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    „Wir verkaufen keinen Speck“

    speck wein werbungDas neue Meraner Stadtmuseum im Palais Mamming sorgt mit einer Produktpräsentation in den Ausstellungsräumen für Belustigung – und Irritationen.

    von Karin Gamper

    Was haben eine Speckhamme der Firma Siebenförcher oder eine Flasche der Meraner Kellerei mit einer alten Tiroler Münze gemein? Diese Frage beschäftigt Kurt Duschek, mittlerweile freier Gemeinderat in Meran, seit er zum ersten Mal das neue Stadtmuseum im Palais Mamming betreten hat.

    „Ich war privat mit einer Gruppe Architekten dort“, erzählt Duschek, „und die haben sich höchst irritiert über diese unpassende Produktpräsentation gezeigt“.

    In der Tat wirken Speck und Wein, aber auch das ausgestellte Rieper-Mehl und die Barilla-Nudeln in den altehrwürdigen Hallen am oberen Pfarrplatz etwas deplatziert. Sie sind inmitten all der Gegenstände ausgestellt, die die Historie Merans erzählen sollen. Zudem sind einige der Produkte mit einem Preisschild versehen.

    Werden in diesem Museum Lebensmittel verkauft?

    Wir verkaufen keinen Speck“, kontert Museumsleiter Elmar Gobbi trocken, „das Ganze muss in einem größeren Kontext gesehen werden“. Der Fachmann erklärt: „Wir wollten im Museum eine Warenschlange aufhängen, das ist eine Art Holzschlange, in der in früheren Zeiten die Lebensmittel ausgestellt wurden“.

    Sinn und Zweck: „Wir möchten den Besuchern verdeutlichen, welche Funktion diese Warenschlange hatte und haben daher einige Lebensmittel gekauft, um sie auszustellen“. Die Preisschilder wurden angebracht, um einen Vergleich herzustellen: „Wir möchten zeigen, wie viel beispielsweise ein Kilo Fleisch im Mittelalter gekostet hat und wie viel es heute kostet“, sagt Elmar Gobbi.

    Der Museumsleiter wollte dabei zwei Fliegen mit einem Schlag erledigen: „Ich habe mit den Firmen Siebenförcher und der Meraner Kellerei eine Art Sponsoringabkommen getroffen“.

    Im Klartext: Die beiden Firmen haben für die Eröffnungsfeier einen Teil der konsumierten Produkte kostenlos geliefert und dürfen dafür ihre Waren im Museum ausstellen.

    „Für ein Jahr vorerst, dann sehen wir weiter“, betont Gobbi. Weitere Sponsorenleistungen sind nicht vorgesehen: „Es fließt kein Geld“, so der Museumdirektor, der betont, dass jederzeit auch „weitere Sponsoren“ willkommen sind.

    Elmar Gobbi kann die Kritik an seinem Konzept nicht verstehen. „Es haben sich einige Geschäftsleute aufgeregt und mich gefragt, warum ausgerechnet diese beiden Firmen ausstellen dürfen“. Als er diesen Kaufleuten jedoch angeboten habe, ebenfalls Sponsoren zu werden, so hätten sie dankend abgelehnt. „Es gibt halt nicht viele Private, die bereit sind, das Museum zu unterstützen“, so Gobbi.

    Die Warenwerbung im Museum wird demnächst auch im Gemeinderat zur Sprache kommen. Dort hat Gemeinderat Kurt Duschek eine Anfrage eingebracht. Er möchte wissen, mit wem genau die Sponsorenverträge abgeschlossen wurden und welche Leistungen sie umfassen.

    Denn für ihn steht fest: „Solches Produktplacement in den Ausstellungsräumen ist befremdend und wäre wohl im Eingangsbereich angebrachter“.

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    Kommentare (4)

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    • Klaus

      Hat Herr Kurt keine anderen wichtigeren Probleme im Gemeinderat zu lösen als eine Speckhamme und Barillanudel. Kann nur den Kopf schütteln. Der wird das nächste Mal sicher nicht mehr im Gemeinderat sitzen, wenn sich die Bevölkerung an diesen Blödsinn erinnert. Herr Kurt, Meran hat viele wichtigere Bedürfnisse, also los schnell und sinnvoll erledigen.:-)))))))))))

    • Andreas

      Ein Sponsoringabkommen wegen einer Hamme Speck für 50-60 Euro, einer 20 Euro Weinflasche oder einem Kilo Mehl? 🙂 🙂

      Schon dumm, wenn das gesamte Geld für die Verwaltung eines Museums ausgegeben wird und man bei den Ausstellungsstücken auf „Sponsoringabkommen“ angewiesen ist.

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