Du befindest dich hier: Home » Wirtschaft » Die Brixner Privatklinik

    Die Brixner Privatklinik

    Die Brixner Privatklinik

    Die Stimmung in Südtirols Spitälern ist katastrophal schlecht. Viele Ärzte drohen mit Kündigung. Einige von ihnen könnten in der ersten Privatklinik in Brixen ein neues Betätigungsfeld finden.

    von Erna Egger

    Immer mehr Ärzte in Südtirols Spitälern drohen immer häufiger: „Ich kann ja auch gehen.“ Damit wollen sie Druck ausüben. Die Stimmung in den Südtiroler Spitälern ist katastrophal schlecht. Rigide Sparmaßnahmen und die umstrittene Sanitätsreform stehen bevor. Große allgemeine Unsicherheit hat sich breitgemacht.

    Der neue Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, Thomas Schael, der die Reform umsetzten soll, trägt nicht gerade dazu bei, die allgemeine Klima zu verbessern. Ihm wird vorgeworfen, dass er nur die Zahlen sieht und dabei die Patienten vergisst.

    Zahlreiche Mediziner haben mittlerweile schon das Feld geräumt und gekündigt. „Andere denken laut über einen Abgang nach“, schildert ein Arzt.

    Und Chirurgen, die im Ausland tätig sind, wollen in Anbetracht dieser Missstimmung nicht in ihre Heimat zurückkehren.

    Die Lage scheint verzwickt. Die Ärzteschaft fühlt sich nicht mehr wohl. „Jetzt warte ich mal die Entwicklungen der nächsten Monate ab. Dann werde ich meine Entscheidung fällen.“

    Das sind Äußerung von einige Chirurgen, die auch in Hinblick auf ein Südtiroler Novum fallen: In Brixen entsteht derzeit nämlich eine Privatklinik, eine Kombination aus Ärztehaus und klinischer Struktur nach österreichischem Vorbild. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren.

    Markus Opatril, Augenarzt in Telfs und Steinach, und Michael Petrini, Internist an der Uniklinik Innsbruck, sind die treibenden Kräfte. Sie haben die Brixsana GmbH gegründet, die als Bauherr aufscheint. „Anfang 2016, im Jänner oder Februar, werden wir starten“, prognostiziert Opatril.

    Die Klinik wird auf eigenen Füßen stehen – die Ärzte werden alle privatwirtschaftlich tätig sein. „Um eine Konventionierung beim Land wurde nicht angesucht“, betont Opatril.

    Elf Praxen sollen dort Platz finden. Angeboten werden die Fachrichtungen Augenheilkunde, Anästhesiologie, für die Durchführung von Operationen, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie allgemeine und plastische Chirurgie, Radiologie, Innere Medizin, Neurologie, Dermatologie, Urologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Gynäkologie.

    Welche Ärzte werden nun aber dort ordinieren? Nur Opatirl und Petrini bekennen sich öffentlich dazu, dass sie ihre Tätigkeit nach Brixen verlagern wollen.

    Um die anderen neun Namen wird ein Geheimnis gemacht, das gehütet wird, wie der eigene Augapfel. „Es werden kompetente Ärzte dort tätig sein. Aber über Namen wird nicht gesprochen, weil wir uns dazu verpflichtet haben“, betont Opatril.

    Der Großteil der Mannschaft soll jedoch aus Südtirol kommen und noch in den öffentlichen Spitälern beschäftigt sein.

    Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist jener von Alexander Gardetto: Der Leiter der Plastischen Chirurgie im Krankenhaus Brixen will sich dazu nicht äußern. „Noch einige Entscheidungen meinerseits sind offen.“

    Über die weiteren Namen wird in den Spitälern viel spekuliert.

    Aber es wird absolutes Stillschweigen bewahrt. Erst im Dezember wird das Geheimnis gelüftet. Dann wird sich zeigen, wer den Schirtt in die Privatwirtschaft wagen wird. Die Chirurgen müssen dann nämlich ihr Kündigungsschreiben hinterlegen – denn sie müssen die zweitmonatige Kündigungsfrist einhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt will sich noch kein Arzt, der in Brixen tätig werden will, outen.

    Das Konzept der Klinik: Im Ärztehaus, das sich als Ergänzung zum öffentlichen Gesundheitssystem sieht, wird operativ als auch diagnostisch genutzt. Es werden vorwiegend tageschirurgische Eingriffe durchgeführt. Für einen eintägigen Aufenthalt stehen vier stationäre Betten und eine Aufwachstation mit fünf Betten zur Verfügung. „Den Patienten steht ein sehr breites Spektrum zur Verfügung“, so Opatril. Größere und kompliziertere Operationen, die einen mehrwöchigen Aufenthalt mit ständiger Überwachung benötigen, werden jedoch nicht angeboten.

    Opatril ist vom Erfolgskurs überzeugt: „Für Südtirol ist eine derartige Struktur etwas vollkommen Neues. So ein Projekt realisiert man nur, wenn man an den Erfolg glaubt. Und wir glauben stark an das Vorhaben.“

    Zu seinen Ambitionen, die ihn bewegen, nach Südtirol zu wechseln: „Es ist ein spannendes, interessantes Projekt, das mit Freunden entwickelt wurde und an dem wir schon lange arbeiten. Und wir glauben, dass wir das in Südtirol gut umsetzen können. Und das ist auch der Beweggrund. Wir glauben, dass für die Südtiroler Patienten in dieser Form ein gutes und innovatives medizinisches Angebot zusätzlich zur Sanität angeboten werden kann.“

     

     

    Clip to Evernote

    Kommentare (26)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • Verwunderlich

      das geht sicher gut…. es gibt genug gute ärzte… und auch genug … wohlhabende leute… in südtirol…

    • ARZT

      Die “ Vergrämungspolitik“ der Frau Stocker gegen die Ärzteschaft in Südtirol in den Krankenhäusern sei es gegen die Hausärzteschaft in Stadt und Peripherie wird sicherlich Erfolg haben. Wir haben in Südtirol ein beneidenswertes Gesundheitssystem mit einer hochqualifizierten Ärzteschaft welches in Italien als Vorzeigebild gilt. Jetzt wird die Patientenversorgung von der SVP Politik der Landesrätin im Verein mit ihrem Gehilfen Schael in Kürze auf Italienniveau gebracht werden. Die Südtiroler Patienten werden aus dem Staunen nicht herauskommen. Ich kann allen jungen Kollegen welche noch die Möglichkeit haben raten: verlasst so schnell wie möglich Südtirol gehts ins benachbarte Ausland und wenn ihr noch im Ausland in Ausbildung seid dann kommts nicht zurück ausser zum Urlaub machen. Lasst euch nich nicht eure Motivation und Freude am Arztberuf von Dilettanten verderben welche von Medizin und medizinischer Versorgung keine Ahnung haben.

      • Andreas

        Sollten Sie wirklich ein Arzt sein, finde ich Ihren Aufruf erbärmlich und er zeigt, dass Ärzte auch nur Menschen mit all den bekannten Unzulänglichkeiten sind.
        Ich hoffe keiner der Angesprochenen nimmt Ihre pauschale und nichtssagende Kritik ernst und wenn, kann es mit dem Berufsethos nicht weit her sein.
        Sie reagieren wie ein kleines trotziges Kind, Ihrer Berufsgruppe machen Sie damit sicher keinen Gefallen, sie geben sie eher der Lächerlichkeit preis.

        • nairb

          ach andreas, lass gut sein!

          und btw: unsere jungärzte haben dem land schon lange den rücken gekehrt. es wird nichts geboten, weder ausbildung noch verdienst und erst recht keine perspektiven. die sanitätsreform frisst alle aufmerksamkeit, sodass diese eigentliche tragödie unbemerkt bleibt.

          • Andreas

            Das Gras in Nachbars Garten ist halt immer grüner.
            Natürlich ist es lukrativer im Dienst der Pharmaunternehmen zu stehen und deren Medikamente zu propagieren oder die Studien für diese nach dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und dem eigenen auszurichten.
            Es gibt wenig Berufsgruppen wo die öffentliche Wahrnehmung und die Realität so weit auseinander klafft. Es gibt gute und ehrliche Ärzte, es gibt aber auch genügend geldgierige Götter in weiß, welche sich von der Pharmaindustrie kaufen lassen und Geld der primäre Antrieb ist.
            Also was soll’s, wir werden schon nicht aussterben.
            Wir sind ein kleines Bauernland, die Möglichkeiten einer Uniklinik werden wir nie bieten können.

            • hmm

              ach ja, die böse, böse, sehr böse Pharmaindustrie und die Ärzte, die der Pharmaindustrie aus der Hand frisst. Ja ne klar. Null Ahnung, setzen, gibt ne fünf.

            • Andreas

              @hmm
              Schon gut, man kann auch belegte Fakten ignorieren. Informiere Dich mal wie Zulassungen von Brustinplantate oder Prothesen in Europa funktionieren und wie in den USA und die Skandale der letzten Jahre in Europa.
              Der TÜV Rheinland Pfalz hat z.B. die französischen Brustimplantate zugelassen, mit welchen es zu erheblichen Problemen kam, die lassen auch Rasenmäher und Teddybären zu….
              Und google mal Peter Wilmshurst, ein Mediziner der Studien nicht fälschen wollte.

            • Düsentrieb

              Nur der Ander(s) ist wie gewohnt „bestens“ informiert!!! ( leider ist dem nicht so)

        • Kruat

          Hallo Andreas, (Arzt) Studieren mit Steuergelder und dann in Ausland bleiben? sehr gut? ich brauchte auch im Ausland Hilfe, hier hast Du Lebenslang schaden.

      • martin

        Die Ärtzte können ruhig kommen. Macht Privatkliniken auf!
        Ich gehe nur zu Privatärzten, bekomme schnellstens einen Termin. Mir wird ordentlich geholfen. Und unterm Strich kommt man auch billiger durch. Auch das Spital will bezahlt sein und was man da oft welchen Marathon hinter sich hat bevor man eine Hilfe bekommt ist oft unbezahlbar.

    • Andreas

      Ein Arzt mit Idealismus und Berufsethos wird nicht wechseln, da dort nur banale Fälle von finanzkräftigen Kunden behandelt werden. Wenn jemand des Geldes wegen wechselt, kann man ihn auch nicht aufhalten.
      Der Hinweis der Ärzte mit ihren üppigen Gehälter, über welche sich einige dieser definieren, das es nicht mehr um den Patienten geht, errinnert an die Piloten der Lufthansa.
      Eine gutverdienende privilegierte Berufsgruppe, welche anscheinend selbstlos für den Erhalt seiner Privilegien kämpft und dabei Patienten bzw. Passagiere als Grund vorschiebt.

    • nix phil

      Frau Stocker „mobbt“ Ärzte damit zu wenig Ärzte zur Verfügung stehen und sie mit dem Argument Abteilungen und KH-s schließen kann. Weiters kennt sich Frau Stocker im Gesundheitswesen sehr schlecht aus. Vielleicht noch viel weniger als im Sport.

    • sirgawain

      Hat das was mit dieser merkwürdigen schönheitsklinik zu tun?

    • goggile

      ich hoffe dass frau stocker zuruecktretet mit Herrn schael.

    • schnellermichl

      Welche aerzte sind denn das die da mit verdeckten Karten spielen. Etwas mehr Rückgrat wäre da schon gefragt. Man sagt es ist die gardetto-Klinik.

      • Luis

        Die SVP PD Landesregierung hat überhaupt kein Rückgrat, die gehören demnach zur Spezies der „Weichtiere“.
        Allein das hick hack mit den Geburten Abteilungen offenbarte ihre totale Inkompetenz.

    • goggi

      Leute,Eines könnt ihr mir glauben!
      Pharmaindustrie,Krankenhäuser und die Ärzte brauchen kranke Leute.
      Desto mehr um so besser.
      Desshalb werden auch nur Symtome und keine Ursachen bekämpft.
      Gesunde Leute bringen diesen drei Gruppen reichlich wenig.
      Desshalb,gesund leben und auf den Körper hören,denn der meldet sich,
      wenn etwas nicht stimmt.

    • nairb

      und was machst dann, wenn der körper sich meldet?

    • George

      Nun, was soll das. Es wird wiederum eine Struktur für zahlungskräftige Kunden werden. Die Zweiklassen-Gesundheitsverssorgung lässt grüßen. Wo bleibt hier die Ethik? Etwas darin, dass man den Geldbeutel finazkräftigter Patienten ausnutzt um den eigenen Geldbeutel überdimensional zu füllen?

    • iPinktl

      Seis drum. Besser sie öffnen ihre eigene Praxis wo sie Vollzeit arbeiten als das sie diesem Job als Nebentätigkeit in unseren Krankenhäusern nachgehen.

    • onorevole

      Seid ihr jetzt auch wie die Dolomiten und veröffentlicht keine Kommentare mit Hinweisen auf andere Medien? Shame on you!

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Kontakt

    Nach oben scrollen