Du befindest dich hier: Home » News » Los von Trient

    Los von Trient

    Los von Trient

    Stunk zwischen Bozen und Trient: Die Trentiner fordern, dass Karl Zeller seine Entwürfe zum Autonomiestatut zurückzieht – doch die SVP und LH Arno Kompatscher schalten auf stur.

    Von Matthias Kofler

    Andreas Pöder merkt spitzzüngig an: „Die ursprüngliche Liebeshochzeit zwischen Ugo Rossi und Arno Komptacher ist längst zu einer Scheinehe geworden. Man versucht vergeblich, die tiefen autonomiepolitischen Gräben zwischen Trient und Bozen abzudecken.“

    Auf der Tagesordnung des Regionalrates standen gestern vier Gesetzentwürfe von Senator Karl Zeller zur Änderung des Autonomiestatuts, zu denen der Regionalrat ein Gutachten abgeben müsste. Dabei geht es um die Übertragung der Zuständigkeiten in Gemeindefragen von der Region auf die beiden Provinzen, um Ladinerrechte, um die Vollautonomie und das Änderungsverfahren des Autonomiestatuts.

    Der Südtiroler Landtag hat bereits sein Ja zu den Gesetzentwürfen abgegeben. Der Trentiner Landtag hat sich hingegen klar gegen einen Teil der Anträge ausgesprochen, unter anderem gegen die Übertragung der Gemeindekompetenzen und gegen die Schaffung einer Vollautonomie.

    Neben den beiden Provinzen muss auch der Regionalrat sein Gutachten abgeben. Doch um einen Eklat im Regionalrat zu vermeiden, vertagen Ugo Rossi und Arno Kompatscher regelmäßig die vier Gutachten zu den Senats-Gesetzentwürfen. Auch gestern wieder.

    Die beiden Regierungsvertretern wissen: Würden die Gutachten im Regionalrat behandelt, dann würde die unterschiedliche Auffassung zur Entwicklung der Autonomie im Trentino und in Südtirol deutlich zu Tage treten. „Um einen politischen Rosenkrieg im Regionalrat zu vermeiden und der Opposition keine Angriffsfläche zu bieten, vermeidet man die vorgeschriebene Abstimmung über die Gutachten und verflucht insgeheim Zeller und Co. für die mittlerweile glühenden Kohlen, die sie ins Feuer gelegt haben“, giftet Andreas Pöder.

    Nach Informationen der TAGESZEITUNG drängen die Trentiner darauf, dass SVP-Senator Karl Zeller seine Anträge in Rom zurücknimmt. Sie sollen dann später, im Zuge der Debatte über eine organische Reform des Autonomiestatuts, neu behandelt werden.

    Bislang aber ziert sich Arno Kompatscher, den Senator zu einer Rücknahme der Entwürfe aufzufordern. Der Landeshauptmann stimmt mit seinem Trentiner Amtskollegen Ugo Rossi insoweit überein, dass die Anträge, die vor der italienischen Verfassungsreform geschrieben wurden, nicht mehr ganz aktuell sind und den neuen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Kompatscher hält aber an der Marschroute seiner Partei fest: Mittelfristig sollen die wenigen bei der Region verbliebenen Kompetenzen an die beiden Länder übertragen werden.

    Ein No-Go für die Trentiner, die ohne Region um die Zukunft ihrer Autonomie fürchten.

    Die SVP stellt ihrerseits klare Forderungen: Die Zeller-Entwürfe werden erst dann zurückgenommen, wenn Ugo Rossi den neuen, überarbeiteten Text unterzeichnet hat. Die Unterschrift des Präsidenten lässt bislang aber noch auf sich warten.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (37)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • Urchin

      Die Macro-Region Triveneto ist die Lösung, damit die kindischen Streitereien aus der Geschlossenen-Hof-Mentalität aufhören und nicht in einer Geschlossenen Anstalt münden.

      • Josef

        die Makro-Region verstoßt gegen den Minderheitenschutz und erinnert an alte böse Zeiten.

        • Sofia

          Josef hat Recht…einmal abgesehen davon, dass Venetien wohl auch nicht gerade zu den weltoffensten Regionen gehört: die meisten Menschen dort möchten eine größere Unabhängigkeit vom Staat, nicht eine Verbindung mit den Nachbarregionen, das hat ja auch das einschlägigen Referendum gezeigt.

    • Einereiner

      Wir sollten den Italienern nicht immer vorschreiben, was sie zu tun haben. Immer diese Besserwissenden Crucchi. Wir sollten ihnen die Chance geben sich allein und in ihrem Interesse weiterzuentwickeln. Jetzt unseren Einfluss noch auf eine Makroregion zu verstärken würde die Italiener nur noch mehr gegen diese arroganten Deutschen aufbringen. Es ist auch ein viel besseres Gefühl, wenn man einen Staat allein aus eigener Kraft aus der Scheisse gezogen hat und nicht die Lorbeeren mit dem Bergvolk teilen muss.
      Freiheit für Italien, trennt euch von Südtirol!

    • svp - 70 jahre käse

      Veneto, Emilia, Lombardai, Trient, Südtirol sollen sich selbst verwalten und sich von Rom trennen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist sicher für Unabhängigkeit.

    • Stephan Mair

      Auch wenn die Medien hier zu Lande es überhaupt nicht beachten:
      SONNTAG 27.09.2015 WIRD IN KATALONIEN GEWÄHLT!
      Was das besondere daran ist?
      Sie wählen zwar das Regionalparlament aber in Wirkltichkeit ist es eine Wahl über die Unabhängigkeit von Madrid.
      Und während uns die SVPD weis machen will, dass man so was nicht darf, weil in der Verfassung nicht vorgesehen, machen andere Völker in Europa Nagel mit Köpfe.
      Ab Montag hat das Modell: Weltbeste Autonmie; aus……issen.

      • Andreas

        Das Kondominium in der Mailandstraße 17 in Bozen hat für Sonntag auch eine Unabhängigkeitswahl ausgerufen, ich glaube auch, dass ab Montag die Welt ins Wanken gerät und Südtirol in die Steinzeit zurückgeworfen wird.
        Sicherheitshalber hab ich mir schon mal Pfeil und Bogen und eine Axt besorgt, solltest Du auch machen.

      • THEMA

        Sie wählen Eines und in Wirklichkeit etwas Anderes. Warum wohl ? Wie kann man solche armseligen politischen Schlauheiten, die keine Rechtsgrundlage haben, als Nägel mit Köpfen bezeichnen ?

        • Stephan Mair

          Rechtsgrundlage? ist der Wille des Volkes nicht genug als Grundlage?

          Wen sich alle an deine Rechtsgrundlagen halten würden:
          dann gäbe es in Südafrika noch immer die Apartheid,
          würden die großen Kolonialreiche immer noch bestehen,
          USA, Irland, Mdagaskar politisch nicht existieren.
          und …

          Wer macht die Rechtsgrundlagen und im welchen Namen?

          • Andreas

            Wenn sich niemand an geltendes Recht zu halten hat, was würde dagegen sprechen, wenn Gröden bzw. die Ladiner einen Freistaat ausrufen würden?
            Unbestreitbar sind auch die Ladiner ein eigenes Volk.

            • Josef

              ja da pflichte ich Dir bei.

            • Einereiner

              Das können die Ladiner gerne machen. Ich würde es unterstützen.
              Sie werden es aber nicht tun, da sie lieber bei uns mitnaschen.

            • Stephan Mair

              Eben ganz wie du es sagst, sie sind ein eigenes Volk,
              folglich haben sie das Recht sich frei zu entscheiden.

              Ein Verfassung wird von Menschen erstellt und kann von Menschen verändert werden.
              Nichts anders tun z.B. Zeller und der Landeshampelmann
              Sie halten sich nicht an geltendes Recht.
              (Nichts anders tun auch diejenigen die die Renten der Politiker zurückfordern)

            • Senoner

              Nein, die Ladiner fühlen sich seit jeher als Tiroler,nicht als eigenständiges Volk. Auch die Ampezzaner wollen zurück zu Süd-Tirol, und dies nicht nur aus finanziellen Gründen.

      • Anton

        In der Verfassung und Grundgesetz steht auch, dass nicht illegal die Grenzen überschritten werden dürfen. Gesetze werden einfach nicht beachtet.

      • Wahl - intern

        Anscheinend wird in Oberösterreich auch gewählt.

    • Martin Senoner

      Die Autonomie ohne die Trentiner scheint keine große Chance zu haben, und die haben Angst um die Autonomie, wenn die Region da facto abgeschafft wird, als würde ich verscuhen einen Kompromiss zu finden!

      • Einereiner

        @Martin Senoner
        und gerade deswegen, weil wir die Trentiner immer mitziehen und beschützen, kriegen wir, bzw. unsere Autonomie immer eine obendrauf. Das Trentino ist italienisch und soll mit Italien ziehen.

      • Senoner

        Die Autonomie haben wir nicht, weil wir ein „Volk“ sind, sondern weil wir eine sprachliche Minderheit sind. Im Pariser Vertrag ist ausdrücklich von den deutschsprachigen Bewohnern der Provinz Bozen und der benachbarten zweisprachigen Gemeinden der Provinz Trient die Rede. Das Trentino hätte eigentlich kein Recht auf die autonomie (bis aus dei paar Gemeinden wo kaum noch Mocheno oder Zimbrisch gesprochen wird), daher fürchten sie zu Recht diese zu verlieren, sobald die Region aufgelöst wird.

    • BatMan

      Hauptsache es werden schön brav die Steuern plus 800 Millionen Zinsen an den maroden Staat geliefert! Mit dem „Rest“ der dann noch übrig bleibt, könnt ihr Autonomie spielen.

    • anarchoseppl

      LOS VON BRÜSSEL;
      LOS VON ROM;
      LOS VON TRIENT;
      LOS VON BOZEN;

      FREIHEIT FÜR DIE MENSCHHEIT!

    • Wahl - intern

      Interessant dass sich das Trentino im Euregio – Verein wieder findet wenn es andauernd mehr Differenzen als Gemeinsamkeiten gibt.
      Zeit, dass den Südtirolern über die Politik Klarheit verschafft wird, aber wer will das schon.

    • schnellermichl

      Die waren doch vor kurzem noch gut Essen miteinander….

      • schorsch

        …ja, auf Kosten der Steuerzahler bei diesen Propagandaveranstaltungen für das Luftgebilde Euopa-Region fressen und saufen und vor allem: Sand in die Augen streuen, politische Lügen verbreiten und dann, wie man sieht, sich in der Realität befetzen.

    • helmut

      1946 hat Rom das Volk der Ladiner in 3 Teile zerrissen und zwei Drittel davon den Provinzen Trentino und Belluno zugeschlagen.

      Rom hat die Ladiner als abtrünnige Italiener betrachtet, die bestraft und wieder zur Italianita zurückgeführt werden müssen.

      Damals hat die SVP dagegen noch protestiert, heute ist es ihr leider offenbar wurscht!

      Was die gemeinsame „Region“ betrifft:

      Das Zwangskorsett der „Region Trentino-Alto Adige“ hatte die Südtiroler im Regionalrat einer italienischen Mehrheit ausgeliefert. Sie wurden betrogen, über den Tisch gezogen, allerchristlichst belogen und ausgenützt.

      Das hat letztlich zur Katastrophe von 1961 (Feuernacht, Folterungen, Verletzte, Tote) geführt, bis ein verbessertes Autonomiestatut die Lage erträglich gemacht hat.

      Von der gemeinsamen „Region“ hat Südtirol nur Nachteile gehabt.

      Solidarität mit allen Welschtirolern, die sich den Deutschen und Ladinern in Südtirol verbunden fühlen! – Aber keine falsche Sentimentalität in Bezug auf den „Verlust“ eines gemeinsamen Regionalrates.

      Ich wünsche den Plänen Zellers Erfolg und erhoffe von dem LH Standhaftigkeit.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen