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    Bunte Landschaft

    Bildschirmfoto 2015-07-20 um 13.54.38In Südtirol gibt es rund 200 Selbsthilfegruppe. Die Hilfe läuft in diesen Gruppen ohne jeden Papierkram und ohne viel Tamtam ab.

    Jeder kennt das vielleicht von Krankenkassen und Ämtern:

    Wer Hilfe benötigt, muss erst einmal einen Antrag einreichen und ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dann wird das Ganze geprüft. Bis zur Bewilligung kann es wochenlang dauern.

    In der Selbsthilfe ist das anders. Hier gibt es keine Formulare, die ausgefüllt werden müssen. Neulinge sind jederzeit willkommen – und das ohne jeden Papierkram. Sie müssen keinerlei Voraussetzungen erfüllen, können einfach vorbeikommen. In der Selbsthilfe helfen sich Menschen selbstverständlich, ohne viel Tamtam und es kostet nichts. Dabei wird geredet, aber nicht nur. Und nebenbei wird auch das Gesundheits- und Sozialsystem entlastet, so der Dachverband für Gesundheit und Soziales am Montag in einer Aussendung.

    „Selbsthilfe bedeutet, gemeinsam zu lernen, besser klarzukommen. Mit einem Problem, mit einer Krankheit, mit dem Leben“, erklärt Julia Kaufmann von der Dienststelle für Selbsthilfegruppen im Dachverband für Soziales und Gesundheit, wo die vielen Selbsthilfeinitiativen Südtirols betreut und unterstützt werden.

    Sie und ihre Kollegin Irene Gibitz haben einiges zu tun, denn erfreulicherweise ist in Südtirol im Lauf der Jahre eine bunte und vielseitige Selbsthilfelandschaft entstanden, wo sich unzählige Frauen, Männer, Junge und Alte mit vereinten Kräften einsetzen.

    „Derzeit gibt es in Südtirol rund 200 Selbsthilfegruppen zu den verschiedensten Themen. Das Themenspektrum reicht von A bis Z“, erzählt Julia Kaufmann. Wer das passende Angebot für sich sucht, findet Hilfe in der Selbsthilfe-Kontaktstelle, aber egal mit welchem Schicksal Betroffene kämpfen: Die Erfahrung zeigt, dass der Austausch mit Gleichgesinnten wichtig ist. Da spielt es keine Rolle, ob man Alleinerzieher ist, eine Krankheit wie Krebs, oder eine Behinderung hat. Eines haben alle gemeinsam: „In den Gruppen treffen sich immer Menschen, um einander beizustehen, um Probleme gemeinsam zu bewältigen. Sie resignieren nicht, sondern stützen sich gegenseitig. Selbstbewusst nehmen sie ihr Anliegen selbst in die Hand“, betont Kaufmann.

    Dennoch werden die Treffen oft belächelt. Im Kreis sitzen und etwas plaudern, sich bejammern und auf die Schulter klopfen – das ist das gängige Bild. „Die Realität sieht anders aus“, sagt Kaufmann: „Miteinander reden spielt eine wichtige Rolle, aber zur Selbsthilfe gehört auch Geselligkeit. Beim Kochen, beim Wandern oder schwimmen gehen wird besprochen, was einem zu schaffen macht, es werden Tipps für den Alltag ausgetauscht. Und die Unterstützung der Teilnehmer untereinander geht meist über die Treffen hinaus: Viele verabreden sich auch zum Kartenspielen, ins Kino gehen, oder um ein Konzert zu besuchen. Freundschaften entstehen.“

    Das Zwischenmenschliche gibt Kraft, das bestätigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Unter Experten gelten Selbsthilfegruppen inzwischen als wichtige Säule im Sozial- und Gesundheitssystem. Auch finanziell profitiert es vom verständnisvollen Miteinander: Menschen sind unentgeltlich füreinander da, leisten eine wertvolle Ergänzung. „Eine Frau mit Krebs sagte mal zu mir: ‚Die Ärzte und Therapeuten wissen zwar viel über meine Erkrankung, aber nicht, wie es sich damit lebt. Dafür bin ich als Betroffene die Expertin’“, erzählt Kaufmann.

    Derzeit arbeitet die Dienststelle an einer Broschüre über die aktiven Selbsthilfegruppen im Land. Diese wird im Herbst erhältlich sein, bis dahin findet sich eine aktuelle Übersicht unter www.selbsthilfe.bz.it.

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