Du befindest dich hier: Home » Sport » Der geplatzte Traum

    Der geplatzte Traum

    20 junge Südtiroler Amateurfußballer – und ihr Traum vom Finale im San Siro-Stadion von Mailand.

    von Klaus Schuster

    Am Samstag den 31. Mai startete die Südtiroler Expedition zum  traditionsreichen, zum 54. Mal ausgetragenen Turnier der Regionen in die Provinz Bergamo. In drei Reisebussen machten sich die Auswahlmannschaften der Mädchen, des Kleinfeldfußballs, der B- und A- Jugend und der Junioren auf den Weg in die Poebene.

    Südtirol oder, wie wir offiziell in der Amtssprache heißen, das „Autonome Komitee der Provinz Bozen“, ist im gesamtitalienischen Fußball eine kleine Nummer und bisher fuhr man, als man gemeinsam mit dem Trentino antrat, fast immer und, seit man autonom an den Start geht, immer am Ende der Vorrunde mit allen teilnehmenden Mannschaften nach Hause.

    Diesmal gab es aber eine Ausnahme: Die Juniorenauswahl gewann ihren Vorrundenkreis!

    Zum Auftakt gab es, bei noch angenehmen Temperaturen, in Trezzo sull‘ Adda ein glückliches 1:1 gegen die Emilia/Romagna. Glücklich deshalb, weil unsere Mannschaft zwar unerhört aggressiv und temporeich begann und schon nach 5 Minuten durch den Brixner Stürmer Fanani in Führung ging, sich aber anschließend bei Virtus-Torhüter Scuttari bedanken durfte, der mit drei bis vier Glanzparaden eine Niederlage verhinderte.

    Am darauffolgenden Tag spielte die Mannschaft bei zunehmender Hitze auf dem perfekten Rasen in Ciserano gegen den Titelverteidiger Latium, der am Tag vorher überraschend gegen die Friaul verloren hatte und schon nach 8 Minutwn in Führung ging. Die Junioren steckten den Treffer aber problemlos weg und erzielten schon 5 Min. später, als Ivan Angerer vom SSV Brixen bei einer seiner aus der Oberliga bekannten, Offensivaktionen gefoult wurde, den Ausgleich. Ahrntal Flügel Elias Happacher verwandelte sicher. Auch in der zweiten Hälfte gerieten wir alsbald in Rückstand, aber die gleichzeitige Hereinnahme von vier frischen Spielern und die zunehmende Unsicherheit der, anfangs ziemlich arrogant auftretenden, Hauptstädter zeigte Wirkung. Unser Kapitän, der Naturnser Abwehrspieler Peer, stellte nach einem Freistoß den Ausgleich wieder her, ein Latium Akteur protestierte lauthals und wurde des Feldes verwiesen. Nachdem der Schiedsrichter einen weiteren glasklaren Elfmeter auf Nagler nicht gegeben hatte, erzielte dessen Vereinskollege Fanani in der ersten Minute der Nachspielzeit den verdienten Siegestreffer. Dann wurden noch ein Latium Spieler und der Bozner FC-Außenverteidiger Sacco Zaut wegen eines Fouls ausgeschlossen. Nach dem Schlusspfiff drehten die Gegner durch und schlugen und traten nach allem was sich bewegte und, was für mich noch gravierender ist: sie wurden daran von ihren Betreuern und Trainern nicht gehindert.

    Mit Mühe gelang es uns, die Spieler in Sicherheit zu bringen und zu vermeiden, dass sich ihre Wege mit denen der Spieler aus dem Latium kreuzten. Von Handshake und Fairplay war plötzlich keine Rede mehr, die Umkleidekabine der Latium-Spieler musste für deren Frust bezahlen und beim Gang zum Antidopingtest musste Virtus Verteidiger Trabucchi, vor den Augen des Unparteiischen, noch einen Faustschlag des ebenfalls zum Dopingtest ausgelosten Latium-Spielers einstecken.

    Deswegen war es schon mehr als verwunderlich als wir in der abendlichen  Verbandsmitteilung nachlesen mussten, dass nur Matteo Sacco Zaut für zwei Spiele gesperrte wurde, während alle Latium-Spieler mit einem Spiel Sperre davon kamen.

    Nichtsdestotrotz gingen wir zuversichtlich ins dritte Vorrundenspiel gegen den bisher zweimal siegreichen Friaul. Das Spiel fand auf dem Kunstrasen in San Pellegrino Terme statt, wo die Höhenlage die Hitze etwas erträglicher machte. Die gegnerische Elf hatte anfangs etwas mehr vom Spiel, aber nach 20 Minuten eroberte Naturns-Mittelfeldakteur Nischler den Ball in der gegnerischen Hälfte zurück und spielte optimal auf Happacher, der mit seinem starken linken Fuß aus 16m genau ins Kreuzeck traf. Dann kontrollierten wir die restlichen 70 Minuten das Spiel und ließen kaum Chancen zu.

    In der 90. Minute erzielte Fanani mit einem Bombenfreistoß das 2:0 und damit stand fest, dass diese Mannschaft als Gruppensieger ins Viertelfinale einzog.

    In ein Viertelfinale, für das neben Sacco Zaut, leider auch die beiden Brixner Manuel Festini und Ivan Angerer gesperrt waren, weil sie sich im Spiel gegen die Friaul die jeweils zweite gelbe Karte abholten. Zum samstäglichen Finale im Meazza Stadion von Mailand fehlten also nur mehr 2 Etappen und die Mannschaft hatte sich von Spiel zu Spiel gesteigert und sich als echte Turniermannschaft erwiesen.

    Am Donnerstag stieg wieder in Trezzo sull’Adda das Viertelfinale gegen den Veneto. An diesem Tag sprach Vieles gegen uns.

    Trotzdem brachte uns der Latzfonser Stürmer Adrian Hasler nach 20 Minuten in Führung, aber dann schliefen wir bei zwei Freistoßflanken und lagen in der 45. Min. mit 1:2 in Rückstand. Das endgültige Knackpunkt kam aber in der Nachspielzeit der ersten Hälfte als Milesi weit in der gegnerischen Hälfte gelbwürdig gefoult wurde, der Pfiff des an Arroganz kaum zu überbietenden Schiedsrichters aber ausblieb und der starke Veneto Angreifer im Konter das 3:1 erzielte.

    In der zweiten Hälfte wurde uns wieder ein klarer Elfmeter verweigert und der Veneto erzielte mit seinen schnellen Flügelstürmern noch ein viertes Tor. Dann wurde auch noch unser Außenverteidiger, Stegens Florian Engl, mit einer gelb/roten Karte des Feldes verwiesen. Trotzdem gestaltete die Mannschaft das Spiel ausgeglichen und verließ das Turnier erhobenen Hauptes mit der Gewissheit nur knappe 150 Min. vom Finale im San Siro Stadion entfernt gewesen zu sein und mit den großen Regionen in Italiens Fußball mithalten zu können.

    Denn das Niveau der anderen Mannschaften war für mich enttäuschend. Kombinationsfußball und Gegenpressing waren kaum zu sehen, das Standardprogramm bestand aus langen Bällen und den Versuch diese zu verlängern oder an die zweiten Bälle zu kommen.

    Bei einer noch besseren Vorbereitung können wir Südtiroler da ohne weiteres mithalten. Nur müssen diesbezüglich unsere Vereine einsehen, dass diese Auswahlmannschaften den gesamten Südtiroler Amateurfußball repräsentieren und die Spieler bereitwilliger für die notwendigen Trainingseinheiten abstellen. Wir haben insgesamt nur 10 Mal zusammen trainiert oder Trainingsspiele absolviert, während zum Beispiel der Piemont 26 Trainingseinheiten absolvierte.

    Beim Vorbereitungsturnier im Februar gelang es unserer Juniorenauswahl  nämlich sowohl die Lombardei als auch den Veneto zu schlagen- und genau diese beiden Mannschaften standen sich am Samstag im Finale im San Siro-Stadion gegenüber!

    Um das Turnier der Regionen aber vielleicht einmal zu gewinnen muss sich aber auch auf sportpolitischer Ebene etwas ändern: beim Handball wurde der SSV Brixen ja auch erst italienischer Meister nachdem Ralph Dejaco zum Präsidenten des nationalen Verbandes gekürt worden war!

    Dass es aber auch im nationalen italienischen Fußballverband irgendwann einmal einen Südtiroler Präsidenten geben wird, kann ich mir derzeit beim besten Willen nur schwer vorstellen.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (1)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • puschtra

      Hallo Klaus, was uns mit den anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass andere sich die Spieler aussuchen und bei uns werden die Spieler von den Vereinen geschickt. Und noch etwas, es ist für viele nicht so einfach, immer Richtung Bozen fahren zu müssen, wenn man aus dem 120 km entfernten Innichen oder Mals kommt.
      Bei den Junioren geht das noch, aber wenn man die B-Jugend nimmt???

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen