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    USB-Stick im Cayenne

    Verrat von Amtsgeheimnissen und Wettbewerbsverzerrung bei der Ausschreibung einer Mittelstands-Zone in Bozen. Die Staatsanwaltschaft will Anklage gegen die Landes-Abteilungsdirektorin Katia Tenti und ihren „Partner“, den Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare, erheben.

    Von Thomas Vikoler

    Der Bozner Oberstaatsanwalt Guido Rispoli spricht von einem „typischen Südtiroler Fall“, wo öffentliche mit privaten Interessen vermischt werden. „Wir haben Klarheit über einige Beziehungen geschaffen“, sagt Rispoli über eine soeben abgeschlossene Ermittlung.

    Den Fall Tenti/Dalle Nogare.

    Dass die Direktorin der Landesabteilung für öffentliche Arbeiten Katia (Katiusca) Tenti, die höchste Beamte von Landeshauptmannstellvertreter Christian Tommasini also, in einem besonderen Nahverhältnis zum Bozner Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare steht, war für Besucher öffentlicher Veranstaltungen eigentlich kein Geheimnis. Für die Ermittlung ist dieser Umstand zweifellos von Belang und im nun vorliegenden Abschlussbericht der Staatsanwaltschaft als „sentimentale Beziehung mit umfassenden Verwicklungen des Tuns“ umschrieben. Dazu gehörten u.a. das Versprechen der Schenkung eines Autos und Bürgschaftsleistungen für private Investitionen Tentis.

    Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft gegen die hohe Beamte wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs ermittelt (gegen Antonio Dalle Nogare und dessen Vater Angelo, ebenfalls Bauunternehmer, wegen Beihilfe ), nun lautet der Vorwurf auf Verletzung und Verwendung von Amtsgeheimnissen bzw. Beihilfe zu diesem Delikt.

    Die Ermittler haben den Werdegang der Ausschreibung des Wohnbauinstitutes zum Bau von hundert Mittelstands- bzw. Sozialwohnungen in der Bozner Reschenstraße vom 2. Oktober 2013 detailliert rekonstruiert. Ergebnis: Katia Tenti, die Abteilungsdirektorin für Wohnbau, hat die unveröffentlichten Ausschreibungsunterlagen bereits am 20. August 2013 an Dalle Nogare weitergegeben, der sie prompt und mehrmals ausdruckte. Die Daten befanden sich auch auf einem USB-Stick, der am 23. April 2014 im Porsche Cayenne des Bauunternehmers beschlagnahmt wurde.

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    Kommentare (17)

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    • Muetergottes fa die Tolwiesn

      Wenn der alte Einheitsstaat nicht in drei selbständige und voneinander unabhängige Bereiche (Wirtschaftsleben, Rechtsleben (Politik) und ein freies Geistesleben) gegliedert, sind solche Fälle an der Tagesordnung. Der Steuerzahler zahlt und diese Leute stecken über die öffentlichen Aufträge das Geld ein. Das sind Leute die aus reiner Profitgier die ganze Umwelt zur Sau machen.

    • Puschtrabui

      Der Staatsanwalt spricht von einem „typisch Südtiroler Fall“, das ist schon sehr nachdenklich dass das typisch südtirolerisch ist, dass auch der Staatsanwalt die Vetternwirtschaft zwischen Politik und Privat schon als typisch südtirolerisch bezeichnet!

    • joe

      In jedem anderen Land wären in einer solchen Situation zumindest die zuständigen politischen Vertreter und die Führungskräfte zurückgetreten!! Nicht so im Land Südtirol.
      Es gilt zwar die Unschuldsvermutung, aber im Sinne einer lückenlosen Aufklärung täten hier einige Personen gut daran, ihre Posten aufzugeben. Ich denke hier vor allem an Landeshauptmannstellvertreter Tommasini und die Direktorin der Landesabteilung für öffentliche Arbeiten Tenti. Verantwortung in solchen Positionen wird monetär sehr gut vergütet, deshalb müssen auch im Fall von Fehltritten die Konsequenzen gezogen werde!

    • und

      Fakt ist, dass das System Südtirol lebt und steht wie eh und jeh.
      Kompatscher kämpft hier einen Kampf gegen Windmühlen.

      Ich glaube ihm sogar, dass er es ernst meint und einen ehrlichen neuen Stil etablieren will.
      Doch er steht vor einem Dilemma:
      wenn er das System zum Einsturz bringen will, endet er als Märtyrer, der die historische SVP zerstört hat.
      Ob er das will?

      • Puschtrabui

        wenn das die historische SVP ist, dann soll er sie doch zerstören und dann ist er nicht Märtyrer, sondern Held! Umsomehr dieser Skandale endlich aufgedeckt werden, umsomehr zerstört sie sich selber ja eh… der einzige Weg die SVP zu retten, ist endlich mal alle diese Postenschacher, Vettern und Korrupten raus aus der Politik und Beamtentum rauszuschmeissen!

    • und

      Schon komisch wie der Herr Tommasini an seiner höchsten Beamtin festhält……

    • homofaber

      Wichtig erscheint dem Artikelschreiber wohl der Umstand, dass es sich um einen Cayenne handelt. Im Aufmacher deutlich hervorgehoben und am Ende des Artikels nochmal spezifischer definiert „Porsche Cayenne“. Finde „im Auto des Bauunternehmers“ hätte für eine rein informative und ausgewogene Berichterstattung völlig gereicht.

    • georg

      die oben gennante beamte ist sicher schon mit schimpf und schande und ohne goldene pension in die wüste geschickt worden….
      nein? wo leben wir denn? ach ja richtig im schlaraffenland südtirol!!!!!!

      „gehe direkt ins gefängnis, gehe nicht über los, ziehe keine 5.000.000$ ein“

    • Radio Eriwan

      Tenti in tentazione – scuola svp-pd – immacolata verginitas

    • Larosa

      … eine ganze Reihe von Landesbediensteten erhält die Leistungsprämien überhaupt erst nach monatelangem Gezerre und Nachfragen. Beim Steuerzahlen sind alle gleich, und beim Austeilen der Leistungs-Prämien sind einige wenige ganz vorne….

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