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    Der neue Bellocchio

    Der altgediente Regisseur Marco Bellocchio (Jg. 1939) schafft es fast jedes Jahr, einen Film in den Wettbewerb der Mostra del Cinema zu bringen.

    von Renate Mumelter

    „Sangue del mio sangue“ heißt Bellocchios Wettbewerbsbeitrag dieses Jahr. Acht Minuten Applaus soll er bei der Premiere bekommen haben, zwei Tage nach der Premiere lief er italienweit in den Kinos an, auch in Bozen. Damit es gleich gesagt ist: Ich wäre nach einer halben Stunden aus der Projektion geflüchtet, hätte ich nicht über den Film schreiben wollen. Erzählt wird eine zweigeteilte Geschichte: Teil eins spielt im Mittelalter, Teil zwei in der Gegenwart, und beide Teile sind in Bellocchios emilianischem Heimatort Bobbio angesiedelt. In Kostümfilm-Manier wird zunächst die Geschichte einer Nonne erzählt, die es mit den Geboten nicht so genau nimmt und deshalb eingemauert wird. Die Bilder sind dunkel, die Klostertüren knarzen, die Menschen schreiten langsam, bewegen sich pathetisch, rezitieren getragen. Einfach nur fad. In der zweiten Hälfte gibt es den Sprung ins Jetzt, und wieder geht es um das ehemalige Kloster in Bobbio. Im Mittelpunkt steht ein Vampir, genauer eine Vampirgesellschaft, die sich unter die Lebenden mischt, die aber auch deutlich gealtert ist und mit dem Blutsaugen nicht mehr ganz zurecht kommt. Die Geschichten vermischen sich streckenweise, kirchliche Choräle begleiten, Alpinilieder tönen durchs Gemäuer. Es gibt wenig zu verstehen, wenig zu genießen und wenig zu schauen. Echt froh war ich, als ich  den dunklen, unerquicklichen und pseudo-bedeutungsvollen alten Mauern wieder entkommen war.  Bellocchio selbst nennt seinen Film assoziativ. Filmfachmann und Ex-Staatspräsident Giorgio Napolitano sagte den Medien nach der Premiere, er müsse erst einmal über den Film nachdenken. Kein gutes Zeichen.

    Sangue del mio sangue (I, FR, CH 2015), 107  Min., Regie: Marco Bellocchio, mit: Roberto Herlitzka, Alba Rohrwacher. Bewertung: Nicht sehenswert

    Was es sonst noch gibt: B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin, nur am Montag in Zusammenarbeit mit Transart.

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