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    Das Griechen-Hickhack

    Herbert Dorfmann hätte kein Problem mit einem Euro-Austritt Griechenlands. Ein Gespräch mit dem EU-Parlamentarier über die aufgezwungene Sparpolitik, die Dramatisierung durch die Spitzenpolitiker – und über Lösungen für das krisengebeutelte Land.

    TAGESZEITUNG: Herr Dorfmann, warum will die europäische Politik die Griechen unbedingt im Euro halten und ihnen zwingt eine Sparpolitik auf, wegen der das Land ja überhaupt in diese katastrophale Lage geraten ist?

    Herbert Dorfmann: Man muss sich die letzten Jahre anschauen: Die gesamte westliche Welt wurde von der Finanzkrise getroffen. Jene Staaten, die sich solide aufgestellt haben und funktionieren, haben die Krise halbwegs ordentlich überlebt. Aber jene Staaten, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, sind ins Trudeln geraten – vor allem jene, die in den guten Jahren noch auf Pump gelebt haben. In Italien, Spanien und besonders in Griechenland sind diese Schwächen eben zu Tage getreten.

    Was macht es aber jetzt für einen Sinn, noch weiter in diese Krise hineinzusparen? Müsste Griechenland nicht Investitionen tätigen, wie es etwa Deutschland selbst um 2010 getan hat…

    Es ist schon wahr, dass es Investitionen braucht. Die EU hat in den letzten Tagen auch nochmal ein Investitionsprogramm über 35 Milliarden Euro vorgeschlagen. Aber damit Investitionen Sinn ergeben, muss man ein wirtschaftliches Umfeld schaffen, das den Staat wieder wettbewerbsfähig macht. Dieses Problem wird auch in Italien oft verschwiegen. Investitionen sind gut, aber der Staat kann nicht marode bleiben. Denn sonst kann man noch so viel Geld hineinspucken. Italien setzt die Reformen nur langsam um. Spanien hingegen hat den Staat reformiert und trägt nun entscheidend zum europäischen Wachstum bei.

    Und in Griechenland?

    Dort lebt man im alten System weiter, wo die Reichen keine Steuern zahlen. Das Grundproblem ist, dass Tsipras und Varoufakis den Bürgern die schönen alten Zeiten versprochen haben, aber sie mussten erkennen, dass diese nicht wiederkommen.

    WARUM HERBERT DORFMANN EINEN EURO-AUSTRITT GRIECHENLANDS ALS KEINE KATASTROPHE BETRACHTEN WÜRDE – UND WARUM AUCH EIN SCHULDENSCHNITT ANDENKBAR WÄRE, LESEN SIE IN DER WOCHENEND-AUSGABE DER TAGESZEITUNG.

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