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    „Nein zum Straßentunnel“

    „Nein zum Straßentunnel“

    Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz appelliert an den Landeshauptmann, das Einvernehmensprotokoll zum Straßentunnel unterhalb des Stilfser Jochs nicht zu unterzeichnen.

    Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz appelliert an den Landeshauptmann, das Einvernehmensprotokoll zum Straßentunnel unterhalb des Stilfser Jochs nicht zu unterzeichnen.

    In einem offenen Brief heißt es:

    „Sehr geehrter Landeshauptmann,
    am Freitag werden Sie mit dem Präsidenten der Region Lombardei ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnen, welches  auch den Passus zur Realisierung eines Straßentunnels unterhalb des Stilfser Joches zur ganzjährigen Verbindung des oberen Vinschgaues mit dem Veltlin enthält. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz ersuchen Sie dringlichst, diesen Punkt bei der Unterzeichnung auszuklammern. Die beiden Organisationen sprechen sich nicht gegen eine Verbindung der beiden Alpentäler aus. Eine Tunnellösung für den Straßenverkehr lehnen wir jedoch aus mehreren Gründen ab:
    ,Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.‘

    Gerade für den Vinschgau ist ein Anstieg des Straßenverkehrs und insbesondere des Transitverkehrs als äußerst negativ zu beurteilen. Lokale Wirtschaft, Tourismus und Landwirtschaft würden nicht profitieren, die lokale Bevölkerung durch Lärm, Abgase und erhöhtes Verkehrsaufkommen unnötig belastet.

    Ein Straßendurchstrich unter dem Stilfser Joch bedeutet ein Wiederaufleben des Ulm-Mailand-Projektes. Insbesondere für den alpenquerenden Schwerverkehr wäre eine solche Route plötzlich interessant. Ein enormer Anstieg des Schwerverkehrs im oberen Vinschgau wäre die katastrophale Folge.

    Dabei gibt es Mobilitätslösungen, die sich für den betroffenen Raum durchaus anbieten und neben kurzfristigen Investitionsvorteilen auch langfristig positive Auswirkungen auf den Lebens- und Wirtschaftsraum Vinschgau und darüber hinaus haben können:

    Der überwältigende Erfolg der Vinschger Bahn gibt im Prinzip schon die Richtung der Mobilitätsentwicklung vor. Eine Verbindung nach Bormio sollte nur mittels Schiene erfolgen, wobei die Frage nach der Anbindung an das bestehende Schienennetz im Vinschgau zu klären ist.
    Für eine sinnvolle Realisierung einer Schienenverbindung ins Veltlin muss auf südlicher Seite jedoch parallel dazu die Bahn-Achse Tirano-Bormio ausgebaut werden, ohne die eine Verbindung ins Veltlin ohnehin wenig Sinn ergäbe.

    Prioritär für den Vinschgau und für Südtirol ist und bleibt aber die direkte Anbindung an die Rhätische Bahn. Diese Verbindung wäre ein Quantensprung in der Erreichbarkeit Südtirols mit einer direkten Bahnanbindung an die gesamte Schweiz, einem überaus Bahn-affinen Land und einem interessanten, kapitalstarken, touristischen Markt für Südtirol.
    Darüber hinaus wäre durch eine solche Verbindung plötzlich Westeuropa mit attraktiven Fahrtzeiten zu erreichen. Paris und Frankfurt in jeweils sieben Stunden, um nur zwei Beispiele zu nennen.

    In diesem Sektor liegt die zukünftige Erreichbarkeit Südtirols.

    Bevor jedoch Entscheidungen auf politischer Ebene, auch in Form eines Einvernehmensprotokolls, getroffen werden, ist nach unserem Dafürhalten jedenfalls die Bevölkerung im Vorfeld transparent, detailliert und ausgewogen über das Projekt sowie dessen Vor- und Nachteile zu informieren. Unerlässlich ist es, diese in den Entscheidungsprozess mit einzubinden. Daher ersuchen die schreibenden Verbände Sie mit Nachdruck auf eine einstweilige Streichung des Straßentunnel-Projektes aus dem Einvernehmensprotokoll und die gleichzeitige Lancierung eines partizipativen Prozesses zur Entwicklung der besten Mobilitätslösungen für den Vinschgau und mit den Vinschgern.“

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    Kommentare (6)

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    • Einereiner

      Besser einen Tunnel von St. Johann ins Zillertal mit nur zwei Fahrspuren. Dieser würde den Ahrntalern auf dem Weg nach München und Innsbruck die Runde über Brixen und Brenner ersparen. Und die Zillertaler Urlauber im Pustertal müssten auch nicht die große Runde machen.

    • PROTUNNEL

      Ich teile die Meinung der Umweltgruppe nicht, dies obwohl ich mich selbst als „grüner“ bezeichne.
      1. Am Wochenende ist der Durchfahrtsverkehr bereits so stark, dass die Staatsstrasse so gut wie zu ist von Schlanders bis Meran, bei einem Unfall geht dann gar nichts mehr. Vielen Dank auch an die netten Traktorfahrer, die nur an sich denken und nicht die kleinen Landwege fahren sondern lieber alle noch ausbremse. Bei diesem Szenario ist eine alternative Ausweichroute dann für alle Touristen oder auch Geschäftsleute sicher willkommen, der Stau und die Umwelt werden entlastet, denn die Abgase Km langer stehender Autokolonnen sind schlimmer als jene von Fahrzeugen in Bewegung. Ausserdem kämen dann auch Rettung, Feuerwehr und Polizei schneller von A nach B.
      2. Wer zwischen Prad und Trafoi wohnt kennt das Problem: was da jedes Wochenende an Motorädern, Fahrrädern, Cabrios, Sportwagen etc. die 48 Kehren der Passstrasse hochfahren ist kaum in Worten zu beschreiben: ein Albtraum für all die jenigen, die sich entlang der Strecke bewegen müssen. Eine bessere verkehrstechnische Infrastruktur wäre hier sehr, sehr hilfsreich.
      3. Rein politisch und kulturell betrachtet hat dieses Projekt eine bedeutsame Wichtigkeit, gibt es ja noch speziell auf unserer südtiroler Seite noch so viele in der Vergangenheit lebende und immer noch hetzenden „Walschhasser“: diese „Tunnelbrücke“ würde verbinden statt trennen, und würde den Radikalkonservativen aufzeigen, dass Südtiroler und Italiener mehr Gemeinsamkeiten statt Differenzen haben. Der Mensch ist immer noch der wichtigste Teil der Umwelt, somit sollte der Dachverband im Sinne seiner Glaubwürdigkeit und Seriosität dies auch bei seinen Statements bedenken.

      In diesem Sinne…wer Brücken baut bringt Menschen zusammen…

    • Yannis

      @PROTUNNEL

      wir leben im Jahre 2015 und deshalb absolut richtig !!

    • Peter.g

      Das Geld sollte in den Ausbau der Vinschgerstrasse investiert werden, denn so kann es im Tal nicht weitergehen. Die gebauten Kreisverkehre Beispiel Schlanders stauen mehr als sie den Verkehr flüssiger gestalten.
      Aber eine Frage der Zeit bis Alles kollabiert und kein Weiterkommen mehr ist.
      Viele wollen die MEBO nicht aber keiner kann sich mehr vorstellen wie es ohne sie wäre.

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