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Die Penser Tragödie

 

Jessica Unterkofler (+) - Foto: Facebook

Jessica Unterkofler (+) – Foto: Facebook

Eine junge Frau, die mit einem Bekannten auf einer Motorradtour mitfährt und dabei (wie er) stirbt. Der tragische Tod von Jessica Unterkofler und Simon Planer am Sonntag auf der Penserjochstraße und der Schock der Zurückgebliebenen.

von Thomas Vikoler

Frauen fahren heutzutage auch schwere Motorräder. Doch meistens sitzen sie hinten und halten sich fest. Mitfahren bedeutet, den Gefahren doppelt ausgeliefert sein. Es gibt keine Möglichkeit, das Geschehen zu beeinflussen, wie es der Fahrer tun kann. Oder zu tun glaubt.

Jessica Unterkofler, 22, saß am Sonntagnachmittag hinten auf einer schweren Suzuki-Maschine und hielt sich an Simon Planer, 38, dem Fahrer, fest.

Weil alles so schnell ging (der Fahrer versuchte einer Gruppe von drei vorausfahrenden Motorrädern zu folgen und war gerade beim Überholen), hat die Beifahrerin vor ihrem Tod wohl keine Schrecksekunden erleben müssen.

Die Suzuki prallte mit hoher Geschwindigkeit frontal gegen einen entgegenkommenden Ford Fiesta mit niederländischem Kennzeichen.

Einzelne Teile des Motorrades wurden später von den örtlichen Feuerwehren in mehr als 50 Meter Entfernung des Unfallortes an der Penserjochstraße bei Aberstückel eingesammelt.

Simon Planer, 38, aus Seis, dem bei dem Aufprall ein Fuß abgetrennt wurde, und Jessica Unterkofler, die bei ihren Eltern in St. Konstantin bei Völs wohnte, waren auf der Stelle tot.

Die vier Insassen des Ford Focus werden zum Teil verletzt, sind aber außer Lebensgefahr. Beim Anblick des Autowracks mutet das wie ein Wunder an.

Dieser fürchterliche Unfall rüttelt die Gemüter, zumindest kurzzeitig, auf. Die Motorrad-Toten sind diesmal nicht unbekannte Biker aus dem Ausland, sondern junge Südtiroler. Darunter eine junge Frau, die eigentlich mit Motorrädern nicht viel am Hut hatte. Von der alle, die mit ihr zu tun hatten, in höchsten Tönen reden. Die ihre Eltern und eine jüngere Schwester hinterlässt.

„Wir sind alle geschockt, wir können es nicht glauben“, sagt Andreas Rungger, Leiter der Sektion Seis des Weißen Kreuzes. Er beschreibt Jessica Unterkofler als „sehr sympathisch und einsatzbereit“.

Eine junge Frau, die es innerhalb von drei Jahren schaffte, beim Weißen Kreuz zur stellvertretenden Gruppenleiterin, Sanitäterin und Chauffeurin zu werden. „Sie hatte großen Weitblick, für sie war das mehr als eine Freizeitbeschäftigung“, erzählt Sektionsleiter Rungger.

Jessica besuchte die Krankenpflegerschule Claudiana in Bozen.

Auch hier ist die Bereitschaft, anderen Menschen beizustehen, Voraussetzung.

Und dann das Engagement der 22-Jährigen in den Vereinen von Völs: Marketenderin bei der Musikkapelle sowie Mitglied bei der Bauernjugend, obwohl sie aus keiner Bauernfamilie stammt.

Ihr Vater ist Tischler.

Auch Simon Planer, der Lenker des Todesmotorrades, war im Vereinsleben tätig: Sänger beim Pfarrchor und beim Männerchor Seis. Sein großes Hobby, das verrät seine Facebook-Seite, war das Motorradfahren: Reisen mit den Biker-Freunden nach Korsika, Besuch auf der Motorradmesse in Verona.

Simon und Jessica waren kein Paar, die junge Frau aus Völs ließ sich von dem Bekannten offenbar zu einer Spritztour mit dem Motorrad überreden.

Für sie kam nach dem Crash auf der Penserjochstraße jede Hilfe zu spät, sie waren auf der Stelle tot.

Die Unfalldynamik ist weitgehend geklärt, die Staatsanwaltschaft wird kein Ermittlungsverfahren einleiten.

LESEN SIE AM DIENSTAG IN DER PRINT-AUSGABE:

* Was der Verkehrspsychologe zu den Ursachen die vielen tödlichen Motorradunfälle sagt

* Und: Sind Kampagne wie „No Credit“ für die Katz?

 

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