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    Begnadete Flamencotänzerin

    Den Flamenco erneuern? Nein. Innovation um ihrer selbst willen, interessiert mich nicht.

    Den Flamenco erneuern? Nein. Innovation um ihrer selbst willen, interessiert mich nicht.

    Die New York Times betitelte sie zurecht als größte Flamencotänzerin aller Zeiten. Die 30-jährige „bailaora“ Rocío Molina begeistert mit ihrem neuartigen, modernen Flamenco. Auf dem Festival Tanz Bozen ist sie am 25. Juli mit dem Tanzstück „Afectos“ zu Gast.

    Tageszeitung: Frau Molina, Sie gelten als der Nachwuchsstar der Flamencoszene. Sie verbinden Tradition mit Moderne, den Flamenco mit Techniken des zeitgenössischen Tanzes. Wollen Sie den Flamenco erneuern?
    Rocío Molina: Den Flamenco erneuern? Nein. Innovation um ihrer selbst willen interessiert mich nicht. Ich strebe nach Freiheit, Bewegungsfreiheit und geistiger Freiheit. Ich will damit sagen, ich möchte mir keine Grenzen setzen. Meine Sprache ist der Flamenco, ich tanze Flamenco seit frühester Kindheit, aber ich möchte so frei sein, meinem Instinkt zu folgen. Ich möchte meinen Emotionen freien Lauf lassen und meine Bewegungen danach richten.

    Ihre Werke sind zum Teil sehr unterschiedlich, große Bühnenshows aber auch sehr intime Stücke. Woher erhalten Sie Ihre Inspiration?

    Ich lasse mich ganz einfach von dem inspirieren, was mich umgibt, was ich sehe, fühle, rieche, schmecke, vom Leben oder von Veränderungen. Und wenn mein Körper springen möchte, dann springe ich. Wenn ich Lust habe, mich auf dem Boden zu wälzen, dann wälze ich mich. Ich weiß nicht, ob ich mich mit solchen Bewegungen dann noch innerhalb der „Flamenconormen“ bewege oder nicht. Wenn man das als innovativ bezeichnet, dann soll es mir recht sein, wenn das traditionell ist, dann ist mir das ebenso recht.

    Bei Tanz Bozen präsentieren Sie ihr neuestes Werk „Afectos“, ein sehr gefühlvolles Stück, bei dem auch die „cantaora“ Rosario „La Tremendita“ und der Kontrabassist Pablo Martín Caminero auf der Bühne stehen. Welches Thema behandeln Sie in „Afectos“?

    Es gibt kein konkretes Thema, das im Stück aufgegriffen wird. Ich überlasse die Interpretation dem Publikum. Wir, also Rosario und ich, wollten an einem einfachen Konzept arbeiten, an kleinen Details. Wir wollten ganz alltäglichen Dingen und Situationen Gewicht verleihen: einem Blick, einer Geste, einem Gefühl, einer Umarmung, einem Moment der Hingabe. Auf der Bühne stehen nur Rosario, Pablo und ich. Sie machen Musik und ich tanze dazu. Für manch einen mag das banal klingen, vor allem nach Stücken wie „Bosque Ardora“, das ein aufwendiges Bühnenbild, Schlagzeug, Musiker und Tänzer vorsah.

    Der Titel der diesjährigen Festivalausgabe ist Fe/Male. In „Bosque Ardora“ war das Thema Weiblichkeit sehr präsent: die Frau als Jagdgöttin und Füchsin, Verführerin und Beherrscherin. Wie präsent ist die Weiblichkeit in „Afectos“?

    Viele Zuschauer haben in „Bosque“ dieses Thema hineininterpretiert. Aber für mich ist es genau das Gegenteil. Ich mache – und das gilt für alle meine Stücke – keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. In „Bosque“ bin ich mal Göttin, mal Frau, mal Tier. Manchmal bin ich Mann und manchmal Jäger. Ich würde sagen auf der Bühne lege ich mich auf keine Identität fest. Ich glaube, damit passe ich mit meinen Choreografien gut in diese Festivalausgabe und widerspiegle auch das Thema der Geschlechteridentitäten.

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