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Schatzküssten

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In einem Schulbuch will der Abgeordnete Alessandro Urzí schwule Piraten ausgemacht haben – und beschwert sich darüber in einer Landtagsanfrage. Eine skurrile Polit-Posse.

Von Anton Rainer

Frauen an Bord bringen meistens Unglück, das wissen Seefahrer, Matrosen – und natürlich auch Piraten. Nicht darüber informiert ist Alessandro Urzí, der es in einer Landtagsanfrage genau wissen wollte:

Warum, so der Abgeordnete, zeige das Land in einem in Schulen verwendeten Lehrbuch ein Bild von „zwei Piraten mit einem kleinen Kind in einem Einkaufswagen, während sie im Supermarkt einkaufen“? Na hoffentlich nicht, weil sie es kaufen wollen.

„Diese Bilder sind eindeutig“, meint Urzí – und hat bereits eine Erklärung für den Augenklappen-Skandal gefunden: „Die Botschaft lautet: Es gibt kein natürliches Modell der Familie, man kann Kindern einfach ein anderes aufzwingen.“ So wie das Piraten eben machen. Immerhin 11.000 Dublonen hat das Land für „Alla Scoperta della Costituzione“ ausgegeben, jenes Buch, das Urzí der manipulativen Gender-Gehirnwäsche bezichtigt – mehr als 1.500 Kopien hat man in Grund- und Mittelschulen verteilt.

Müssen die zuständigen Landesräte für diesen Ankauf kielgeholt werden? Nein, so die Antwort von Philipp Achammer, Christian Tommasini und Florian Mussner, die Darstellungen seien schließlich komplett unbedenklich.

„Die Abbildung der beiden Piraten, die mit einem Kind im Einkaufswagen ihren Einkauf machen“, erklärt beispielsweise Seeräuberhauptmann Tommasini, „will überhaupt kein Familienmodell suggerieren oder empfehlen.“ Die Abbildung zeige lediglich eine „mögliche Situation, die in unserer Gesellschaft und bei Kindern, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht in einer ‚traditionellen’ Familie aufwachsen“ vorkomme.

Kapitän Achammer hingegen fühlt sich in erster Linie nicht zuständig, da das Buch lediglich an italienischen Schulen verteilt wurde. Der Schullandesrat kommuniziert nüchtern: „Das Ressort für deutsche Schule ist gegen jede Form der Diskriminierung, auch gegen die Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierungen.“

Matrose Mussner schlägt zumindest anfangs in eine ähnliche Kerbe: „Es ist mir nicht bekannt, dass „relativierende“, die „Gender“-Ideologie aufdrückende Bücher in den ladinischen Kindergärten und Volksschulen verwendet würden.“ Heißt: Mussner ist für Meutereien nicht zu haben.

Dann aber besinnt sich der Landesrat auf eine Südtiroler Grundregel – Ob nun Homo-Paar oder Piraten-Gemeinschaft: „Was uns betrifft, respektieren wir das Familienbild, das aufgrund unserer kulturellen und sozialen Tradition vorgesehen ist.“ Zu weit segeln ist auch ungesund.

 

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