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    „Das geht schnell ins Geld“

    „Das geht schnell ins Geld“

    Mehr als eine halbe Million Euro haben die Landtagskandidaten vor zwei Jahren insgesamt für ihren Wahlkampf ausgegeben. Die TAGESZEITUNG hat sich umgehört: Hat sich die Eigenwerbung gelohnt – oder war die Demokratie teurer als gedacht?

    Landesrätin Waltraud Deeg

    Waltraud Deeg

    Waltraud Deeg (SVP) 39.706 Euro

    Ich habe mir von Anfang an Überlegungen über das Limit gemacht, in dem ich mich bewegen kann. Wenn man einen halbwegs professionellen Wahlkampf führen will, keine Lobby hinter einem steht und man keine wesentliche Parteifunktion innehat – muss man gewisse Summen in den Wahlkampf investieren. Ich hatte einen persönlichen Flyer, habe einige Annoncen geschaltet und ein Schreiben verfasst, das an mehrere Südtiroler Haushalte ging – und dann gab es noch ein Spiel mit dem Namen „Wally will’s wissen.“ Ich stehe mit meinen Spesen, für die ich selber aufgekommen bin, zwar an der Spitze der Liste – überdimensional bemessen finde ich sie aber nicht.

     

    LR Philipp Achammer

    Philipp Achammer

    Philipp Achammer (SVP) 39.703 Euro

    Ich war selbst darüber erstaunt, wie schnell derartige Beträge zusammenkommen, auch weil ich ja ein Landtags-„Neuling“ war. Ein Teil der Spesen ging auf meine Kappe, ein anderer Teil kam durch Bezirke zusammen und dadurch, dass ich Teil der Jungen Generation war. Ausgegeben habe ich das Geld für die Wahlwerbung für ein Büro in Brixen, eine Aussendung an Südtirols junge Leute, die mit Postspesen schon über 5.000 Euro kostete – und noch einmal 5.000 Euro gingen alleine für die Visitenkarten drauf.

     

    Ulli Mair

    Ulli Mair

    Ulli Mair (Freiheitliche) 2.850 Euro

    Ich habe gemeinsam mit Pius Leitner Münzen für die Einkaufswägen machen lassen. Die kosteten rund 5.700 Euro, ich habe die Hälfte davon bezahlt, mehr war da nicht. Einzelinserate oder Einzelplakate habe ich nie gemacht, wir haben immer einen Gruppenwahlkampf gemacht – jedenfalls bis zur letzten Wahl. Unsere Stärke war immer die Gruppe, ich könnte mir nie vorstellen, 40.000 Euro in einen Wahlkampf zu investieren. Ich war aber auch immer in der Position eines Zugpferds, da hatte ich es leichter als die Newcomer. Mal schauen wie sich das in Zukunft entwickelt: Den inneren Konkurrenzkampf, den es in der SVP schon immer gegeben hat, sehen wir bei uns erst seit kurzem.

     

    LR Arnold Schuler

    Arnold Schuler

    Arnold Schuler (SVP) 32.437,16 Euro

    Habe ich alles selber bezahlt? Sowieso, Sponsor hatte ich keinen (lacht). Das Geld habe ich für mehrere Karten, die ich verteilt habe, ausgegeben, für ein paar Inserate und ein Schreiben für die Landwirtschaftsbetriebe. Aber wenn man, gerade als SVPler, landesweit Stimmen braucht, geht das schnell ins Geld – schneller als man manchmal meint. Aber es hat sich auch gezeigt, dass untereinander die Konkurrenz groß ist. Ich habe damals im Landtag schon argumentiert, dass ich die 40.000-Euro-Grenze für keine gute Lösung halte – aber da ein gerechtes System zu finden, ist schwierig. Aber immerhin gibt es die Deckelung: Früher hat man in der SVP oft den Fehler gemacht, sich gegenseitig in windige Höhen zu treiben, da gingen die Angebote plötzlich durch die Decke. Letztes Mal wurde wesentlich weniger ausgegeben als noch zuvor.

     

    Andreas Pöder

    Andreas Pöder

    Andreas Pöder (BürgerUnion) 17.452 Euro

    Ich habe meine Mitkandidaten immer in meine Wahlwerbung mit eingebaut, im Prinzip ist es also so, als hätte die Partei die Werbung gemacht. Ich habe es dennoch ehrlicherweise in meine Spesen aufgenommen, weil ich die Werbung persönlich gezahlt habe. Der größte Spesenpunkt waren sicher die landesweiten Aussendungen in alle Haushalte, damit kommt man auf gut 8.000 Euro Postspesen, dazu kamen dann noch Visitenkarten und eine Radiowerbung. Vergleicht man die Ausgaben mit meinen Vorzugsstimmen, schaut die Bilanz tatsächlich weniger gut aus – vergleicht man es mit der ganzen Gruppe, ist es nicht so schlimm. Es gab einmal eine politische Faustregel: Sogar mit 100.000 erreichten Haushalten bewegt man nur ein Prozent der Wähler dazu, ihre Stimme jemand anderem zu geben. Wir wollten die Leute zumindest daran erinnern, dass es uns noch gibt – aber so dezent, wie wir geworben haben, hätten wir es vielleicht auch ganz bleiben lassen können.

    Umfrage: Anton Rainer

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