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Kripps Abrechnung

Sigmund Kripp

Sigmund Baron Kripp: „Durnwalder hat uns das Leben unerträglich gemacht“

Der Ex-Grüne und langjährige Bürgerlistler Sigmund Baron Kripp analysiert im TAGESZEITUNG-Interview den Höhenflug der Bürgerlisten – und watscht Grünen-Chefin Brigitte Foppa ab.

TAGESZEITUNG Online: Herr Baron Kripp, die Bürgerlisten reiten gerade auf einer echten Erfolgswelle. Wie erklären Sie sich diesen Höhenflug?

Sigmund Kripp: Die Phase, in der die SVP das politische Monopol innehatte, geht zu Ende. Früher unter Luis Durnwalder war es geradezu selbstverständlich, die SVP zu wählen. Es galt das Prinzip „Do ut des“, das sich nicht nur in den morgendlichen Bittgängen zum Landeshauptmann widerspiegelte. Durnwalder hat zugeteilt und entschieden, wer etwas bekommt und wer nicht. Als ich vor 20 Jahren nach Kandidaten für meine Bürgerliste gesucht habe, sagten mir die Menschen noch: „Bist du norret? Ich habe doch Frau und Betrieb.“ Man hatte Angst vor wirklichen Verlusten. Durnwalder hat uns das Leben unerträglich gemacht. Er war jenen gegenüber, die nicht die SVP wählen wollten, sehr sehr unangenehm. Sie waren „outlaws“, also nicht im Spiel. Freundlich war Durnwalder hingegen zu den Menschen, die ständig um ihn herumgeschwänzelt sind. Für sie war er der Landesvater, den man auch gerne gewählt hat.

Wann hat sich dieses Verhältnis der Wähler zur SVP geändert?

gemeinde foppa krippIn der letzten Phase der Regierung Durnwalder. Der LH hat nicht früh genug erkannt, dass seine Zeit abgelaufen war. Er hätte besser zurücktreten sollen. In seiner letzten Amtszeit kam es dann zur Implosion des Systems: Alle, selbst die SVP-Wähler, haben erkannt, was für ein korrupter Haufen diese Partei ist. Der SEL-Skandal hat deutlich gemacht, wie sich die Politiker selbst bedienen und dabei von Durnwalder geschützt werden. Dem LH hat man nur deshalb nie eine Schuld nachweisen können, weil er selbst keinen Computer bedienen konnte. Dass ein solcher Megaskandal ohne das Wissen des großen Chefs abgelaufen sei, ist ein Witz.

Nun ist Durnwalder nicht mehr an der Macht …

Bei den Landtagswahlen hat die SVP erstmals die Mehrheit verloren. Arno Kompatscher ist ein braver Verwalter, ein korrekter Mensch, der das alte Freunderlspiel nicht mehr mitträgt. Die Menschen haben gleichzeitig aber auch erkannt, dass sie keinen direkten Nutzen mehr haben, wenn sie die SVP wählen. In Südtirol gab es immer schon eine Lust zu opponieren. Doch im Gegensatz zu Nordtirol ist bei uns auf Gemeindeebene nie eine andere bürgerliche Partei entstanden. Es gibt zwar auf der rechten Seite die Freiheitlichen und die Süd-Tiroler Freiheit, aber keine bürgerliche Alternative zur SVP.

Und die Grünen?

Die Grünen werden es unter Obfrau Brigitte Foppa nie schaffen, bis in die bürgerliche Schicht vorzudringen. Es gibt bei uns keine bürgerliche Linke, die ich zwischen SPÖ und Grünen einordnen würde. Auch die SPD in Deutschland ist bürgerlich ausgerichtet, auch dort sind nicht nur Lafontaine-Fans vertreten (lacht). Der Pauli Rösch hat es in Meran nun geschafft, diese Wählerschaft für sich zu gewinnen. Er ist ein Typ wie Hans Heiss. Seine Wahl zum Bürgermeister ist epochal: Er hat eine ganz natürliche Entwicklung eingeleitet. Die SVP hat mittlerweile ihren Alleinvertretungsanspruch verloren – auch in Rom. Bei jedem kleinen Pipifax in Rom beschwert sich die SVP – und man fragt sich: Ja haben wir nun eine Autonomie oder nicht. Aufgrund der ethnischen Teilung der Südtiroler Parteienlandschaft wird es der PD nicht schaffen, diese bürgerliche Alternative zu werden. Deshalb bin ich auch ein Befürworter der Sezession: Nur durch die Sezession kann diese ethnische Teilung überwunden werden.

Die neuen Bürgerlisten erheben den Anspruch, auch in den Gemeindeausschüssen vertreten zu sein. Ist das Größenwahn?

Ich saß im Gemeinderat oft alleine einer Mehrheit von 14 SVP-Räten gegenüber. Heute sind die Bürgerlisten mit vier, fünf Mandataren vertreten. Das verleiht ihnen auch eine gewisse Macht. Die Mehrheiten der Bürgermeister sind knapper geworden. Sollten bei den Abstimmungen einmal zwei, drei SVP-Vertreter fehlen, dann könnte es schon eng werden. Ich bin aber dafür, dass es weiterhin Opposition und Regierung geben soll. Eine Konzentrationsregierung, wie sie die Steiermark hätte, würde ich nicht begrüßen. Das, was aber insbesondere die Wahl Röschs gebracht hat, ist der Perspektivwechsel. Die Wähler sehen, was passiert, wenn einmal nicht die SVP an der Macht ist: Die Welt geht dann auch nicht unter. Das ist Röschs Leistung, die niemand anderer von den Grünen bringen hätte können. Solange eine Brigitte Foppa da ist, werden die Grünen auf Landesebene keine bürgerliche Alternative werden. Ein Hans Heiss und ein Riccardo Dello Sbara werden nach dieser Legislatur abtreten. Foppa vertritt nur ein bestimmtes Themenspektrum für ein junges, städtisches Klientel. Die Masse kann sie damit nicht bewegen.

Könnten sich die Bürgerlisten auf Landesebene zusammenschließen?

Das glaube ich nicht, weil sie zu stark an örtliche Gegebenheiten gebunden sind. Der Versuch, eine Bürgerliste auf Landesebene zu schließen, ist im Jahr 2008 schon einmal gescheitert. Der Erfolg der Bürgerlisten auf Gemeindeebene wird aber weitergehen: Durnwalder ist auf dem Holzweg, wenn er sagt, dass die Bürgerlistler ohnehin alles SVPler seien. Ein Fritz Karl Messner wird nie mehr zur SVP zurückkehren, weil er sieht, wie leichter er es außerhalb der Partei hat. Wer einmal draußen ist, geht nicht mehr hinein.

Interview: Matthias Kofler

 

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