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    Frustrierte Ärzte

    Von wegen Aufwertung des Territoriums: Die Ärzte für Allgemeinmedizin dürfen ab 27. Juli nicht mehr die Notfallmedizin ausüben.

     

    Das Schreiben des Abteilungsdirektors der Verwaltung des Gesundheitsbezirkes Meran Hugo Minach vom 17. Juli liegt TAGESZEITUNG Online vor.

    Darin schreibt Minach, dass mit Gültigkeit des Kollektivvertrages für die Ärzte für Allgemeinmedizin voraussichtlich ab 27. Juli dieses Jahres die Ausübung der Notfallmedizin auf dem Territorium  durch die Allgemeinärzte nicht mehr vereinbar ist und daher ab Veröffentlichung im Amtsblatt eingestellt werden muss.

    Um was geht es?

    Das Schreiben des Abteilungsdirektors Hugo Minach

    Das Schreiben des Abteilungsdirektors Hugo Minach

    In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gab es eine Übereinkunft mit der Landesnotrufzentrale 118, dass die Allgemeinärzte bei Notwendigkeit auf Anforderung der Notrufzentrale 118  freiwillig sich bereit erklärten, bei Notfällen zur Stelle zu sein und die erforderlichen ärztlichen Maßnahmen einzuleiten.

    Das war speziell in den abgelegenen Gebieten wie zum Beispiel Stilfs, Sulden oder Graun Reschen, aber auch in anderen peripheren Gemeinden des Obervinschgau  oft hilfreich. „Es konnten oft Einsätze vor Ort durchgeführt werden , die eine Einlieferung ins Krankenhaus vermeidbar machten, da vor Ort eine erfolgreiche Therapie durchgeführt werden konnte“, erklärt ein Allgemeinmediziner gegenüber TAGESZEITUNG Online.

    Die Einsätze wurden bisher mit einem Betrag von rund 200 Euro netto honoriert. „Man bedenke aber dass ein Notfalleinsatz oft Stunden dauern kann“, so ein Arzt.

    Da nun laut dem Schreiben eine Unvereinbarkeit besteht und die Ausübung dieses freiwilligen Dienstes  eingestellt werden „muss“ (so steht es wortwörtlich im Schrieben), wird es eine regelhafte Übernahme von Notfällen durch die genannten Ärzte wahrscheinlich nicht mehr geben.

    Vor allem werden auch Versicherungen der Ärzte bei einer Unvereinbarkeit und dem Quasi-Verbot der Gesundheitsbetriebes bei einer regelhaften Ausübung dieses Dienstes nicht haften, vermutet ein Allgemeinmediziner.

    Er sagt weiters:

    „Es stellt sich die Frage, wie eine solche Regelung mit der von der Politik, der zuständigen Landesrätin, dem Generaldirektor und dem Landeshauptmann mehrfach betonten und beschworenen Aufwertung des Territoriums und der Allgemeinmedizin in Übereinstimmung zu bringen ist.“

    Bei den Ärzten bewirkten solche Regelungen Demotivation, Frustration und die Erkenntnis, dass der bisherige Einsatz nicht wertgeschätzt wird, so der Allgemeinmediziner.

     

     

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    Kommentare (21)

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    • goggile

      wer genau hat dies entschieden?

    • tja

      praktisch wenn Einer einen Unfall oder z.B.Herzinfakt hat,
      ist der Arzt der als erstes da ist, nicht versichert für die Hilfe am Patienten
      und müsste z.B bei Tod oder Folgen der Hilfeleistung selbst entschädigen
      praktisch wird sich keiner mehr sich als Arzt erkennen geben, um nicht zahlen zu müssen …
      die haben kein Geld mehr für die Versicherung zu zahlen, weil so viele Projekte noch schnell zubegleichen sind
      (still und leise: den Stilferjoch-Tunnel, Flughafen BZ vor den Wahlen ) …

      • nix phil

        Frage: „Können Politiker, einer Verwaltung noch blödere Regelungen vorschreiben“? In Südtirol und Italien bestimmt.
        Haben diese Politiker NIE einen Grundkurs in Erste Hilfe besucht, dass sie so dummes „Zeug“ beschließen?

    • Bärig

      Bärig, bei Notfall Schael kontaktieren zwecks “ INfO „!

    • Karl

      Demnächst tritt in Südtirol der staatliche Kollektivvertrag der Hausärzte in Kraft und der derzeitige Landesvertrag ist somit nicht mehr gültig. Der staatliche Vertrag beinhaltet nicht mehr diese Ausnahmeregelung für die Hausärzte. Kurioserweise hatte gerade eine Gewerkschaft der Hausärzte die Anwendung des staatlichen Vertrags vor Gericht eingeklagt.

      • Anton

        Bedanken wir Südtiroler uns bei Kompatscher und der svp pd Landesregierung, dass sie sich für griechische Verhältnisse entschieden haben.
        Was hat Stocker versprochen? Nichts wird sich in der Versorgung ändern. Wer soll sonst Erste Hilfe leisten wenn nicht die Ärzte vor Ort. Man sollte diese Ärzte als Notfallmedizner zusätzlich einsetzen und ihnen die notwendigen Kurse zukommen lassen.
        Viele Gesetze, Dekrete und Beschlüsse in den Sommermonaten wurden von Politikern erlassen die anscheinend stark unter der Hitze leiden. Oder sind diese Politiker wirklich so blöd?

    • Ilsebyll

      EIne Einnahmequelle weniger für die Hausärzte…

    • zampano

      in allen ländlichen Gebieten des Alpenraumes wird die Notfallversorgung von Allgemeinemdizinern vorgenommen.
      Natürlich ist ständiges Training on the Job eine Vorraussetzung.
      Wenn jetzt nach Jahrzehnten die Hausärzte des Vinschgau dieses nicht mehr machen sollen, zeigt dieses mal wieder wie von Seiten des Assessorates und der ASL die Arbeit vor Ort bewertet wird.
      Immer die selben Worthülsen, Stärkung des Territoriums, Einbindung der Hausärzte mit erweitertem Aufgaben, alles leere Versprechungen seit Jahren.
      Die Bürokraten in Bozen stülpen nationale Vorgaben auf gut existierende Strukturen, lassen diese von den Genwerkschaften absegnen, zertören den letzten Idealismus, damit ist weder den Pantienten noch einer zukunftsorientierten ärztlichen Versorgung gedient.

    • wellen

      Die Hausärzte sollen ihre Arbeit im Ambulatorium machen und nicht lukrative Nebenjobs erledigen.Wie auch nebenher Notarzt oder Amtsarzt spielen.
      Solange man z.B. in Bozen 10 Tage auf einen Termin warten muss um ein simples Laborergebnis zu besprechen, solange man für chronische Patienten Angehõrige nur jedesmal 2 Schachteln Betablocker bekommt, und als Angehöriger ständig hinrennen muss, solange die Hausärzte nicht einmal Blutproben selber machen, man ständig vom Spital mit den Blutproben hin und herrennen muss, und das Sintrom händisch ins Büchl eintragen lassen muss ….Von Hausbesuchen ganz zu schweigen….
      Also ist die Verordnung richtig.

    • Karl

      Hausärzte sind keine Notärzte und sollen auch keine sein! Effektiv ist ja nur ein ganz kleiner Teil der Hausärzte in Südtirol von dieser Regelung betroffen, da ja kaum Hausärzte in Südtirol diesen Notfalldienst ausüben. Es wäre besser, wenn sich die Hausärzte auf die Behandlung ihrer chronisch kranken Patienten konzentrieren bzw. für die Anliegen ihrer eingeschriebenen Patienten da sind. Die Hausärzte in Südtirol haben im Verhältnis zu jenen in Italien eh eine zu hohe Patientenanzahl.
      Die Notfallmedizin in Südtirol ist mit 7 Krankenhäusern und einer sehr kapillaren und guten Organisationsstruktur ausgestattet. In keinen anderen Land kommt der Rettungshubschrauber so oft zum Einsatz. Dann frage ich mich schon, warum es nur im oberen Vinschgau die Hausärzte für diesen Dienst braucht, wenn in allen anderen Tälern in Südtirol es ohne sie geht?
      Die Regelung ist richtig und hat auch einen logischen Sinn.

    • Kritiker

      Na super! Irre Kabarettnummer. Man stelle sich vor: Notfall bei Nacht und Nebel im hintersten Ahrntal. Notfallzentrale 118 ruft Hausarzt an, da Rettungsmittel nicht schnell verfügbar, da andersweitig besetzt. Hubschrauber Nachtflug nicht möglich. Hausarzt sagt, er sei nicht mehr zuständig, da die Ausübung der Notfallmedizin seit neuestem inkompatibel mit den Aufgaben des Hausarztes sei und eingestellt werden muss.. Er möchte lieber schlafen, damit er ausgeruht am nächsten Tag die chronisch Kranken versorgen kann. Er selbst hat sich nie um die Notfallmedizin gerissen, er würde sich diesen Stress lieber ersparen, leider ergab sich immer wieder die objektive Notwendigkeit,

      • nix phil

        Wie sollen Kompetenzen der Ärzte gesteigert werden? Indem sie zum Beispiel einige zusätzliche Ausbildungen, Kurse absolvieren. Zum Beispiel Notarzt Kurse. Soweit zu denken sind Südtirols Politiker anscheinend nicht in der Lage.

    • Flötzinger

      Ich habe eh keine Zeit zum Doktor zu gehen, also wie’s kommt, kommt’s und sonst kommt’s halt nicht.

    • Inge

      Diese Regelung ist wieder total daneben. Die Verwaltung des Staates wird immer ineffizienter und solche Verbot sind dumm. Wer diese Regelung gemacht hat, ist dumm oder will Patienten sterben sehen.

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