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    Die Online-Spielsucht

    Die Online-Spielsucht

    Im Therapiezentrum Bad Bachgart werden zwar noch keine Online-Glücksspieler behandelt – aber der Leiter Helmut Zingerle ist überzeugt, dass sich das ändern wird.

    Tageszeitung: Herr Zingerle, das Glücksspiel scheint sich zunehmend von der Bar ins Internet zu verlagern. Inwieweit trifft das auch auf Südtirol zu?

    Helmut Zingerle: Die Spieler, die bei uns in stationärer Behandlung sind, haben bevorzugt an Automaten gespielt. Aber in den nächsten Jahren wird sich das wohl ändern. Beim Online-Glücksspiel gibt es ganz wenige Kontrollmöglichkeiten, weshalb man sich etwas einfallen lassen muss, um es zu reglementieren. Betroffen sind vor allem jüngere Leute, die tatsächlich fast nur noch online sind. Die Spieler zwischen 40 und 50 Jahren sind aber immer noch an den Automaten.

    Das Phänomen Online-Spielsucht wird also noch an Brisanz gewinnen?

    Die jüngeren Leute sind jetzt schon betroffen, nur sind sie nicht gleich in stationärer Behandlung. Sie fallen natürlich nicht so schnell auf und die gespielten Beträge halten sich noch in einem überschaubaren Rahmen. Aber ich würde sagen, dass wir in den nächsten zwei bis fünf Jahren mit einem Boom rechnen müssen. Das geht dann vom Watten bis zum Casino.

    Ist der Suchtfaktor bei Online-Glücksspielen höher, da man alleine zuhause sitzt und neues Geld relativ schnell mittels Kreditkarte einzahlen kann?

    Laut Untersuchungen aus Deutschland ist der Suchtfaktor bei den Automaten bis dato sicher der höchste – höher noch als im Casino. Der Risikofaktor beim Online-Spiel besteht aber genau darin, dass man die ganze Nacht spielen kann, ohne dass es jemand bemerkt. Häufig ist es aber nicht nur eine Spielsucht, sondern auch eine Computersucht. Hier treffen zwei Dinge aufeinander. Insofern gibt es natürlich einen hohen Suchtfaktor, vor allem bei jüngeren Leuten. Die älteren haben den Zugang verpasst.

    Inwieweit kann man hier Prävention leisten?

    Mit Aufklärung, die bei den Kindern anfangen muss. Zudem wird es Limitierungen geben müssen – etwa bei den Geldbeträgen. Aber je nachdem, wo die Provider sitzen, hat man wohl gar keine Möglichkeiten dazu. Man ist zurzeit noch am Herumtüfteln, wie man es am ehesten hinkriegt. Optimal ist es meines Erachtens noch nicht geregelt worden. Auch die Politik hat sich darüber noch nicht wahnsinnig viele Gedanken gemacht.

    Interview: Heinrich Schwarz

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    Kommentare (7)

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    • Burgi

      Immer auf der Suche nach neuen Kundschaften, der Herr.

    • Puschtrabui

      Solang die Politik, die Lobbie der Spielebetreiber und Mafia so eng verknüpft sind, wird die Politik keine guten Gesetze gegen die Spielsucht machen dürfen!

    • Helmut Kafka

      Laut den deutschen Studien und Daten ist der Suchtfaktor bei Spielautomaten in Casinos 7 bis 9 mal höher als bei Automaten in Gaststätten und Spielhallen.
      Das wird ganz zufällig immer wieder gerne unter den Tisch gefallen lassen!
      In Wien hat die Anzahl von diagnostzierten Online Glücksspielsüchtigen zwischen 2009 und 2013 um 118% zugenommen.
      Bei Geldspielautomaten ausserhalb von Casinos um 2%.
      Bei Glücksspielautomaten in Casinos um 53%!!

    • wert

      Ich würde für gewisse Politiker Bad Bachgart empfehlen !

    • Joachim

      Mittlerweile ist ganz Italien ein Spielcasino ! Geht mal entlang der Adria, Las Vegas lässt grüssen !

    • ritchy

      Deutschland hat einen der größten online Glücksspielmärkte der Welt (Poker, Sportwetten, Casino), auch wenn sich das gesetzlich in einer Grauzone befindet. Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag schafft es nicht das Spielen entsprechend zu kanalisieren. Von Spielerschutz und Suchtprävention ganz zu schweigen.

      Um also über Maßnahmen nachzudenken, müssen die Politiker erst einmal einen sinnvollen und wirklichkeitsnahen Regulierungsansatz finden. Dann können die online anbieter auch überprüft und reglementiert werden. Wie es gehen könnte hat das Land Schleswig-Holstein bereits 2012 gezeigt.

      Die großen Anbieter (bet365, betfair etc.) bieten heute schon entsprechende Maßnahmen an (setzen von Verlustlimits, Einzahlunglimits, Sitzungstimer etc.).

    • goggi

      Bad Bachgart hat ja auch eine Mittelspur zum Einbiegen,da kann man schon noch etwas
      Verkehr verkraften.
      Aber bei der Fahrradraststätte Lanz hat man noch kein Geld gefunden um eine Einbiegespur
      zu errichten um den Verkehr flüssiger zu ermöglichen.
      Auf der Pustertalerstrasse fahren ja auch nicht so wichtige Leute wie nach Bachgart.
      Ein bischen Stau von der Fahrradraststätte Lanz bis nach Vintl und weiter ist ja kein Problem.
      Mussner sagte ja eimal „Wir müssen Prioritäten setzen“.
      Schade,die Pustertalerstrasse hat mal nicht so viele Prioritäten,nicht wahr Herr Mussner?
      Aber was nicht ist,kann ja noch werden und die hochbezahlten Amtsdirektoren werden schon
      einen Ausweg finden,sofern sie da ein Problem sehen.
      Beamte sehen eben Probleme naturgemäss anders als der Normalbürger.

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