offen als Faschist bekannt und ein Loblied auf Benito Mussolini gesungen.

    Wenn es den Duce heute noch gäbe, würde es um Italien besser stehen, sagte er. Auch für Adolf Hitler hatte Bonazza nur gute Worte gefunden.

    Der Führer habe für das deutsche Volk viel Gutes getan, unter anderem habe er den Volkswagen bauen lassen, so Bonazza.

    Sowohl Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes, als auch Guido Margheri, Gemeinderat der Liste Sinistra Ecologia Libertà (SEL), reichten gegen Bonazza Anzeige wegen des Verdachtes auf faschistische Wiederbetätigung (Mancino-Gesetz) ein. Margheri verwies auch darauf, dass Bonazza bei der Wahlveranstaltung des Lega-Chefs Salvini in Bozen den verbotenen faschistischen Gruß gezeigt hatte, wie Fotos dokumentieren.

    Die Staatsanwältin hat in den Aussagen Bonazzas nichts Strafbares erkannt, zumal Bonazza sich zwar selbst als Faschist bezeichnet, aber niemanden aufgefordert habe, ebenfalls Faschist zu werden. Bei seinen Geschichtsverirrrungen handle es sich um rein persönliche Ansichten, wie sie in extremistischen Ideologien nun einmal üblich seien.

    Bezüglich des faschistischen Grußes habe der Beschuldigte selbst erklärt, dass es sich nicht um einen solchen gehandelt habe. Dies werde auch dadurch bestätigt, dass die anwesenden Polizisten keine entsprechende Meldung an die Staatsanwaltschaft gemacht haben, so die Staatsanwältin.

    Das Fazit des SHB-Mannes Hartmuth Staffler:

    „Laut der Staatsanwältin ist es also durchaus zulässig, dass man die in extremistischen Ideologien üblichen Geschichtslügen verbreitet. Und wer den Hitler-Gruß zelebriert, muss halt erklären, dass er nur jemandem zugewunken hat, und auf das Wohlwollen bzw. die Zustimmung anwesender Polizisten vertrauen, die an diesem Gruß nichts auszusetzen haben.“

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    Kommentare (32)

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    • Flötzinger

      Bozen zeigt sein wahres Gesicht!

    • Holzfäller

      Einsame Rufer in der Wüste

    • Andreas

      Anscheinend war Staatsanwältin Daniela Pol schon für das Verfahren von Kammerlander zuständig. Irgendwie überzeugt mich die Meinung dieser Frau nicht unbedingt.

      Mit dem Argument, dass eine Aussage persönliche Ansichten sind, was eigentlich in der Natur der Sache liegt und nicht erwähnenswert wäre, kann man also alles ungestraft sagen bzw. schreiben.
      Eine etwas radikalere Ausdrucksweise und ein Verherrlichung von Massenmördern wird aus faschistischen Kreisen offensichtlich toleriert.

      Also meine persönliche Ansicht ist jedenfals die, dass Frau Daniela Pol anscheinend faschistische Äußerungen duldet und als normal ansieht.
      Der faschistische Gruß war auf einem Film eindeutig sichtbar, damit zu argumentieren, dass es keiner war, weil kein anwesender Polizist eine Meldung gemacht hat, ist eine recht kreative Sichtweise eines eindeutigen Sachverhalts.

      Leute vom Schlage eines Bonazza sollten in keinem zivilisierten Land einen politischen Posten besetzen.

      • Stefan77

        Und wieder ein Grund, sich weiter fest an Italien zu klammern, oder? Eine funktionierende Justiz ist Grundvoraussetzung eines modernen zivilisierten Staates, und Italien hat keine funktionierende Justiz. Übrigens, Stein am Stein soll wegen Verjährung archiviert werden, aber das ist sicher in Ihrem Interesse. Sie bewundern ja „kreative“ Manager.

        • Andreas

          Das Urteilsvermögen von Frau Pohl hat sehr wenig mit der italienischen Justiz, sondern mit ihrer Einstellung zu tun.
          Dir ist schon klar, dass bei einer Abtrennung von Italien das Volk nicht ausgetauscht oder einer Hirnwäsche unterzogen wird?

          • Stefan77

            Ihnen ist schon klar, dass ein Richter dem Archivierungsantrag der Staatsanwältin stattgeben muss? Dieser Fall sagt also sehr wohl etwas über die Italienische Justiz aus.
            Natürlich würde das Volk nicht ausgetauscht und auch keiner Hinwäsche unterzogen werden. Hätten wir eine funktionierende Justiz und eine klare Gesetzgebung, wo jeder sich bewusst ist, dass ein Vergeben eine sichere Strafe zur Folge hätte, dann bräuchte das Volk nicht ausgetauscht werden, es würde zur Legalität erzogen.

            • Andreas

              Wenn schon die Staatsanwaltschaft keinen Klagegrund sieht, wird es für einen Richter recht schwierig trotzdem einen Prozess zu führen.

              Pauschale Urteile wie „die Justiz funktioniert nicht“ oder „wir haben keine klare Gesetzgebung“, bringen sowieso nichts, da sie, wie das Wort schon sagt, zu pauschal sind um sich dazu zu äußern.

              „Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand.“
              Dies gilt aber nicht nur in Italien.

            • Stefan77

              Wie motiviert war denn die Staatsanwältin bei den Nachforschungen? Wollte sie keinen Klagegrund finden? Ein Richter MUSS dem Archivierungsantrag NICHT stattgeben. Es kommt öfters vor, dass ein Richter diesen ablehnt und weitere Ermittlungen anordnet.
              Italien ist das Land mit den meisten Gesetzen welche sich häufig sogar widersprechen. Eine klare Gesetzgebung sieht für mich jedenfalls anders aus. Und eine Justiz, die nicht im Stande ist, im gesetzlich vorgesehenen Zeitrahmen (dank Berlusconi) ein engültiges Urteil zu fällen, funktioniert m.A. nach nicht.

      • schorsch

        Ach Andreas: Es ist doch nicht die von Ihnen aus Ihrer politischen Haltung heraus sehr verständliche, aber sehr fadenscheinig und durchsichtig vorgeschobene Befehlsempfängerin, diese Staatsanwältin, das grundlegende Problem, es ist der Auftraggeber für die Niederschlagung der Anzeige, der Staat Italien das immerwährende Übel.
        Sie kriegen die argumentative Kurve nicht mehr, weil sie unser Besatzungsproblem nicht als solches erkennen wollen.
        Der Staat Italien hält Südtirol nach wie vor gegen den Willen der Südtiroler besetzt und schützt den latent vorhandenen Faschismus mittels Rechtsbruch und Terror seit fast 100 Jahren.
        Alles hat einmal ein Ende und die Zeit kommt, wo wir ohne Faschismus frei im eigenen Vaterland leben können. Die glücklichen Sklaven werden das nicht zu verhindern wissen.

        • Andreas

          Dafür, dass ich mich in einem besetzten Land befinde, fühle ich mich recht frei.

          Vielleicht sollltest Du an Deiner Wahrnehmung etwas ändern, Deine angenommene Besetzung wirst Du nicht ändern können, dafür seit Ihr Befürworter einfach zu wenig und zu schwach, wirst sehen, ist wie Tag und Nacht, wenn man das Glas halbvoll und nicht halbleer sieht.

          • schorsch

            Blabla: was hat das mit dem hiesigen Thema zu tun – sind das die „Sachargumente“? Sie fühlen sich recht frei? Das tun alle glücklichen Sklaven.
            Nein, sie kriegen Ihre argumentative Hilflosigkeit hier nicht mehr weg, gehen Sie in den Keller weinen.

          • BatMan

            @Andreas,
            einzig und allein Goehte ist dir noch einen Schritt voraus, obwohl er vor ein paar Jahrhunderten gelebt hat. Irgendwie schon komisch.

            Johann Wolfgang von Goethe:

            “Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen,sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.”
            “Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein.” 

    • Truegrit

      Das mit dem faschischtischen Gruß seht ihr alle falsch: Andrea Bonanza hat lediglich gesagt: Salvini geh weg, geh weg….und hat die dazugehörende Handbewegung gemacht.

    • ......

      Vielleicht sind auch die Herren Mussolini und Hitler etwas verzerrt dem Volke hier, gelehrt worden…..es kommen tagtäglich neue Dokumente und Enthüllungen zu tage, die belegen dass sehr hart am Rufe der mörderischen Diktatoren, rumgehandwerkelt wurde. Um uns von den Alliierten befreien lassen zu dürfen, benötigte man halt böse Diktatoren…..sonst kann man schlecht einen kompletten Kontinent „befreien und danach besetzen“….bei Gaddafi wars ja nicht anders. Und schwupp, wenn die USA das sagt, ist ein Regent böse und die USA sitzt drinn.

      • Stefan77

        Aber an den Tatsachen, dass über 6 Mio. Juden dem Holocaust zum Opfer fielen, dass die Italiener hunderttausende Äthiopier massakriert haben, an die ganzen Kriegsverbrechen die die Achsenmächte begangen haben ändern auch neu gefundene Dokumente nichts.

        • ......

          Doch. Keine 6 Mill. Juden z.B….. Hmm, aber es kommt alles raus. Nur ne zeitfrage. Dann hauts mal so ziemlich einige vom Hocker.

          • Stefan77

            Da bin ich aber Mal gespannt. Vor allem die Zahl der ermordeten Juden sollte nachprüfbar sein. Da die Deutschen penibel über alles Buch führten, dürfte die Zahl von 6 Mio. recht genau und belastbar sein.

            • ......

              Jaja, so ist es. Oder man könnte sie mit der zeitgleichen Einreise der Juden in Israel vergleichen, und sehen wo die fehlenden abgeblieben sind

            • Alter Egon

              @….
              also, hätte Stefan77 recht, und wir würden in einem Land mit funktionierender Justiz leben, man könnte dich glatt anzeigen wegen Holocaustleugnung.
              Das nur so am Rande.
              Ansonsten einfach mal eine Bildungslücke schließen und ein KZ besuchen.

            • schorsch

              Endlich bin ich einmal völlig bei Ihnen, so ist es.

    • helmut

      An Andreas!

      Da Sie die Einstellung des Verfahrens gegen den Faschisten von Casa Pound nicht direkt gutheißen können, versuchen Sie das nun als Einzelfall hinzustellen.

      Es ist aber kein Einzelfall und kein Ausrutscher, sondern spiegelt einen Grundkonsens in bella Italia wider!

      Stellen Sie sich einmal vor, ein Kommunalpolitiker in Österreich oder Deutschland würde öffentlich erklären, er sei ein bekennender Anhänger von A. GröFaZ, weil dieser doch so viel Gutes getan habe.

      Dazu würde der Kommunalpolitiker mit erhobener rechter Hand grüßen – und später bei Befragung durch die Justiz schmunzelnd erklären, er habe nur den Wasserstand beim letzten Hochwasser anzeigen wollen.

      In Österreich und Deutschland wäre der Mann schneller hinter Gittern als ein Kinderschänder.

      Anschließend würde er eine mehrjährige Haftstrafe aufgebrummt bekommen.

      In bella Italia ist das alles anders.

      Dafür denunziert man aber die bösen Deutschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit als die immer noch unverbesserlichen „nazisti“.

    • Truegrit

      Vom Hocker haut mich nur die schamlose Aussage von „…..“. Was bist du denn nur für einer????

    • ......

      Ja. Und wer weis warum es in „Deutschland“ Historikern nicht gestattet ist, dieses Thema zu hinterfragen? Sie tuns ja trotzdem…..besonders fleissig ein Gericht in Frankreich. Fakten sind fakten

      • schorsch

        Fakt ist, daß Hitler & Co die maßlosesten Verbrecher der deutschen Geschichte waren, Südtirol z.B. ist ein Opfer.
        Daß viele Hunderttausende, ja Millionen, unter diesen Verbrechern leiden und sterben mußten, ist evident.
        Ein KZ-Besuch, z.B. in Mauthausen in Oberösterreich, täte allen heimlichen Anhängern des GröFaZ geistig-moralisch not.
        wwir brauchen hier keine Nazi-Faschisten-Nostalgie, wir benötigen die restlose entfernung aller Faschistentempel und sonstigen Einrichtungen.
        Es sollte sich jeder in Südtirol schämen, der hier im Fforum nazistische Verbrechen in Frage stellen will.

    • Wusler

      In einem Land an dem das größte Faschistendenkmal Europas steht kann man nichts anderes erwarten. …….

      Die Staatsanwältin sagt im Urteil….die Außerungen über Hitler…..seien rein persönliche Überzeugungen und in den extremistischen Ideologien allgemein üblich???

      Der war gut ha ha ha ha wie kann eine Staatsanwältin allen Ernstes so einen Stumpfsinn daherreden?

      Wenn jemand einen ermordet, das ist unter Mördern üblich,??!!
      Wenn jemand stiehlt, das ist bei Dieben üblich??!!
      Wenn jemand eine Frau vergewaltigt, das ist unter Vergewaltigern üblich??!!

      Werden diese Fälle dann auch alle archiviert?

      • schorsch

        Ja, nur in Italien, der Faschistenhochburg (und von den glücklichen Sklaven kleingeredet).

      • barfusler

        bin auch Deiner Meinung, dieses Faschistendenkmal gehört längst verschüttet damit jeder der will es mit Füßen treten kann. Falls es die Zeit zulässt kann es ja irgendwann wieder ausgebuddelt werden.
        Das gehöre sich um ein Schlussstrich unter dieses Kapitel zu ziehen und wenn ein aufrichtiges Interesse für einen gemeinsamen Neuanfang bestünde

    • christian waschgler

      Wo bleibt da das Geschrei der linken „Gutmenschen“

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