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    Trenkers Wahrheiten

    „Wenn wir ganz nach oben wollen, müssen wir sie alle kriegen“, sagt Luis Trenker in Murnbergers TV-Spielfilm. Bozen-Premiere ist Ende August im Filmclub.

    von Renate Mumelter

    1948 hatte Luis Trenker seine besten Filme schon gedreht. Jetzt versuchte er von ihm erfundene  Tagebücher der Hitlergefährtin Eva Braun zu Geld zu machen. Der Deal klappte nicht. Trenker stand als Schwindler da. Das beeindruckte ihn aber nicht weiter.

    Mit dieser Episode steigen Drehbuchautor Peter Probst und Regisseur Wolfgang Murnberger in den TV-Spielfilm “Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit” ein. Auf dem schmalen Grat der Wahrheit war der Bergführer Luis Trenker wenig trittsicher, rutschte immer wieder ab.

    Murnbergers Film erzählt unangenehme Wahrheiten über den Entertainer, der sich selbstbewusst vom Bergführer zum Schauspieler und schließlich zum Regisseur entwickelt hatte und der es verstand, die Fähigkeiten seines Umfelds zu nutzen. Politisch lavierte Trenker nach Bedarf und ohne Scheu zwischen den Faschsismen hin und her. Ein kreativer Opportunist – was in Südtirol ungern zur Kenntnis genommen wird.

    Einen Expressionisten nannte Tobias Moretti den echten Luis Trenker anlässlich der Bozner Filmtage im April. Er hat sich intensiv mit Trenker befasst und wollte seine Rolle in diesem Sinne anlegen. Moretti macht Trenker wieder lebendig und das nicht nur wegen der markanten Gesichtszüge und der körperlichen Ähnlichkeiten. Wer das Orginal einmal live erlebt hat, kann dies bestätigen. Die großartigste Szene steht am Ende des Films, als der ergraute Moretti als gealterter Trenker in seinem Arbeitszimmer vor der Kamera die üblichen Geschichten zum Besten gibt, ganz nach dem Motto “Alles ist noch einmal gut ausgegangen”. Ein Genuss. Murnberger ist in seinem Film präzise, böse, sanft und umsichtig, schaut in den Norden und nach Süden. Evi Romens Schnitt sorgt für eine gelungene Verflechtung der Ebenen. Produziert wurde von der aus Bruneck stammenden Annie Brunner (Roxy Film), mitfinanziert von der BLS, und in der Rolle von Trenkers Gattin Hilda ist die Boznerin Barbara Romaner zu sehen. Eine TV-Arbeit, die auch im Kino funktioniert. A propos: Das Erzählte hält sich an die Fakten.

    Luis Trenker – der schmale Grat der Wahrheit, (D, 2015), 90 Min., Regie: Wolfgang Murnberger, Schnitt: Evi Romen, mit: Tobias Moretti, Barbara Romaner, Brigitte Hobmaier. Bewertung: Sehenswert 

    DER TRAILER.

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    Kommentare (3)

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    • schorsch

      Den Trenker stufe ich als politisch gnadenlosen Opportunisten ein, mit starker Tendenz zum Nazismus/Faschismus.
      Das Einzige, was mich stark bei Trenker beeindruckte, war sein 1938 erschienenes Erlebnisbuch „Sperrfort Rocca Alta“, wo er authentisch Selbsterlebtes niederschrieb. Diese Ereignisse wurden von anderen Überlebenden bestätigt und sind deshalb wahr.
      Sonst hielt es der Luis mit der Wahrheit nicht so genau.

    • Frage?

      L.T. ein Nazi, wie eben viele Mitläufer dieser Zeit!

      Er war nicht ein Wendehals, er war ein WENDEPROPELLER……….

      • Armin

        Wer ist von den Mächtigen und Einflussreichen hierzulande kein Wendehals?Wenn man das nicht gewesen wäre hätten sie einen schon „abgesagelt“ und man wäre in Amerika gelandet.
        Für die Enkel und Urenkel ist es heutzutage leicht zu kritisieren aus ihrer sicheren Position heraus

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