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    Bischof gegen Kaufleute

    Bischof gegen Kaufleute

    Soll und darf auch am 15. August eingekauft werden? Der Pilotversuch in der Bischofsstadt sorgt für Freude bei den Kaufleuten – und stößt Bischof Ivo Muser sauer auf. 

    Von den jüngsten Vorstößen der Handelsverbände, auch am Ferragosto-Wochenende Shopping-Begeisterte mit offenen Geschäften in die Innenstädte zu locken, scheint Bischof Ivo Muser nicht zu behagen.

    In einer schriftlichen Stellungnahme beschwert sich die Diözese über „Profitbesessenheit und Leistungsorientierung“ – und richtet eine innige Bitte an „alle Kaufleute, an die politisch Verantwortlichen und nicht zuletzt an jeden und jede von uns.“

    Die Stellungnahme im Wortlaut:

    In seiner Generalaudienz vom 12. August 2015 sagte Papst Franziskus: „Wir dürfen keine Sklaven der Arbeit sein. Die Profitbesessenheit und Leistungsorientierung gefährden heute oft den Rhythmus des menschlichen Lebens. Die Zeit der Erholung, vor allem am Sonntag, dient unserem Wohl. Sie darf ihrerseits nicht durch die Ideologie des Konsums zu einem Geschäft verkommen, so dass uns der Drang zu konsumieren am Ende müder zurücklässt als vorher. Die Zeit des Festes ist heilig, weil in ihr Gott auf besondere Weise wohnt.“

    Schon seit Jahren erfolgt eine schleichende und zunehmend unwidersprochene Aushöhlung und Abwertung unserer Sonntags- und Feiertagskultur. Die Diskussion um offene Geschäfte am 15. August, dem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, veranlasst mich erneut zu einer Bitte, die ich an alle Kaufleute, an die politisch Verantwortlichen und nicht zuletzt an jeden und jede von uns richte:

    Aus tiefer Überzeugung bitte ich um einen klaren und entschiedenen Einsatz für die „Zeit des Festes“ (Papst Franziskus), weil der Sonntag und unsere Festtage, die befreit sind von allen nicht notwendigen Arbeiten, einen unschätzbaren Wert darstellen, den es wieder zu entdecken und zu schützen gilt – auch gegen Widerstände und Privatinteressen – und der der gesamten Gesellschaft zum Vorteil gereicht. Wir brauchen den Sonntag und unsere Festtage mit ihren sozialen, familiären, kulturellen und religiösen Chancen!

    Wir Menschen brauchen mehr und sind mehr als Konsum, klingende Kassen, Hektik und pausenlose Betriebsamkeit. Der Mensch darf sich nicht selbst reduzieren auf das Tun, auf das Leisten, auf das Konsumieren und auf das Haben. Wir brauchen auch mehr als individuelle, private Freizeit. Durch den öffentlichen Schutz unserer Sonn- und Feiertage gewinnen und verdienen wir letztlich alle!

    In meinem ersten Hirtenbrief zur Fastenzeit 2012 habe ich geschrieben: „Alle Zeiten dem Profit und dem Konsum zu unterwerfen, das ist die wirkliche Untergrabung von religiösen Möglichkeiten. Ich halte es für eine vorrangige Aufgabe der Kirche heute, für das einzutreten, was keinen Profit bringt: für die heilige Zeit, für unsere Festtage, und allem voran für den Sonntag.“

    Mein aufrichtiger Dank gilt allen, die gegen den Strom schwimmen und auch bewusst Nein sagen zu dieser Entwicklung, weil es uns um ein Ja geht: Ja zum Menschen, zur Familie, zur Gemeinschaft, zur Schöpfung, zu unserer Kultur und zu unserer Glaubensüberzeugung.

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