Du befindest dich hier: Home » News » Eingabe in Rom

    Eingabe in Rom

    Eingabe in Rom

    Nun schaltet sich auch der Kommunikationsbeirat in den Streit um die Brennercom ein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die italienische Aufsichtsbehörde AGCOM den Beschluss des Verwaltungsrates aufhebt.

    Von Matthias Kofler

    Der Landesbeirat für Kommunikationswesen hat sich mit den Umwälzungen bei der Brennercom befasst. In einer Aussendung teilte der Beirat am Dienstag mit, die italienische Aufsichtsbehörde für das Kommunikationswesen über die Löschung der Besitzanteile des Landes informiert zu haben.

    Bekanntlich hatte der Verwaltungsrat der Brennercom in zwei Sitzungen die Anteile des Landes und jene der öffentlichen Gesellschaften Stadtwerke Brixen und Selfin mit 1. Januar 2015 für erloschen erklärt. Die Verwaltungsräte Michl Ebner, Ferdinand Willeit und Karl Manfredi begründeten ihre Entscheidung mit zwei Staatsgesetzen von 2007 und 2013, laut denen die öffentlichen Körperschaften ihre Beteiligungen an Gesellschaften, die nicht strategisch wichtig seien, abstoßen müssen.

    Der Präsident des Kommunikationsbeirats, Roland Turk, hat nun ein Schreiben an die AGCOM gerichtet. Unter dem Betreff „Veränderung der Besitzverhältnisse in der Gesellschaft Brennercom“ setzt er die italienische Aufsichtsbehörde von den in Gang gesetzten Umwälzungen beim Telekommunikationsanbieter Brennercom in Kenntnis.

    Der Text ist nüchtern formuliert. „Ich setze hiermit die Aufsichtsbehörde in Kenntnis, dass der Verwaltungsrat der Gesellschaft Brennercom, die ihren Sitz in Bozen hat, die Anteile des Landes für erloschen erklärt hat“, schreibt Turk. Dann listet er die Anteile der verschiedenen Aktionäre in der Brennercom auf.

    Der Kommunikationsbeirat tut dies in seiner Eigenschaft als Verantwortlicher für das nationale Register der Kommunikationsanbieter ROC, aus dem die Besitzverhältnisse der Kommunikationsunternehmen hervorgehen. In Südtirol führt der Kommunikationsbeirat im Auftrag von AGCOM das Register.

    Aufgrund des Schreibens des Kommunikationsbeirates muss sich nun auch die AGCOM mit der handstreichartigen Übernahme der Brennercom durch die Athesia befassen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die nationale Aufsichtsbehörde den Beschluss des Verwaltungsrats aufhebt.

    Italienische Kommunikationsexperten teilen auf Anfrage mit: Nach dem Entscheid des Verwaltungsrats, die öffentliche Hand aus der Brennercom auszuschließen, konzentrieren sich die Anteile an dem Kommunikationsunternehmen auf einen einzigen Aktionär – nämlich die Athesia. Dieses Unternehmen ist gleichzeitig aber auch ein führendes Medienunternehmen in Südtirol. Damit ist die Athesia auf zwei sich überschneidenden Feldern führend tätig.

    Das Register der Kommunikationsanbieter ROC (Registro degli Operatori di Comunicazione) soll für die Transparenz der Besitzverhältnisse von Kommunikationsunternehmen sorgen, und der Aufsichtsbehörde AGCOM als Instrument zur Eindämmung etwaiger marktbeherrschender Konzentrationen auf dem Kommunikationssektor dienen. Die Aufsichtsbehörde AGCOM (Autorità per le Garanzie nelle Comunicazioni) ist nicht nur für die Regulierung des Telekommunikationswesens zuständig, sondern auch für die Kontrolle der Massenmedien. Ihre Aufgabe ist es, für Pluralismus und faire Konkurrenz in den Branchen Medien und Telekommunikation zu sorgen.

    Am Abend reagierte die Brennercom auf das Schreiben des Kommunikationsbeirats. In einer Aussendung teilte die Centrale Office Managerin des Unternehmens, Elisabeth Stampfer, mit:

    „Die Brennercom bedankt sich bei Präsident Roland Turk für die rasche Abwicklung der erfolgten Meldung. Seit Jahren steht die Brennercom in regem Austausch mit dem Landesbeirat, der als ausführendes Organ der Aufsichtsbehörde AGCOM fungiert und in dessen Auftrag auch das lokale ROC (Registro degli operatori di comunicazione) führt. Aufgrund von Vorgesprächen mit der AGCOM ist der Brennercom bekannt, dass Privatisierungen gern gesehen und auch im Sinne des Gesetzgebers sind. Brennercom sieht mit Genugtuung, dass nun auch bei zentraler Stelle in Rom die neuen Eigentumsverhältnisse der Brennercom hinterlegt sind.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (13)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • Alfons Zanardi

      „Sieht mit Genugtuung, dass nun auch bei zentraler Stelle in Rom die neuen Eigentumsverhältnisse der Brennercom hinterlegt sind.“
      Mir fällt nur ein: hundsföttisch.

    • Cyrano

      Die Exsenatorin hat sicher bereits in Rom interveniert damit die blitzschnellen Enteignungen von öffentlichem Gut auch rechtens bleiben.

    • Rasputin

      Die Raubritter sind sich ihrer Sache sehr sicher, in der gesamten katholischen Presse wird die Brennercom Affäre nicht oder nur sehr spärlich erwähnt.

    • Batman

      Mit solchen Gesetzen FÜR PRIVATisierung, schafft sich der marode Staat endgültig selber ab!

    • checker

      Der Südtiroler sollte auf die Barrikaden steigen, denn hier wurden öffentliche Gelder (und damit Steuergelder)in Form von Investitionen, von privaten Raubrittern enteignet und an sich gerissen. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich der Südtiroler von der Athesia alles gefallen lässt. Steht ja aber nicht in der Zeitung.

    • Luis

      Diebstahl von „Onorelvoli“ angezettelt und mit beteiligt? Ist in den „modernen“ Demokratien usus?

    • Mark

      Andreas wie wär es mit der Summe der gewinnorientierten Brennercom die sie bei südtiroler Firmen kassiert und dann lieber in die Akquise neuer Topkunden in benachbarten Regionen investiert anstatt es in den lokalen Netzausbau zu investieren?

      • Andreas

        Super, dann nenne mal diese Summe, ich habe wirklich keine Ahnung.
        Hat die Brennercom eigentlich einen sozialen Auftrag oder ist sie gewinnorientiert?
        Halbschwanger hat meines Wissens noch nie so richtig funktioniert.

        Das Land hat jahrelang die Brennercom gewähren lassen, ob richtig oder nicht, will ich gar nicht beurteilen, warum diese jetzt auf einmal existenziell sein soll, verstehe ich nicht wirklich.

        • Steuerzahler

          Wer hat dir ins Hirn geschissen?

        • jetzt reichts!

          Stimmt, Andreas. Das Land hat sich einspannen lassen um eine unsichere Investition mit Steuergeld vorzufinanzieren. Und jetzt, wo Gewinne erwirtschaftet werden, wird das Land als Klette und Klotz am Bein empfunden. Wie immer stellt sich die Frage: wer ist schuld, jene, die sich rupfen lässt (die Provinz) oder diejenige, die rupft (Athesia)? Die Provinz muss sich vorwerfen lassen, jahrelang als „apripista“ fungiert zu haben. Hätte sie das nicht, wer weiss ob Athesia die hohen Investitionen gestemmt hätte. Logisch will Kompatscher jetzt, wo satte Gewinne eingefahren werden, vom Kuchen etwas abhaben. Und dass Athesia den „dummen August“ Land jetzt raushaben will, ist ebenso klar. Es verspricht spannend zu werden, denn sowohl Kompatscher als auch Willeit kommen von der selben politischen Kaderschmiede: sie waren beide Präsidenten des Gemeindeverbandes und von Willeit ist bekannt, dass er damals nachweislich gute Arbeit geleistet hat. Mal schauen.

    • arki

      Zitat: „Die Verwaltungsräte Michl Ebner, Ferdinand Willeit und Karl Manfredi begründeten ihre Entscheidung mit zwei Staatsgesetzen von 2007 und 2013, laut denen die öffentlichen Körperschaften ihre Beteiligungen an Gesellschaften, die nicht strategisch wichtig seien, abstoßen müssen“.
      Ihr „hetzigen“ Verwaltungsräte: was für eine Superkörperschaft ist denn die Brennercom um sich erdreisten zu können, öffentliche Körperschaften (Land, Gemeinde Brixen) „abstoßen“ zu müssen? Habt ihr nicht Jura studiert?

    • Mike

      da glaubt doch wirklich ein Schwanz, dass er mit dem Hund wedeln kann!
      Nun bin ich aber wirklich gespannt ob der Hund es schafft, diesen Schwanz still zu halten.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen