Du befindest dich hier: Home » News » Tabletten im Gulli

    Tabletten im Gulli

    Tabletten im Gulli

    Gegen Gifte im Gulli: Sepp Noggler fordert Landesrat Arnold Schuler auf, „nicht mit zweierlei Maß zu messen“.

    Mit einer Verordnung verpflichtet die Stadt Bozen seine Bürger, beim Kampf gegen die lästige Tigermücke mit zu machen. In einem eigenen Kampagnenvideo wird auch gleich erklärt wie: Die Bürger sollen Insektizid-Tabletten in die Gullis der Stadt werfen. Damit sollen die Larven der Mücke getötet werden. Empfohlen wird das Mittel Diflubenzuron. Das Mittel sei in jeder Apotheke erhältlich. Es soll mindestens alle vier Wochen aber jedenfalls nach jedem Regenguss ausgebracht werden, weil dann das Insektizid von den Gullis in die Kanalisation abfließt.

    Interessantes Detail: Der Wirkstoff im Deflubenzuron kommt bzw. kam auch in der Landwirtschaft zur Anwendung, jedoch fern von Wasseransammlungen. „Ich finde es bemerkenswert, wie unterschiedlich dasselbe Mittel in der Landwirtschaft und in der Stadt gesehen wird. In der Landwirtschaft am liebsten ganz verbieten und in der Stadt gleich mengenweise in die Kanalisation kippen. In der Landwirtschaft nur mit Spritzmittelausweis erhältlich. In der Stadt in der Apotheke nebenan.“

    Besonders brisant beim Mittel Diflubenzuron: Es darf laut Datenblatt des Herstellers „keinesfalls in die Kanalisation gelangen“. Denn der Wirkstoff ist akut giftig für Wasserlebewesen, insbesondere für Fische.

    Der Landtagsabgeordnete Josef Noggler hat kürzlich im Landtag auf diesen Umstand aufmerksam gemacht: „Obwohl die sonst so eifrigen Umweltaktivisten genau wissen, dass das in Gullis ausgebrachte Mittel mit jedem Regen in den Wasserkreislauf kommt, gibt es hier verwunderlicherweise keine Skandalrufe.“

    Dabei schreibe das Datenblatt des Herstellers für alle ersichtlich vor, „ dass das Mittel nicht ins Wasser darf und sofort die Behörden zu informieren sind, falls das Insektizid trotzdem in Gewässer oder die Kanalisation eindringt. In Bozen ist es hingegen gerade die Behörde, die es vorschreibt, das Mittel in die Kanalisation zu werfen.“ Und das flächendeckend von Mai bis Oktober und jeweils nach jedem ergiebigen Niederschlag mit Wiederholung.

    „Ich habe vollstes Verständnis, dass man gegen diese Plage vorgehen muss. Vor allem die Gärtnereien haben jedes Recht, sich gegen die Tigermücke zu wehren. Sicherlich muss gleich wie gegen Schädlinge in der Landwirtschaft eingeschritten werden können, wo es notwendig ist. Aber man soll insgesamt nicht mit zweierlei Maß messen“, erklärt Noggler.

    Deshalb hat Noggler in einer Landtagsanfrage den Landesrat Arnold Schuler aufgefordert, tätig zu werden. Landesrat Schuler bestätigte diese Problematik, und weist darauf hin, dass der Aktionsplan für Pflanzenschutzmittel in sensiblen Zonen derzeit nur für die Landwirtschaft gilt, obwohl unter Umständen gleichwertige Mittel zum Einsatz kommen. Es sei anzudenken, die Regelung auch auf die Anwendung in bewohnten Gebieten auszuweiten.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (40)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • morphi

      Ich gebe Herr Noggler recht! Mit zweierlei Maß zu messen ist ungerecht! In diesem Zusammenhang die Frage: zahlen die Bauern dann auch die selben Steuern wie die Arbeitnehmer?

      Dafür sollte sich Herr Noggler dann auch einsetzen, damit diese erschreckende Ungleichbehandlung endet!

      • mike

        Morphi
        Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun. Du hast den Sinn des Berichtes nicht verstanden. Ich finde es nicht richtig dass die Bauern 5 mal im Jahr unangemeldet kontrolliert werden und bei geringsten Verstößen mit Sanktionen bestraft werden und die Stadtbürger können einfach Insektizide in den Abfluss werfen ohne belangt zu werden.

      • BatMan

        @morphi
        Produzier doch du einmal einen Waggon (10.000 kg) Äpfel im Steilhang!
        Kilopreis 40 Cent x 10.000 kg = 4000 € Brutto
        Hinterher darfst du dann, falls du noch zuviel Geld übrig hast, das dem armen Staat schenken.
        Falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, die Erzeugerpreise sind seit Jahren schon im Keller.

        • BatMan

          @morphi
          Bist du zu dumm, um das Sytem zu verstehen?
          Reitest du deshalb auf die Bauern rum?

          „Eigentlich ist es ganz gut, daß die Menschen der Nation unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, würden wir eine Revolution vor morgen früh haben. glaube ich.(It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.)“
          Henry Ford (*1862, †1947), US-amerikan. Großunternehmer (um 1920)

          Ich vermochte indes nicht einzusehen, wie ein Geschäftsbetrieb auf seine Waren noch einen hohen Zinsfuß aufschlagen und sie trotzdem zu einem angemessenen Preis auf den Markt bringen kann. Das habe ich niemals verstanden, vermochte auch nie zu begreifen, nach welcher Theorie der Zinsfuß für das ursprüngliche Anlagekapital eines Geschäftes zu berechnen sei. Die sogenannten Finanziers unter den Geschäftsleuten behaupten, das Geld wäre 6 % oder 5 % oder 4 % wert … Geld an sich ist überhaupt nichts wert, da es für sich keinen Wert zu erzeugen vermag.“
          Henry Ford (*1862, †1947), US-amerikan. Großunternehmer

          Möchtest du für ein Kilo Äpfel noch mehr bezahlen?
          Dann verlange weiterhin die Bauern sollen noch mehr Steuern bezahlen!
          Oder von wo kommt das Geld her, mit dem der Bauer seine Steuern bezahlt?
          Geht’s noch dümmer?

          • morphi

            @BatMan

            Auf diesem Niveau ist es warscheinlich unnütz zu diskutieren – ich versuche es trotzdem. Du wirfst mir Dummheit vor – kennst du mich? Ich habe – meiner Meinung nach – sarkastisch einen Artikel kommentiert, du greifst mich persönlich an. Das spricht, wieder meiner Meinung nach, nicht für dich.

            Du wirfst mit Zitaten bezüglich Banken und Währungssystem um dich – erklärst du mir bitte was diese mit der Erzeugung der Äpfel zu tun haben?

            Dann zitierst du Ford wegen des Zinsfusses – auch hier würde ich ich um einen Bezug zum diskutierten Thema freuen.

            Zu deiner abschliessenden Frage: ja, wenn es der Steuergerechtigkeit dient, dann würde ich die Preisaufschläge bei der Erzeugung eines Kilogramm Äpfels hinnehmen – ich könnte dann immer noch, da es sich um kein Grundnahrungsmittel handelt, mich dafür entscheiden dieses nicht zu konsumieren.

            Ich bin überzeugt, nach deinen vielen kopierten Zitaten, das du dieses Prinzip bereits kennst – es nennt sich Angebot und Nachfrage und ist eines der Grundprinzipien eines freien Marktes.

            Ich möchte dich darauf hinweisen, dass ich es (ihmo) geschafft habe, meinen Standpunkt zu vertreten, ohne dich der Dummheit zu bezichtigen…

        • Peter.g

          Der Arbeitnehmer muss für den Staat und den Bauern Steuern zahlen. Wenn du da jetzt wiedersprichst erklär uns mal die Subventionspolitik von Staat und EU Ebene seit dem Anfang des EWG Raums in Europa in den 50ger Jahren.

        • morphi

          @BatMan

          die Erzeugerpreise schwanken wohl auch erheblich – aber um auf deinen Einwand zurückzukommen – Monatslohn eines normalen Arbeiters ca. 2800 Euro brutto – da fragt dich niemand ob du Geld übrig hast! Du musst! deine Steuern dem armen Staat schenken!

          Und wenn die Erzeugerpreise jetzt nach unten zucken – wieviele Jahre waren sie auch hoch?

        • mike

          Informiere dich mal zur Zeit auf den Obstversteigerungen . Für Goldendelicius ( Haubtsorte) bekommt der Bauer gerade mal 20 bis 25 Cent für einen Kilo Äpfel erster Qualität ( Stand Obstversteigerung Unterland 16.09. 2015 ) . Das ist das 2. Jahr in Folge dass ablolut undiskutabl niedriege Preise gezahlt werden. Wenn das länger so weiter geht werden viele Ihre Höfe schliessen und in die Stadt ziehen um Arbeit zu finden.

      • Einereiner

        @morphi
        Die Bauern zahlen gleichviel Steuern wie die Arbeitnehmer, wenn sie im Normalsystem sind. Und das sind immerhin 20%.
        80% sind im Pauschalsystem, und auch diese zahlen ähnlich wie die Arbeitnehmer.
        Informiere dich besser und die „erschreckende Ungleichbehandlung“ wird sich in Luft auflösen.

        • Steuerzahler

          @ Einereiner
          Die Bauern zahlen 2% Einkommenssteuer. Ein Arbeitnehmer zahlt je nach Einkommen zwischen 12% und 30% Einkommenssteuer, welche ihm von seinem Bruttolohn abgezogen werden.
          Das ist keine Ungleichbehandlung sondern schlichtweg eine Schweinerei.

          • mike

            Und von der satten Abfertigung am Ende der Arbeitszeit der Arbeitnehmer spricht niemand gel !

            • Peter.g

              Du vergisst dabei aber wie die Abfertigung zum Lohn des Arbeitnehmers steht und wieviel im Falle der Auszahlung an Steuern abgeführt werden müssen.

            • Andreas

              @mike
              Die Abfertigung ist Teil des Einkommens, welches ebenfals versteuert wird.
              Deine Aussage macht keinen Sinn.

          • warpet

            die bauern kann man nicht mit arbeitnehmer vergleichen sondern muss wenn schon mit unternehmen vergleichen.
            unternehmen können mehrwertsteuern absetzen, bauern nicht.
            nur weil im pauschalsystem die einkommensteuer nicht gleich ist wie bei allen anderen heisst das nicht dass die bauern keine steuern zahlen.

        • morphi

          Hallo,

          kannst du das etwas näher begründen? Inwieweit ist das Steuersystem der (Apfel)Bauern mit dem Steuersystem der Arbeitnehmer vergleichbar? Verwechselst du vielleicht die Mwst. mit der Einkommenssteuer?

      • Nachdenklich

        Den bauer darf man auf keinen fall mit einem arbeitnehmer vergleichen, sondern wenn dann immer mit einem selbststandigen unternehmer…… Und meines wissens zahlt fuer den arbeitnehmer immer noch der arbeitgeber die steuer ein….

      • Puschtra

        Ich finde es sehr intelligent, wenn man Insektizide, die laut Hersteller ausdrücklich NICHT! in die Kanalisation gehören, massiv in die Kanalisation schüttet. Unter dem Motto tötet alles, dann sterben auch die Mücken?
        Das ist geradezu kriminell, denn man zerstört damit das komplizierte Ökosystem der Kläranlagen.
        Ich habe da einen Vorschlag für die Verwalter unserer Landeshauptstadt:
        Warum stellt man nicht gleich Patriot Raketen auf um die Mücken zu bekämpfen?
        Man könnte auch in ganz Bozen den Regen verbieten. Das währe auch so eine kluge Entscheidung die man den Verwaltern dieser Stadt durchaus zutraut.

    • Dagi

      Ach @morphi vergiss es. Wir werden von Bauern regiert!

      • johann

        dagi euch regiert der neid.. schreib das nicht als landwirt sondern als Arbeitnehmer… denkt mal nach…

        • morphi

          @johann
          Willst du damit auch was sagen? Oder hattest selbst keine Lust nachzudenken?

          • johann

            morphi bin zufrieden danke der Nachfrage… fuehle mich sowohl körperlich als auch geistig fit und du?

            • morphi

              Ich auch – danke der Nachfrage – leider hast du dich immer noch nicht dazu geäußert, was es deiner Meinung nach zu überlegen gilt. Ich unterstelle, dass du den Sarkasmus in der ursprünglichen Aussage nicht richtig gedeutet hast.

              Oder glaubst du das eine Gleichbehandlung der (Apfel)Bauern und der Arbeitnehmer nicht erstrebenswert wäre?

              Aber fühl dich nicht persönlich angegriffen – das ist nicht meine Absicht. Ich ärgere mich nur, weil ich mich noch an die Argumente einiger Bauern erinnere, welche da meinten das es Ihr Recht wäre zu spritzen, weil ja die Frauen auch die Antibabypille nehmen und diese dann auch über den Urin ins Abwassser gelangt – und jetzt hat der Bauern Sepp halt die Tiger Mücke für sich entdeckt…. Sachen gibts…

    • Luis

      Seit wann sprechen die 2 nicht mehr zusammen für mich ein ausgemachtes Theater

    • marco fattinini

      die apfelpreise sind tief weil niemand giftbomben kaufen will.

      • Peter.g

        Ich esse schon seit Jahren keinen Apfel mehr weil ich von Frühjahr bis Herbst selbst unter dem Spritznebel vor meiner Haustür leide und dabei stückchenweise vergiftet werde. Weder dieser Landwirt noch Andere haben mir plausibel eine Garantie geben können dass es nicht zu Spätfolgen kommen kann. Genauso gebe ich diese Negativwerbung an Bekannte, Gäste oder in anderen Foren weiter.

        • mike

          Vor 50 Jahren wurden die Menschen im Schnitt 60 Jahre alt. Heute werden sie 100 Jahre. Nur vor 50 Jahren gab es im Vergleich zu heute verschwindend wenig Obstbau. Also kann nicht alles so giftig sein wie du es beschreibst.

          • Peter.g

            Ich habe von Garantieverprechungen im Falle von Spätfolgen geschrieben. Für deine Antwort kann ich auch meine Glaskugel fragen. Schätze du hast als Hauptfach die Lehre des Felsenkellers abgeschlossen. Diese Schule soll übrigens der grösste Ausbringer von Pestiziden auf Landesebene sein.

        • warpet

          super einstellung. welche giftbombe isst du denn dann? hast du bei all den anderen lebensmitteln die du stattdessen isst eine garantie erhalten dass es zu keine spätfolgen kommen kann?

          • Peter.g

            Wenn du als Produzent nicht im Stande bist dich auf die Ebene des Konsumenten zu begeben ist die Aussicht gering auf Augenhöhe zu komunizieren. Dass meine Gesundheitsanschauung aber von Produzenten in meinem nahen Umfeld nicht akzeptiert wird lässt den Schluss zu dass es scheissegal scheint wenn ich früher drauf gehe als es die Natur vorgesehen hat.
            Ich kann nur wiederholen fresst eure Giftknotteln selbst denn in naher Zukunft wird nicht nur der gesunheitliche Aspekt sondern auch der Wirtschaftliche euch auf den Kopf fallen. Der Schluss wird für Alle, Produzent und Konsument aber Final sein.

            • mike

              Ojojojoi Der Häuptling der Weisheit hat gesprochen ! ( Wenn a lei an groaßn Blödsinn)

            • warpet

              Ich bin ein Konsument und kein Produzent und deswegen sehr wohl auf Augenhöhe.
              Ich frage mich nur was du denn essen möchtest wenn du konsequenterweise nicht nur Äpfel, sondern alles was mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wird weglassen würdest.

            • Yannis

              @Peter.g

              >>>Ich kann nur wiederholen fresst eure Giftknotteln selbst denn in naher Zukunft wird nicht nur der gesunheitliche Aspekt sondern auch der Wirtschaftliche euch auf den Kopf fallen.<<<

              willkommen im Club, bin auch einer der diese "Giftknotteln" bestenfalls kurz vor dem Verhungern essen würde.
              Der Wirtschaftliche Aspekt scheint schon Wirkung zu zeigen, denn dank der unendlichen Gier und Überproduktion sind die Erzeuger-Preise für die "Knotteln" auf Talfahrt.

    • Peter.g

      Wie bereits geschrieben habe, habe ich mit der Abdrift des Bauern meine Probleme welche sicher nicht wie immer wieder von Obstbauern vermerkt mit der Karenzzeit der Äpfel vergleichbar ist. Deshalb auch mein Bezug zu Spätfolgen. Wenn ich mich als Probant für die Pharmaindustrie melde weiss ich dass ich unter Umständen mit Folgen der Gesundheit rechnen muss. Wenn ich aber ohne Einverständnis meine Gesundheit der Abdrift aussetzte ist es meines Erachtens einer Körperverletzung gleichzusetzten.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen