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    „Sicherheit & Ordnung“

    „Sicherheit & Ordnung“

    Laut Hausordnung verbietet die Therme Meran Epilepsie-Patienten und „geistig Kranken“ den Zutritt. Sinnvolle Sicherheitsmaßnahme – oder diskriminierende Regel?

    Von Anton Rainer

    Es fällt zugegebenermaßen schwer, der Therme Meran die Diskriminierung von beeinträchtigten Menschen vorzuwerfen. Das Meraner Kurbad bietet neben 12 Behindertenparkplätzen, barrierefreien Aufzügen und Eingängen für Rollstuhlfahrer – sogar separate Beckenzugänge und Umkleiden.

    Und dennoch – zwischen „Alkoholikern“ und Menschen mit „Hautausschlägen“ findet sich in ihrer Hausordnung eine weitere Personengruppe, der die Benutzung der heißen Bäder untersagt wird: „Epileptiker und geistig Kranke.“ Ein Fall von Diskriminierung?

    Das kommt darauf an, sagt Martin Telser. Der Präsident des Dachverbands für Soziales kennt zumindest in Südtirol keine Schwimmbäder, in denen Epilepsie–Patienten der Zutritt verweigert wird. „Würde man das wirklich so auslegen, wie es dasteht, wäre das klar ein Fall von öffentlicher Diskriminierung“.

    „Diese Aussage muss man im richtigen Kontext sehen“, sagt Adelheid Stifter. Die Direktorin der Therme Meran wehrt sich dagegen, dass die seltsam anmutenden Bezeichnungen aus dem Zusammenhang gerissen werden. „Das wäre ja ganz konträr gegen das, was wir tagtäglich leben.“

    Wahr ist tatsächlich: Im selben Text spricht die Therme auch von Personen, deren Verhalten eine Störung der Sicherheit und Ordnung erwarten lässt.

    „Wir versuchen, die Leute bei einem akuten Problem vor sich selbst zu schützen“, meint Stifter, „das ist eine Frage der Sicherheit und Ordnung.“ Will heißen: Nur wer an der Kassa, etwa während eines epileptischen Anfalls, auffällig wird, muss den Thermen-Besuch verschieben – und beim nächsten Mal gegebenenfalls mit Begleitung wiederkommen.

    Bleibt der Begriff der „geistig Kranken“ – Beim Dachverband für Soziales sieht man dahinter einen „äußerst unpassenden Begriff, den man so eigentlich nicht mehr benutzt.“

    Zumindest ist er widersprüchlich – in der Vergangenheit hatte die Therme bereits mehrfach Gratis-Tickets an geistig behinderte Sportler und Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen verteilt, nicht erst seit kurzem bestehen Zusammenarbeiten mit Südtirols Behindertenvereinen.

    Adelheid Stifter: „Es stimmt schon, diesen Punkt könnte man vielleicht besser formulieren.“

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    Kommentare (14)

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    • Xy

      Duerfen trockene alkoholiker auch nicht rein? Solang das land nur die verluste eines schwimmbads bezahlt ist fuer mich die therme tabu. Sollen doch die gemeinden rundherum die spesen decken…

    • Flockie

      Diskriminierung ist auch, dass Frauen immer in die Sauna dürfen aber Männer nur an 6 von 7 Tagen.

    • ManniS

      Also wenn das stimmt wie hier berichtet dass Epileptiker. ( wenn sie an an der Eintrittskasse????einen Anfall bekommen das ist zum schreien!!! jeder von uns Mann oder Frau kann jederzeit ohne Vorwarnung eine Epianfall bekommen!!!) und Menschen mit psychischen Problemen ???? ( also ärztliches Unbedenklichkeitszeugnis vorweisen??? )der Zutritt zu den Thermen verwehrt werden sollte ( Ausgrenzung von Menschen mit Hautproblemen ist echt kras!!!!)dann sind die Verantwortlichen dieser Verordnung zur Verantwortung zu ziehen und aus der Leitung zu entfernen.Es dies ist eine unerhörte zutieftst unmenschliche und diskriminierende Verhaltensweise .Die Thermen sind öffentliche Strukturen!!!

      • giova

        Warum man mit einer Hautkrankheit nicht in ein öffentliches „Thermenschwimmbad“ gehen darf, liegt ja wohl auf der Hand…

        • uschi glas

          giova, das thermenwasser in meran mildert mein fusspilzleiden jedes mal enorm. da sollte frau stifter irgendeine zertifizierung vom gesundheitsministerium beandtragen 😉 😉

          • Yannis

            bravo Uschi !
            Behinderte Menschen dürfen nicht rein, einfach nur erbärmlich !
            Hat aber einen enormen Vorteil für sie, müssen sie dann auch nicht in der mit „Urin“ und anderen Körperauscheidungen belasteten Brühe der GESUNDEN baden.

        • nairb

          mit Sonnenbrand zum Beispiel? 😉

          – wenn dann schon „infektiöse Hautleiden“, bitte. Alles eine Frage der Formulierung.

          Und wenn jemand „an der Kassa, etwa während eines epileptischen Anfalls, auffällig wird“, muss er seinen Thermenbesuch nicht nur verschieben sondern wird mit notärztlicher Begleitung eingeliefert..

    • Puschtrabui

      Die Verluste der Therme soll nicht immer mit Südtiroler Steuergeld ausgeglichen werden, wie auch das „grosszügige“ Gehalt der Direktorin und dann können sie reinlassen wen sie wollen und werden auch nicht beanstandet! Dann würde endlich die Verwaltung froh sein um jeden Eintritt den sie abkassieren kann und nicht so protzig mit Steuergeldern spielen und eine ausgeglichenen Haushalt präsentieren! Die Verwaltung sollte ab sofort nur mit Gewinnbeteiligung ausgeglichen werden.

    • irene

      Für Epileptiker finde ich ist die Nutzung des Schwimmbades nur in Begleitung möglich. Meine Freundin leidet an dieser Krankheit und hat neulich während des Schwimmens einen Anfall erlitten. Wäre sie nicht in Begleitung geschwommen hätte das ganz übel ausgehen können. Denn wenn das Schwimmbad sehr voll ist, dann sehen Spasmen im Wasser aus, als würde geplanscht. Man kann das Geschehen im ersten Moment als Aussenstehender nicht gleich richtig einschätzen. Darum finde ich diese Regeln schon zur Sicherheit der Patienten sehr sinnvoll.

    • uschi glas

      …verbietet die Therme Meran „geistig Kranken“ den Zutritt.

      also kein Thermenspass für politiker?

      • Greta

        Ha ha, Uschi. Stimmt irgendwie. Die meisten Politiker leiden an Narzissmus und/oder an verzerrter Wahrnehmung der Realität – daher: Bitte draußen bleiben. Dasselbe gilt für den Großteil der Forenschreiber, mich eingeschlossen. 🙂

    • Andreas

      Ich nehme an es handelt sich hier um eine Haftungsfrage, wenn den entsprechenden Personen im Schwimmbad etwas passiert.

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