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    Doppelt gehemmt

    Doppelt gehemmt

    Nicht nur Stau auf der Pustertaler Straße, auch die Züge bringen Pendler zur Verzweiflung: Ausfälle, Verspätungen, Fahrrad-Chaos.

    von Silke Hinterwaldner

    Eine Autofahrt durch das Pustertal wird in diesen Tagen mitunter zum Höllenritt für die Nerven. Nicht selten kommt es zwischen Innichen und der Autobahnausfahrt bei Vahrn zu Stau mit langen Wartezeiten.

    Weil es mit dem Auto schwierig ist, denken sich deshalb besonders weitsichtige Pendler, ist es besser auf den Zug umzusteigen. „Weit gefehlt“, ärgert sich ein Mann aus Kiens, „gerade jetzt spinnen auch die Züge. Das trägt maßgeblich zur Verschlechterung der Situation bei.“

    Das heißt: Derzeit vergehe kein Tag, an dem nicht mehrere Züge in beide Richtungen ausfallen, ohne ersichtlichen Grund. „Mal sind es die vielen Radler“, sagt der Pendler, „mal der Strom, mal die Hitze, mal die Kälte. Dabei sprechen wir von Zügen, die in der Schweiz hergestellt werden.“

    Vor einigen Tagen wartete er erst am Abend vergeblich auf den Zug, zwei an der Zahl waren hintereinander ausgefallen. Tags darauf ist gleich einer der Frühzüge nie angekommen. „Um pünktlich zur Arbeit zu kommen“, sagt der Mann seufzend, „muss man aufs Auto umsteigen und leistet so zum Verkehrschaos auf der Straße einen weiteren Beitrag.“

    Wenn dem Pendler dann noch zu Ohren kommt, dass die Tarife für den öffentlichen Nahverkehr wieder angehoben werden, dann ärgert er sich umso mehr: „Zuerst sollte man versuchen, all diese Probleme in den Griff zu bekommen.“

    Nicht nur auf der Straße herrscht im August Hochbetrieb, auch die Züge durch das Pustertal sind zeitweise gerammelt voll. Viele Radfahrer nutzen den Zug, um einen Teil ihrer Strecke weniger mühsam zurückzulegen. Dazu kommen zahlreiche Touristen, die das Angebot mit der Touristenkarte nutzen oder einfach dem Stau auf der Straße aus dem Weg gehen wollen – und all jene Leute, die das gesamte Jahr über tagtäglich mit dem Zug fahren.

    „Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass es hin und wieder zu Problemen kommt“, sagt Martin Ausserdorfer. Der Bürgermeister von St. Lorenzen fährt selbst oft mit dem Zug zu seiner Arbeitsstelle in Franzensfeste. Aber gerade in den vergangenen Tagen hatte er Glück: Seine Züge hatten kaum Verspätung.

    Außerdorfer ist auch Präsident der Südtiroler Transportstrukturen STA und weist gleich darauf hin, dass ab September bei Kiens Wartungsarbeiten anfallen: Die Eisenbahngesellschaft RFI tauscht die Schienen aus, um den Lärm zu reduzieren. „Eine Verbesserung der Infrastrukturen ist wichtig“, sagt Ausserdorfer, „aber diese Arbeiten bringen sicher lokal wieder einige Beeinträchtigungen mit sich.“

    Im Allgemeinen ist Ausserdorfer ein begeisterter Zugpendler. Große Zuverlässigkeit, großer Komfort und ein großes Angebot an Zügen würden meist für zufriedene Gesichter sorgen. „Unsere Leute“, sagt Martin Ausserdorfer, „jammern auf hohem Niveau.“

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