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Sabinas Ernte

Sabinas Ernte

Seit August verkauft Ex-Landesrätin Sabina Kasslatter Mur am Meraner Markt Obst und Gemüse aus eigener Produktion – und sorgt damit für reichlich Aufsehen. Wie die ehemalige Politikerin ihr Leben nach dem Rentenskandal neu organisiert hat.

Das Wetter ist strahlend schön an diesem Samstagmorgen. Am Meraner Markt sind die ersten Kunden im Anmarsch, die Standbetreiber mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Mittendrin ein bekanntes Gesicht: Sabina Kasslatter-Mur, ehemalige Landtagspräsidentin und langjährige SVP-Landesrätin. Seit dem 1. August ist die 52-jährige Eisacktalerin jeweils am Samstag mit einem Stand in der Freiheitsstraße vertreten. Dort verkauft sie die Produkte vom familieneigenen Oberfallerhof.

Tageszeitung: Frau Kasslatter, wie sind Sie auf die Idee gekommen, am Meraner Markt einen Stand zu betreiben?

Sabina Kasslatter-Mur: Ich habe von der Ausschreibung in der Zeitung gelesen und meinem Mann vorgeschlagen, es zu versuchen. Es ist unser erstes gemeinsames Projekt: Ich war 20 Jahre lang in der Politik, er war die ganze Zeit über Landwirt. Der Vorteil von Meran war, dass man keinen fixen Standplatz nehmen musste. Wir gehören zu den so genannten „Rotierenden“, sind also nicht immer präsent. Seit dem 1. August verkaufe ich hier somit die Produkte meines Mannes. Die ganze Familie hilft mit: Meine 89jährige Schwiegermutter macht z.B. die Krapfen.

Wie organisieren Sie sich?

Mein Mann ist für den Gemüseanbau zuständig und belädt am Freitagabend den Lieferwagen, mit dem ich dann am Samstag nach Meran fahre. Ich starte, meist mit ein oder zwei Freundinnen, um 6 Uhr in Barbian und bin gegen 15.00 Uhr wieder zu Hause. Dann heißt es abladen und verstauen.

Was ist das für ein Gefühl, nach 20 Jahren Politik und Schreibtischarbeit hinter einer Ladentheke zu stehen?

Mir hat es sofort gefallen. Ich bin ein Gasthauskind und ich war lange Politikerin. Ich kann auf Leute zugehen, ich bin kommunikativ. Ich muss allerdings noch vieles lernen, die Kollegen hier am Meraner Markt sind mir dabei sehr behilflich und auch viele Kunden geben mir wertvolle Tipps.

Sie standen 20 Jahre im Rampenlicht und sind noch immer ein bekanntes Gesicht. Wie reagieren die Menschen, wenn sie Sie hier am Markt erleben?

Unterschiedlich, aber insgesamt positiv. Einige haben mich gefragt, ob ich die Schwester von der Sabina Kasslatter bin, einer hat sogar gefragt, ob ich die Tochter bin (lacht). Aber das war wohl eher ein Scherz.

Sie wurden nach dem Rentenskandal auch angefeindet. Bekommen Sie in dieser Hinsicht etwas ab?

Einmal hat ein Passant eine abschätzige Bemerkung gemacht. Er hat sich aber nicht getraut, mir das ins Gesicht zu sagen.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren politischen Weggefährten?

Ja, zu vielen, auch zu den neuen. Ich verfolge das Geschehen weiterhin, manchmal werde ich um eine Meinung gebeten, aber ich mische mich nicht ein und äußere mich auch öffentlich nicht.

Sie sind ausgebildete Journalistin. War für Sie die Rückkehr in den alten Beruf nie eine Option?

Ich liebe den Journalismus, es ist aber leider kein Beruf, in den man nach 20 Jahren aktiver Politikerkarriere sofort wieder zurück kehren kann. Ich hätte es vermutlich niemandem Recht machen können. Es hätte immer geheißen, dass ich nicht objektiv bin.

Sie sind seit Jänner Botschafterin der Universität Innsbruck. Was genau machen Sie da?

Botschafterin ist jetzt etwas übertrieben ausgedrückt. Ich arbeite in Teilzeit im Büro des Rektors und bin zuständig für ein Mentoring-Projekt und den Aufbau eines Förderkreises. Es geht darum, eine Brücke zwischen Uni und Gesellschaft aufzubauen. Ich versuche, eine ideelle und finanzielle Unterstützung für die Uni Innsbruck zu gewinnen, die immerhin bald 350 Jahre alt wird. Dafür bin ich die halbe Woche in Innsbruck, es ist der intellektuelle Teil meines jetzigen Lebens.

Nie Sehnsucht nach Ihrem Leben als Politikerin gehabt?

Die Politik war eine schöne, aber intensive Zeit. Jetzt ist der Termindruck weg. Das ist mehr Lebensqualität, obwohl ich noch lernen muss, auch einmal nichts zu tun.
Interview: Karin Gamper

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