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Fack Ju Göhte 2

„Ich versteh nicht einmal die Bücher, die ich mit euch lesen soll“, gesteht Lehrer Müller den schlimmen Schülern der Goethe Gesamtschule.

von Renate Mumelter

Lehrer Müller ist kleinkriminell, sympathisch, gut aussehend. Seine Schülerinnen und Schüler sind nicht gerade hell auf der Platte, kommen aus zerrütteten Verhältnissen, wollen die Matura schaffen, finden Schule aber doof….wie Lehrer Müller auch. Der ist Lehrer geworden, weil er nichts anderes kann. Am Ende haben die Schüler ihren Lehrer lieb, der Lehrer mag seine „Holzköpfe“ und seinen Beruf, den er illegal ausübt. Alles geht gut aus, auch an der Kinokasse, wo „Fack Ju Göhte 2“ alle Rekorde bricht. Am Startwochenende hat der Film des türkisch-deutschen Regisseurs Bora Dagtekin mit 2,10 Millionen Zuschauern 17,6 Millionen Euro eingespielt. Qualitätskriterium ist das keins.

Mich persönlich interessierte der gefackte Göhte zwar nicht brennend, aber um zu erfahren, was Menschen in diesen Film treibt, musste ich doch hinein. Im Vorabendprogramm amüsierte sich ein Saal 16Jähriger samt Popcorn. „Geil!“ – der einhellige Kommentar am Ende jener Geschichte, die in schnellen Bildsequenzen, schrillen Farben und begleitet von lauten Rhythmen in schöner Thai-Landschaft davon erzählt, dass es nicht Herkunft und Wissen sind, die einen Menschen ausmachen sondern die inneren Werte, dass also auch jene, die die Arschkarte gezogen haben, ihren Weg gehen können, wenn ihnen mit Liebe und Verständnis begegnet wird. So ungefähr halt.

Im Kinosessel dürfen Schüler über die Dummheit der Assis aus Müllers Klasse schmunzeln, denn die können weder Goethe von Reclam noch eine Kläranlage von einem  Wasserfall unterscheiden. Wenn andere noch schlimmer sind, baut das echt auf und die nächste schlechte Note lässt sich wieder besser wegstecken.

 

„Fack Ju Göhte 2“ bietet den vollen Ausstieg aus der harten Wirklichkeit, erlaubt, in eine Realität zu entfliehen, in der alles gut ausgeht, niemand draufzahlt. Zwei Stunden lang keine Probleme wälzen, kein Nachdenken über irgendwas, nur Pocporn futtern und grinsen. Was will man mehr mit 16 oder 36?

Fack Ju Göhte (D, 2015), Regie: Bora Dagtekin, mit Elyas M’Barek, Katja Riemann, Bewertung: Gut gestrickte oberflächliche Unterhaltung zum Aussteigen

Was es sonst noch gibt:
„National Gallery“, dreistündiger Dokumentarfilm von Frederick Wiseman (nur am Montag im Filmclub)

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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