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    Der Traum vom späteren Leben

    Unbekannter Maler, Unbekannter Knabe, um 1820, Tiroler Landesmuseen, Innsbruck

    Unbekannter Maler, Unbekannter Knabe, um 1820, Tiroler Landesmuseen, Innsbruck

    Das Südtiroler Landesmuseum Schloss Tirol zeigt Kinderporträts von 1500 bis Heute.

    Kinderbilder zeigen in sensiblen Nuancen den Wandel gesellschaftlicher Veränderungen. Die Ausstellung nimmt erstmals die Genese und den Wandel des frühneuzeitlichen Kinderporträts im Tiroler Raum in ihre thematische Mitte. Gezeigt wird in über 80 signifikanten Exponaten die Entwicklung des Genres von den Anfängen im frühen 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart herauf.

    Dabei wird spezielles Augenmerk auf die ikonografische Vielfältigkeit der Darstellungen gelegt. Der Parcours der Bildentwicklung beschreibt den Weg von einer genormten Repräsentationskultur des Adels hin zur aufgeklärten Erinnerungskultur des Bürgertums, von einer Imitation der Erwachsenenwelt hin zu einer naturnahen Auffassung von Kindheit und kindlichem Bewusstsein.

    Die BesucherInnen erfahren über die Bilderwelt gemalter Kindheiten mehr über die Beziehung Kinder-Eltern, über die Auffassung von Familie und die hoffnungsfrohen Attitüden junger Leben im Kontext von Symbolik und Spiel. Neben der mimetischen Wiederholung der Erwachsenenwelt in Tracht und Beiwerk kommt es gerade im Barock zu durchaus verspieltem Rollentausch, der sich gesellschaftlich und auch genderbezogen vollziehen kann. 500 Jahre Kinderbilder sind ein spannender Gang durch die gesellschaftliche Diversität der letzten Jahrhunderte.

    Der Auswahl und Anordnung der Bilder liegt ein chronologisches und zugleich bildtypologisches Konzept zugrunde. Den Beginn setzt Seiseneggers Porträt der Töchter Kaiser Ferdinands I. Zumal das Original aus konservatorischen Gründen nicht gezeigt werden kann, dient eine digitale Reproduktion als „Stellvertreter“. Die Tradition der Kinderritratti in der Herrscherfamilie zeigen ausgewählte Beispiele, darunter zwei Kinderbildnisse von Erzherzogin Eleonore, die Tochter König Ferdinands I., einmal im Alter von zwei und fünf Jahren.

    Eine Sektion der Ausstellung ist den Kinderbildern von Albin Egger-Lienz gewidmet: Eher selten wird die ältere, in Privatbesitz befindliche Version des Themas „Lorli“, seiner jüngsten Tochter, gezeigt. Diese gilt als ein Meisterwerk der Kinderbilder des Jugendstils. Hier gewinnt das Kinderbild im direkten Blick auf den Betrachter an Suggestion. In dem nur zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs entstandenen Porträt seiner Tochter Ila ändert Egger-Lienz seinen Stil und zeigt sich bereits der Neuen Sachlichkeit zugewandt: Ila sitzt selbstbewusst auf der hölzernen Staffelei und ist in ihrer Beinhaltung wenig auf Symmetrie bedacht.

    Info: www.schlosstirol.it

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