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    „Wir sind trendy“

    Der Abgeordnete Florian Kronbichler verteidigt die Grünen: Sie seien keine hinterwäldlerischen Nein-Sager – und müssten jetzt auch  keine Schuldgefühle haben.

    Die Abstimmung zum Benko-Projekt – und die Nachwehen.

    Auf Facebook nimmt jetzt der Abgeordnete Florian Kronbichler Stellung – und erteilt jenen Grünen, die jetzt ein schlechtes Gewissen haben, ein Absolution.

    Kronbichler schreibt:

    „Das Gewinsel war zu erwarten. Bozen hat gegen Benko gestimmt, die Stadt wird jetzt „stehen bleiben“, den Anschluss an den Fortschritt verpassen, die Konkurrenz mit Trient und Innsbruck verlieren, schlimmer noch: Sie wird absacken zu einem Provinz-Bronx, wird verelenden, die Bahnhofgegend wird vergammeln, und alles ist Schuld ihrer verfetteten, faulen, visionslosen und ideologisierten Neinsager.

    Wir kennen diese Panikmache alle. Geschäftemacher haben zu allen Zeiten ihre Geschäfte „zum Wohle des Volkes“ gemacht (in vordemokratischen Zeiten auch noch ,zur größeren Ehre Gottes‘). Dem Eigeninteresse kam es indirekt zugute, gewissermaßen als notwendiger Nebeneffekt – denn würde er keinen Profit machen, könnte der Gönner ja nicht weiterhin Gutes tun.

    So hörten wir es auch von Benko und besonders deutlich von seinem Lautsprecher Hager: ,Etwas für Bozen tun. Bozen nach vorn bringen.‘ Sie wollten unser Bestes. Wir aber sagten: Wir geben es euch nicht.
    Jetzt sind sie beleidigt. Vielleicht rächen sie sich, vielleicht schmeißen sie hin, wahrscheinlich aber versuchen sie es noch einmal. Um es in ihrem Sprachgebrauch zu sagen: Sie werden uns eine zweite Chance geben wollen.

    Ach, das Gewinsel von der selbstschädigenden Fortschrittsverweigerung Bozens!

    Die Stadt – und fürs Land gilt das Gleiche – beide, Bozen wie Südtirol sind seit bald 20 Jahren Spitzenreiter (einmal erster, einmal unter den Ersten) aller Lebensqualitäts- und auch Einkommens-Rangordnungen Italiens. Gehören zu den reichsten Städten, bzw. Regionen nicht nur Italiens, sondern Europas. Und diese Stadt – und im Land ist’s nicht anders – lebt in Geiselhaft von Nein-Sagern. Nichts geht mehr, heißt es. Bozen bringe sich um seine Zukunft.

    Es klingt wie ein Widerspruch, und ist doch logisch. Wer uns Schuldgefühle einreden will, sind die Ideologen des grenzenlosen Wachstums. Des immer-höher, immer schneller, immer mächtiger. Wir wollen das nicht. Und? Sind wir deswegen dumm, faul, zu gemütlich? Geht’s uns schon zu lang zu gut? Mit solchen Vorhaltungen kommt man uns nämlich.

    Wir sind aber selbstbewusst. Für uns gibt’s noch ein Genug-ist-genug.

    Nicht wir Bozner allein sind so hinterwäldlerische, unverantwortliche, wirklichkeitsfremde Nein-Sager. Und wir sind damit in guter Gesellschaft. In allen Wohlstandsstädten Europas stehen Menschen auf und sagen: genug ist genug.

    Nehmen wir München her: Dort sagten sie in den letzten Jahren Nein zu Hochhäusern, Nein zu Olympischen Spielen, Nein zur Hochgeschwindigkeitsstrecke – und auch den Münchnern wurde vor jeder Volksabstimmung mit dem Rückfall in die Provinzialität gedroht. Vergebens. München lässt sich nicht zwangsfortschrittbeglücken. So wie Bozen auch nicht. Wir sind trendy.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (30)

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    • resi

      So ein schmarrn. dass trends kurzlebig sind, weiss der herr kronbichler sicher auch.

      • George

        @resi
        Ihre Zeilen sind ein totaler Topfen. Ihr lebt wohl alle (fast alle ) im Kaufhausrausch und dies meist ohne Geld in der Tasche. Andere Städte sind in dieser Hinsicht inzwischen sehr vorsichtig geworden. In Bozen und in Südtirol allgemein kann man auch so alles kaufen, was zum Leben notwendig ist. Dazu braucht es dieses zusätzliche Kaufhaus gar nichts um euch, die ihr sowieso immer wegen zu geringem Lebensauskommen jammert, noch zustäzliches Geld aus der Tasche zu locken. 😀 😀

    • dana

      Viele Bürger müssen unter dem Mega – Wachstum der Unersättlichen leiden.

    • THEMA

      Er und seine paar Freunde glauben wie alle Ideologisierten, alleine die Wahrheit gepachtet zu haben.
      Deswegen sind sie ununterbrochen unterwegs dem Nächsten zu verordnen wie er leben soll.
      Nur hatten wir das alles schon, die Kirche, die Kommunisten, die Faschisten, alle haben zum Wohl
      des Volkes die Freiheit, die Unternehmer, die Erneuerer als Teufel betrachtet, da sie nicht sich ihrem
      ideologischen Schmarrn angepasst haben. Heute sind noch ein paar Kronbichler und sonstige Hanseln im verschnarchten Bozen ürbriggeblieben. Sie trauern der Postkutschenzeit nach und sind gegen jedes liberale Denken und Fortschritt. Anstatt sich um die Probleme der Leute zu kümmern, hohe Mieten, Arbeitsplätze, Lebenskosten, spielen Sie Politik auf Kosten der Mitbürger.

    • haimo staffler

      Bozen – München oder Bozen – Münchhausen?? War sicher ein Fehler der Redaktion.

    • Mike

      mein lieber Flo, dieses Kuhdorf Bozen mit der Weltstadt München zu vergleichen ist wirklich das Letzte!
      Was heute in München trendy ist kommt frühestens in 20 Jahren bei uns an.
      Wenn wir uns heute angeblich mit den besten Regionen Europas messen können, liegt es wohl auch daran, dass wir einen Landesfürsten aus Pfalzen hatten, der gesagt hat wo es langgeht.
      Die heutige Situation haben wir den tüchtigen Unternehmern und Arbeitnehmern zu verdanken und nicht den Möchtegern Politikern die noch nie einen Vogel vom Zaun gejagt haben.

    • Ach Flor...

      Genug ist genug! Ja, das stimmt! Nämlich immer nur alles mies machen und selber nichts zustande bringen im Leben! Immer nur auf Kosten anderer leben und denen dann auch noch das Leben schwer machen! Ja, Flor – genug ist genug! Es reicht!!!

    • Niculin

      Dass ein privater Unternehmer (Benko) sich so in die politische Meinungsbildung einer Stadt einmischt und zumindest kurios, wenn nicht gefährlich.
      Daher ist es sehr gut und wichtig, dass der Gemeinderat Bozen ein Nein ausgesprochen hat. Es ist ein Selbstschutz der demokratischen Strukturen der Stadt.

      • Franz Xaver

        haha das ist eine Regierung… kenne keine fähigen Politiker oder ist Bozen so innovativ, sauber, kulurträchtig,
        da schaue man sich mal die Verkehrslösungen an, Respekt

    • Sarah

      Was Kronbichler hier schreibt, kommt mir einer „sich selber etwas vormachen-Sichtweise“ gleich. Er behauptet dass WIR uns gegen das Benko Projekt entschieden hätten. Wer sind WIR? Alle Südtiroler? Ganz bestimmt nicht! WIR aus meinem Freundeskreis hätten gern ein neues, modernes Kaufhaus, statt dem versifften Bahnhofsviertel gesehen. Denn wenn WIR so fortschrittlich wären, wie es Herr Kronbichler darstellt, warum fahren WIR denn dann nach Innsbruck um unsere Großeinkäufe zu erledigen? Wenn WIR fortschrittlich wären, warum hat Innsbruck innerhalb von drei Jahren einen komplett neuen Bahnhof inklusive Busbahnhof, Bahnhofsvorplatz und Bahnhofshotel aus dem Boden gestampft? WIR aber nicht? Warum wurde in Innsbruck die Universitätsbibliothek, die zugleich Landesbibliothek ist, aufwändig umgebaut und zu einem modernen Bibliothekszentrum umgestaltet? In Bozen – nichts passiert! Warum wurden in Innsbruck drei zusätzliche Großkaufhäuser zu den bestehenden (DEZ, Sillpark, Cyta in Völs) gebaut? In Bozen – WIR wissen Bescheid und bleiben trendy! Mehr zu lesen unter http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=24293
      Und DAS ist nur ein „untrendyger“ Vergleich mit Innsbruck …. Dass WIR uns mit München vergleichen, das wäre so als ob sich Syrien mit Norwegen vergleichen würde! Einfach nur lächerlich!!

    • vinschger

      Vo mir aus sollatn des die bozner bürger mit a referundum entscheidn… I wear decht in zukunft mei geld aussibrengn, obr fir dr stodt und fir dr umgebung selbr wars lai a nutzn und koan schodn…. Do durch den park durchgean isch jo a zuamutung. Des isch s gleiche wia s mcdonalds af meran, und wias friar ghoassn hot firn spielcasino in meran… Die walsche, a di dosige brengn holt s geld aussi, suscht bliebats do…. Schod, obr insr kirchturmdenkn öfnet leidr koane horrizonte.

    • HORST

      Ich unterstreiche die Aussage von Herrn Kronbichler. Fortschritt bedeutet bereits bestehende Strukturen auf lange Sicht hin zu optimieren, etwa durch neuen Technologien und nicht über noch mehr Konsum. Dies ist eine globale Herausforderung. Den Planeten immer weniger ausbeuten und bereits verwendete Ressourcen optimal zu nutzen. Hier muss Europa mit gutem Beispiel vorangehen.

    • Bozner

      „…die Bahnhofgegend wird vergammeln, ..“ Das Bahnhofsareal doch ist schon seit über 20 Jahren vergammelt !!! So eine Aussage ist so typisch für Leute wie Herr Kronbichler, welche wahrscheinlich noch nie dort waren aber dazu immer was zu sagen haben.

    • Garuda

      Seit wann ist die absolute Dummheit trendy?

      Vielleicht seit sie den Namen Grüne trägt?

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