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Schundblatt

Schundblatt

Die Rüge kam von ganz oben. Der Präsident des Landtages des Bundeslandes Tirol zog bei einem Treffen der Landtage Südtirol und Tirol wild über die Tageszeitung her.

Mieser Journalismus sei das, die Tageszeitung sei zudem ein Schundblatt. Wenn das der Präsident eines Bruderlandtages sagt, dann hat das natürlich ein ganz besonderes Gewicht, schließlich ist Herwig van Staa ja eine politische Größe Tirols.

Der Schwiegersohn des mythischen Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer, der in Südtirol wie ein Heiliger verehrt wurde, hätte ja in seine Fußstapfen treten sollen, seine Landeshauptmannschaft war aber von kurzer Dauer, dafür wurde er mit dem Sessel des Landtagspräsidenten abgegolten, ein Posten, der seiner Eitelkeit genüge tut. Warum er so über uns hergefallen ist?

Die Geschichte ist ganz banal. Der Südtiroler Landtag hatte ein Treffen mit den Nordtirolern vorgeschlagen, um gemeinsame Themen zu besprechen: Flüchtlinge und Fahrverbot. Van Staa hat die Einladung ohne Wissen der Südtiroler Seite an seinen Trentiner Amtskollegen Bruno Dorigatti ausgedehnt, was bei den Südtirolern für arge Verstimmung sorgte.

Der Tageszeitung wurde dieser Zank zugespielt und nachdem er von höchster Stelle bestätigt wurde, hat die Tageszeitung es sich erlaubt, darüber zu berichten. Apriti cielo.

Eine Sauerei, diese Tageszeitung, wie immer, unseriös, Schmierenjournalismus aller schlimmsten Güte, ein Schundblatt. Starker Tobak, wenn man bedenkt, dass gar nichts Falsches gesagt wurde, sondern lediglich das berichtet, was bei den Fraktionssprechern im Landtag Tagesgespräch war und für Unmut sorgte.

Das Problem hat dann Dorigatti gelöst, indem er sich entschuldigte. Muss man sich deshalb beschimpfen lassen? Von einem vornehmen Herrn wie van Staa hätte ich mir das nicht erwartet. Gewisse Politiker lieben die Presse nur dann, wenn sie über sie gut berichtet, keine Fragen stellt, nicht hinter die Kulissen blickt. Diese Kategorie Politiker lieben den Verlautbarungsjournalismus, am liebsten sehen sie es, wenn man die langweiligen Kommuniques ihrer PresseprecherInnen veröffentlicht, Lobhudeleien in der Regel.

Neulich wurde mir berichtet, dass der Fraktionssprecher der SVP im Landtag gesagt haben soll, dass es ihm persönlich völlig gleich sei, wenn die Tageszeitung eingeht. Er hat das nicht seiner Frau zu Hause gesagt, sondern in einem Kreis von Politikerkollegen, weshalb ich annehme, dass die Nachricht wahr ist.

Warum sollte eine Person sich so was einfallen lassen? Ich muss sagen, dass ich schon sehr, sehr sehr enttäuscht und auch traurig war, weil ich den Fraktionssprecher eigentlich schätze und ihm immer eine hohe demokratische Kultur zuerkannt habe. Nun höre ich, dass er auf die zweite Tagezeitung deutscher Zunge pfeifen würde und beweist damit, was er vom Medienpluralismus und von der Meinungsfreiheit hält.

„Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Dieses sehr pathetische, dem französischen Schriftsteller und Philosophen Voltaire zugeschriebene Zitat sollte eigentlich die Grundlage der Meinungsfreiheit in jeder modernen, aufgeschlossenen Demokratie sein.

Ich weiß nicht, was den Herrn Fraktionssprecher dazu bewegt, eine so schreckliche Meinung über uns zu haben, wahrscheinlich ist er mit der Berichterstattung aus dem Landtag unzufrieden, vielleicht ist über ihn was Schlechtes oder Falsches geschrieben worden. Darüber kann man sich beschweren, ohne gleich den Tod des Blattes zu wünschen. Arme Demokratie. Ich hoffe, dass das ein Scherz war, ein Witz, wenn auch ein blöder.

Über den Verfolgungswahn einer Fraktion, die ich nicht nenne, will ich gar nicht reden. Da gibt es Eingaben und ein Abgeordneter hat geklagt. Er will 1.500.000 Euro von uns.

Dabei muss ich sagen, dass wir zum Großteil der Politik ein ausgesprochen nettes, freundschaftliches und respektvolles Verhältnis pflegen.

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