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Amy, die Geldquelle

Der Dokumentarfilm „Amy – The Girl Behind the Name“ hat eine besondere Qualität: Er bereitet richtigerweise Unbehagen.

von Renate Mumelter

„Ich werde nicht berühmt, meine Musik ist nicht auf diesem Level”, sagte die britische Ausnahmemusikerin  Amy Winehouse schon sehr früh. Sollte sie trotzdem berühmt werden, würde sie vermutlich verrückt, meinte sie damals. Berühmt ist Amy geworden, und sie ist viel zu früh gestorben. Mit 27 war sie tot. Gestorben an den Folgen von Bulimie, Alkohol und Drogen. Angefangen hatte die Tragödie schon in ihrer Kindheit. Die Mutter überfordert und nachgiebig – „Mom, sei doch strenger”, hatte Amy gefordert – der Vater nie da.

Mit 13 bekommt Amy Antidepressiva. Mit 15 erzählt sie von ihrer Bulimie, aber die Mutter nimmt es nicht ernst. Die Tochter zieht aus. Durchaus folgerichtig. Sie liebt Jazz, singt hervorragend, schreibt Texte, in denen sie ihre Erfahrungen verarbeitet, sie wird bekannt, berühmt, weltberühmt. Aber diese Berühmtheit interessiert sie nicht. Sie will musizieren, und sie möchte geliebt werden.

Als Amy gut verdient, wird sie als Geldquelle sehr beliebt, sogar beim Vater, der nie da war. Wirklich geliebt wird sie aber nicht, und das hält sie nicht aus. Sie flieht in Scheinwelten. Die Medien bedienen bereitwillig, was die Welt mit krankhafter Neugier verfolgt: Amy Winehouses menschliche Tragödie. Das Klicken der Fotoapparate wird in Asif Kapadias Dokumentarfilm immer intensiver, das Blitzlichtgewitter immer bedrohlicher. Beim Zuschauen fühlte ich mich immer unbehaglicher, weil ich posthum auch zum Teil dieser gaffenden Menge wurde.

Kapadia erzählt Amys Erfolgs- und Leidengeschichte ausschließlich anhand von Filmmaterial, das er klug montiert. Weil die meisten Leben, nicht nur die prominenten, heutzutage im Video festgehalten werden, war dies möglich. Eine Gesellschaft, die zuschaut.  Der präzise erzählte “Amy” wird dankenswerterweise in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt und führt in den 128 Filmminuten immer näher an diese außergewöhnliche Künstlerin und an das bedauernswerte Mädchen heran.

Amy – The Girl Behind the Name (GB 2015), 128 Min., Regie Asif Kapadia. Bewertung: Präzise, berührend, sehenswert.

DER TRAILER.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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