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    Die Super-Region Triveneto

    Die Super-Region Triveneto

    PD-Fraktionschef Ettore Rosato prescht mit einer aufsehenerregenden Forderung vor: Trentino-Südtirol, das Veneto und Friaul-Julisch Venetien sollen zu einer Autonomen Makroregion zusammengelegt werden. Die Reaktionen.

    Von Matthias Kofler

    Südtirols Sonderautonomie steht zum wiederholten Male im Schussfeld der römischen Parteien. Im Zuge der Debatte um die Verfassungsreform prescht der PD-Fraktionssprecher in der Abgeordnetenkammer, Ettore Rosato, mit einer aufsehenerregenden Forderung vor:

    Laut Rosato sollen die Regionen Trentino-Südtirol, Venetien und Friaul-Julisch Venetien zu einer autonomen Makrorregion „Triveneto“ zusammengeschlossen werden. „Damit können wir unsere Kräfte bündeln und den Wettbewerb mit den Nachbargebieten Österreich, Bayern und Slowenien bestehen“, erklärt der PD-Fraktionschef.

    Aus Südtiroler Sicht besonders brisant: Der Vorschlag kommt von keinem einfachen Hinterbänkler, sondern von einem politischen Schwergebiet in der Regierungspartei PD. Ettore Rosato, der dem DC-Flügel angehört, folgte im Sommer auf den Dissidenten Roberto Speranza und übernahm den Vorsitz in der PD-Fraktion.

    Florian Kronbichler kann dem Vorschlag des PD-Fraktionschefs nichts abgewinnen. Ettore Rosato sei zwar ein „wortfindiger und spitzmündiger Politiker“. Sein Gedankenspiel, die drei Regionen zusammenzulegen, sei aber ein „Schnellschuss“, der von „nicht besonders großer Weitsicht“ zeuge.

    Laut dem Grünen ist eine Region „Triveneto“ in Südtirol absolut nicht vermittelbar. Es handle sich hierbei um eine „faschistische Kreation“, die nur von der katholischen Kirche beibehalten wurde. „Rosato will mit der populistischen und demagogischen Forderung das aufmüpfige Veneto ruhigstellen, das sich im Vergleich zu den beiden autonomen Nachbarregionen benachteiligt sieht“, erklärt Florian Kronbichler. So würden sich immer mehr Gemeinden vom Veneto abwenden und den Anschluss an das autonome Trentino oder an Friaul-Julisch Venetien suchen.

    Der Grüne Kammerabgeordnete übt in dem Zusammenhang Kritik an der Autonomiepolitik des Landeshauptmanns: Der erneute Vorstoß eines Spitzenpolitikers des PD zeige, „dass Arno Kompatschers nette Solidarität mit Friaul-Julisch Venetien zu nichts führt“. Südtirols Sonderstatut sei mit dem Pariser Vertrag ausreichend abgesichert – allerdings nur im Verbund mit dem Trentino, „das uns als Kettenhund an die Fersen gehängt wird“.

    Im Vergleich zu Südtirol sei die historische Begründung für das Autonomiestatut in Friaul-Julisch Venetien – nämlich die Absicherung vor dem kommunistischen Osten – mittlerweile nicht mehr gegeben. Auf mittlere Sicht, so glaubt Kronbichler, werde diese Region sein Sonderstatut also verlieren.

    LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE: Wie die SVP auf den Vorstoß reagiert.

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    Kommentare (58)

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      • saustall_kritiker

        Es ist beschämend für gewisse Politiker vom PD, die eigentlich eine sozialdemokratische Partei sein sollte, wenn sie eine Region mit faschistischem Namen haben möchten. Triveneto wurde nämlich von den FASCHISTEN in jener unsäglichen Zeit im vorigen Jahrtausend erfunden. Dieser PD-Politiker muss wohl ein völliger Ingnorant und Kulturbanause sein… anders ist solche Dummheit nicht zu erklären. Es gibt halt immer noch Leute mit faschistischem Gedankengut und den alten Grenzen im Kopf, die wie Bretter vor dem Kopf wirken. Die Welt, lieber PD-Ignorant, hört nicht am Brenner auf… und Makroregionen sind, wenn schon, unabhängig von den heute existierenden Grenzen zu definieren. Wir sind, sofern dies Herr Rosato Ettore (Ettore sic!!!!) noch nicht bemerkt haben sollte, im 21. Jahrhundert angelangt!!!!!!!!!….

        • devilhard

          Selbst die SVP hält am faschistischen Namen einer gewissen Provinz fest… Was hier über „Triveneto“ geschrieben wird, gilt auch für etwa 80-90% der einzigen offiziellen (also italienischen) Orts- und Flurnamen in Südtirol: „[…] von den FASCHISTEN in jener unsäglichen Zeit im vorigen Jahrtausend erfunden.“

      • Bernhardl

        Der erste Schritt gegen die Zentralisierung Roms. Weiter bis zur Unabhängigkeit von Regionen und Provinzen können folgen.

      • Igel

        „im Zuge der Debatte um die Verfassungsreform“, lese ich hier.
        Welche Verfassung? Haben wir dieser Verfassung jemals zugestimmt?
        Und jetzt Verfassungsänderung? Kann über diese Verfassungänderung auch abgestimmt werden?

        Eine Verfassung, völkerrechtliche Legimitation ist der Auftrag eines Volkes an die Regierung, die Politik handelt proportional umgekehrt.
        Eine veröffentliche Meinung ist noch lange keine öffentliche Meinung.
        Um die öffentliche Meinung nicht hören zu müssen, braucht es jetzt einen Maulkorb. Grandios!

    • Einereiner

      Alle wollen weg von Italien, nur die SVP-Oberen wollen bei Italien bleiben, da sie hier doppelt so viel abcashen wie wenn wir bei Österreich wären.
      Dafür verdient der einfache Bürger in Nordtirol nicht nur mehr, sondern zahlt auch noch deutlich weniger Steuern.

    • Jonas

      Bei den Regionen ist es so wie bei den Gemeinden, sie sind in größere Gebiete zusammen zu legen. Die kleinen territorialen Formationen produzieren zu hohe Verwaltungskosten.

    • schorsch

      Eine „faschistische Kreation im Kontext mit der Kirche“ sei diese Idee: ich hätte nie geglaubt, daß der Herr Kronbichler soviel politische Einsicht entwickeln kann. Hier hat er Recht.
      Jedoch: „Südtirols Sonderstatut sei mit dem Pariser Vertrag ausreichend abgesichert – allerdings nur im Verbund mit dem Trentino“ zeugt wider einmal dafür, daß neben einzelnen Geistesblitzen die Schwarzen Löcher des Universums gleich stark präsent sind.
      Der sogenannte „Pariser Vertrag“ ist nach dessem „Verhandler“ und Unterzeichner, dem zu Hause dafür Hergewatschten Gruber, gar nicht als Vertrag gemeint gewesen, denn das Pamphlet umfaßt 1 Seite mit nichtssagenden Sätzen.
      Vielleicht hat Kronbichler einmal die Zeit, dieses großartige Flickwerk einer kritischen Prüfung im Lichte des Völkerrechtes zu unterziehen.

    • Fabian

      Eine Makroregion Triveneto gefällt mir gut, sie würde uns helfen, aus der ethnischen Sackgasse herauszufinden.

    • Gabriele

      Eine Makroregion Triveneto würde wunderbar zusammenpassen, bin ich auch der Meinung, und sie wäre eine bessere und zukunftsweisendere Alternative zur Euregio Tirol.

    • ......

      Das beste was Südtirol passieren könnte.

    • Alter Egon

      Jetzt kommt wieder ein Hinterbänkler aus der Sommerpause zurück, und die Rechtswähler sitzen ihm alle auf….

      • Stefan77

        Ja ein Fraktionsvorsitzender der stärksten Regierungspartei ist wirklich ein Hinterbänkler. Der Alte Egon weis anscheinend Bescheid. Der Zeller wird dem Alten Egon auch sofort zustimmen, dass dies nur Aussagen eines Hinterbänklers sind.

        • Alter Egon

          Meld dich einfach wieder, wenn das konkret wird….bis dahin solltest du dir ob solcher Schlagzeilen nicht den Magen verderben.

          • Stefan77

            Wehret den Anfängen?
            Ansonsten kommt die Ausrede, welche bei euch SVPPDlern so gerne bemührt wird: „Hättet ihr euch rechtzeitig gemeldet, jetzt ist es beschlossen und somit zu spät“.

            • Alter Egon

              Du kannst Sie zu mir sagen. Mit Svp und PD habe ich nichts am Hut. Schönen Abend noch.

            • stefan77

              Sie können mir sicher sagen, wo ich Sie gedutzt habe. Und gebildete Menschen verlangen keine Höflichkeitsform vom Diskussionsparnter wenn sie denselben selbst dutzen.

    • Woll. Pertinger

      Wenn dieser Rosato wirklich ein „politisches Schwergebiet“ ist, dann müsste schon auch die SVP dazu etwas sagen. Bisher konnte sie solche Vorstöße des PD immer damit abtun, dass sie von politischen Leichtgebieten kamen. „Triveneto“ ist übrigens keine faschistische Erfindung, sondern eines Erfindung des nationalistischen Sprachwissenschaftlers Isaia Ascoli aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er hat erklärt, dass es außer dem echten Venetien (laut ihm Venezia Euganea) auch eine Venezia Tridentina, also das Tirol südlich des Brenners, sowie eine Venezia Giulia (das österreichische Küstenland) gebe. Die Faschisten haben die Idee von den drei Venetien begeistert aufgegriffen. Verschiedene nationalistische Einrichtungen, vor allem im Sportbereich, halten heute noch am Begriff Triveneto fest, und natürlich auch die katholische Kirche, die sich ja mit den italienischen Nationalisten immer bestens verstanden hat. „Auf mittlere Sicht, so glaubt Kronbichler, werde diese Region sein Sonderstatut also verlieren“. Dieser Satz ist interessant. Ich wusste nicht, dass der Kronbichler ein Sonderstatut hat, das verloren gehen könnte. Die Region Friaul-Julisch Venetien sollte ihr Sonderstatut jedenfalls nicht verlieren, da die Begründung dafür nicht die Abwehr des Kommunismus, sondern das Vorhandensein der slowenischen Minderheit ist. Und die gibt es, im Gegensatz zum Kommunismus, immer noch.

      • Sofia

        @ Wolk.Perlinger danke für einen informativen und konstruktiven Beitrag, in diesem Forum eine wahre Wohltat.

      • saustall_kritiker

        Es ist verständlich, dass die Kirche hierzulandefür dieses faschistische und alterdümmliche (jawohl dümmliche, habe mich nicht verschrieben) „Triveneto“-Gebilde bevorzugt. Die katholische Kirche ist nämlich in Italien konservativer als etwa in Österreich und Deutschland, wo sie im Wettbewerb mit der etwas fortschrittlicheren evangelischen bestehen muss (Zölibat etc.). Daher bevorzugen sie die dümmliche Variante Trivento gegenüber der zukunftsweisenderen Europaregion Tirol oder gegenüber einer noch größeren Region Zentralalpen…. 🙂 🙂 🙂

    • Stephan Mair

      Und der Grund ist Einsparrung???
      Da Südtirol, wie viele Italiener meinen sowieso zu viel Geld aus Rom bekommt, wäre mein Vorschlag an die römischen Sparmeister: Südtirol aus Italien rausschmeissen!

    • Besorgter Bürger

      LOL. Die einen haben feuchte Träume von einer Europaregion Tirol, die anderen von einer Makro-Superduper-Ultra-Region Triveneto. Jedem das seine.

      Mein Vorschlag: pappen wir das Bundesland Tirol noch drauf und nennen’s einfach Quadriveneto. Kärnten dazu: Quintiveneto. Falls es ansonsten noch nicht makro genug sein sollte oder zu wenig Synergien nutzbar sein sollten. Aber ob solche Fusionen nachhaltig und ökosozial verträglich sind? Wer weiß.

    • Mali

      Bitte; Herr Kofler: Was ist ein „politsches Schwergebiert“?

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