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    Die Welt ernähren

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    Wer wird die Welt ernähren? Dies war die Frage im Mittelpunkt des Tages der Entwicklungszusammenarbeit am 25. September in der Eurac.

    180 Schüler und Schülerinnen am Vormittag und über 350 Menschen am Nachmittag und am Abend haben über Nahrung aus verschiedenen Perspektiven und nachhaltige Alternativen reflektiert und diskutiert. Der Tag der Entwicklungszusammenarbeit wurde vom Land Südtirol (Amt für Kabinettsangelegenheiten der Abteilung Präsidium und Außenbeziehungen –Entwicklungszusammenarbeit) gemeinsamen mit oew, Weltläden, Politis und Oxfam (Partner des Projektes „Mahlzeit“) veranstaltet. Dabei waren hochkarätige Gäste aus Südtirol und aus der ganzen Welt: Vandana Shiva, Vunthy Hout, Gaetano Pascale, Rudi Dalvai, Franziska Schwienbacher und andere.

    Wir leben in einer komplexen Welt voller Widersprüche und die Ernährung widerspiegelt all diese Facetten. Die Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva hat gestern abend vor 350 Menschen in der Eurac das Szenario beleuchtet: 1 Milliarde Menschen seien permanent schwerst unterernährt, 2 Milliarden Menschen haben gesundheitliche Probleme (Krebs, Allergien, Diabetes). Die Ursache? „Die Landwirtschaft ist ein Business. Auf viele Anbauflächen werden Biotreibstoffe und Soja als Futtermittel für Tiere produziert. Und dann fragen wir uns wieso so viele Menschen verhungern oder nicht genug Nahrungsmittel haben. Viele Krankheiten, wie Diabetes und Krebs, werden von industriell hergestellten Lebensmitteln verursacht, weil sie nicht genug Nährstoffe haben und gesundheitsschädlich sind.“ Für Shiva sein dieses Produktionsmodell nicht mehr zukunftsfähig, weil Krankheit statt Leben kreiert.

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    Und im Süden der Welt? Unser Entwicklungsmodell werde auch von vielen Ländern im Süden der Welt betreibt, auf Kosten von Mensch und Natur, sagte Shiva: intensive Bodennutzung, Einsetzung von Pestiziden, soziale Ungerechtigkeiten, Landgrabbing, Dumping, Migration. Wenige Konzerne diktieren in welche Richtung sich die Welt entwickelt, kontrollieren die Saatgutproduktion und die Herstellung von Pestidizen. Aber 70 Prozent der Lebensmittel werde von den Kleinbauern hergestellt, nur 30 Prozent von der Agrarindustrie. Diese sei aber in großen Maße verantwortlich für die Umweltschäden.

    Was können wir tun? Kleinbauer unterstützen, ihre faire, lokale, ökologische Produkte kaufen und politisch aktiv werden, damit das aktuelle Entwicklungsmodell mit Subventionen nicht weiter unterstützt werde. Dafür haben alle Gäste des Tages der Entwicklungszusammenarbeit plädiert. Der Tag der Entwicklungszusammenarbeit wurde vom Land Südtirol (Amt für Kabinettsangelegenheiten der Abteilung Präsidium und Außenbeziehungen –Entwicklungszusammenarbeit) gemeinsamen mit oew, Weltläden, Politis und Oxfam (Partner des Projektes „Mahlzeit“) veranstaltet.

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    Am Vormittag haben 180 SchülerInnen der Ober- und Berufsschulen gemeinsam mit jungen AktivistInnen aus dem deutsch- und italienischsprachigen Raum Aktionen für Südtirol erarbeitet. Am Nachmittag haben über 200 Menschen an 4 Workshops über Bildung (mit der Referentin für den Bereich der Bewusstseinsbildung der NRO Gruppo di Volontariato Civile von Bologna Stefania Piccinelli und der Koordinatorin der Winterschule Ulten Franziska Schwienbacher), Zivilgesellschaft (mit dem Präsidenten von Slow Food Italien Gaetano Pascale und dem Präsidenten der World Fair Trade Organisation Rudi Dalvai), Landwirtschaft (mit dem Obmann der Interessensgemeinschaft A faire Milch Österreich Ewald Grünzweil und dem Ansprechpartner für Oxfam Italien in Kambodscha Alessandro Cristalli), Information und Sensibilisierung (mit dem Direktor von Radio Asia Free Kambodscha Vunthy Hout und dem Bereichsleiter für Welternährung, Globale Landwirtschaft und EU-Agrarpolitik der Berliner Organisation Inkota, Jan Urhahn) diskutiert.

    Was können die BürgerInnen tun? „Mit ihren Kaufentscheidungen saisonale, regionale und umweltschonende Produkte kaufen aber auch Druck auf den Gesetzgeber machen, damit die Rechte der BürgerInnen in Bezug auf Patentrechte, Saatgut, Genmanipulation, Lebensmitteltechnologie und Etikettierung respektiert werden“, meint der Slow Food Präsident Italien Gaetano Pascale. Aufgewertet werden solle auch die Arbeit der Kleinbauer, die nicht mit dem Großhandel konkurrieren können. Und nicht zuletzt können Konsumenten (die auch Ko-Produzenten sein können) kulturell entsprechende Nahrung bewusst unterstützen, damit alte Sorten und alte kulinarische Traditionen weiter leben können.

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    Rudi Dalvai, der den Fairhandel weltweit unterstützt, hat die globale Situation der Ernährung beleuchtet: „Im Süden der Welt wird viel kaputt gemacht, sprich Umweltverschmutzung und unwürdige Arbeitsbedingungen um Produkte anzubauen, um den Konsumwahn der Menschen im Norden der Welt zu befriedigen“. Die Multikonzerne fangen langsam an, auf faire Werte zu setzen. Oft machen sie das um ein positives Image zu bewahren, statt um einen verantwortungsvollen Beitrag zu Mensch und Natur zu geben. Der Konsument sollte bewusster werden, dass er viel Druck ausüben kann, lokale, faire und saisonale Produkte nachfragen kann, damit der Markt diesen Bedürfnissen immer mehr entspricht.

    Vandana Shiva hat für eine ökologische Landwirtschaft und für regionale Kreisläufe in der ganzen Welt plädiert, die auch Garantie für Ernährungssouveränität statt Abhängigkeit sind: „Ein großes Problem ist, dass die Kleinbauer im Süden der Welt abhängig von den Multikonzernen sind. In Indien haben sich 300.000 Bauern umgebracht, weil sie sich verschuldet haben und die Saatgut nicht mehr kaufen konnten“. Shiva setzt sich dafür ein, damit Kleinbauer ernährungssouverän sind, dass Bauern ihr eigenes Saatgut herstellen können. Die von Vandana Shiva gegründete Organisation Navdanja hat genau dieses Ziel, dass Menschen zurück zu ihren Wurzeln kommen. „Wir müssen das Recht auf eine lokale und ökologische Landwirtschaft fordern“ sagte Shiva, die das Ziel der Pestizidfreiheit der Gemeinde Mals mit ihrer Unterschrift unterstützt hat. Südtirol hätte das Potenzial, auf Biodiversität statt auf Monokultur zu setzen. Shiva hat auch die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft betont, die dazu beitragen, den Zyklus Ernährung-Leben wieder herzustellen. „Das Leben wachsen lassen nimmt Zeit und Pflege in Anspruch, der Wandel zu einem ökologischen Anbau ist langsam und klein, aber eines Tages wird groß werden. Wir müssen die Natur ernähren, damit wir uns ernähren können.“

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    Kommentare (1)

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    • schorsch

      Essen und Wasser muß jedem Menschen dieser Erde grundsätzlich jeden Tag ausreichend zur Verfügung stehen.
      Die Mutter Erde hat genügend Reserven, es könnten alle Menschen locker ernährt werden.
      Unser Blick muß sich auf jene Feinde der Menschheit richten, die das Essen und Trinken monopolisieren, d. h. nur gegen viel Geld zur Verfügung stellen wollen.
      Man wird augenblicklich sehr schnell fündig, WER für den Hunger und die unbeschrebliche Not namentlich verantwortlich ist. Weltbank, IWF, US-Megakonzerne, US-Chemiegiganten.
      Nun soll Europa selbst mittels des TTIP- und CETA-Vertrages unter die Räder kommen.

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