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Der Versorgungsjob

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Der Fall des WoBi-Generaldirektors Franz Stimpfl beweist, dass in der öffentlichen Verwaltung andere Regeln gelten als in der Privatwirtschaft. Wie dem „alten“ und umstrittenen WoBi-General ein Versorgungsposten zugeschanzt wurde.

von Artur Oberhofer

Der Brief von Heiner Schweigkofler an die „sehr geehrten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ des Wohnbauinstituts (WoBi), datiert mit 3. Juni 2015, ist mit so viel Pathos beladen, dass man beim Lesen ein Tempo-Taschentuch ziehen sollte.

Der neue WoBi-Präsident informiert seine Belegschaft, dass „der Auftrag des Generaldirektors Dr. Franz Stimpfl am 16.07.2015 ausläuft“. Das Auswahlverfahren zur Ernennung eines neuen Generaldirektors werde in den nächsten Tagen im Amtsblatt der Region veröffentlicht.

Heiner Schweigkofler schreibt in dem Brief:

„Ich möchte mich im Namen des Verwaltungs- und Aufsichtsrates und auch im Namen der ganzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter recht herzlich bei Dr. Franz Stimpfl für seinen Einsatz bedanken, den er 17 Jahre lang als Generaldirektor für den sozialen Wohnbau geleistet hat. Gerade in diesem Zeitraum ist das Institut vielen Umwälzungen und Modernisierungen unterworfen gewesen, die unter seiner Führung positiv umgesetzt wurden und welche das Institut zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen gemacht haben. Er hat mit viel Umsicht und Menschlichkeit das große Schiff auf rauer See gelenkt und sich dadurch viele Verdienste erworben. Er ist sicherlich eine Persönlichkeit, die sich nicht ins Zentrum des Geschehens stellt, um Geltung und Zuspruch zu erheischen, sondern er hat gemeinsam mit anderen viel hinter den Kulissen für das Wohl des Instituts (…) gearbeitet).“

Dass Heiner Schweigkofler den „alten“ Generaldirektor beweihräuchernd weglobt, gehört zu den Gepflogenheiten in der öffentlichen Verwaltung. Gegen diese Lobeshymne wäre auch nichts einzuwenden.

Brisant ist allerdings der Umstand, dass man dem „alten“ Generaldirektor einen Versorgungsposten zuschiebt – noch dazu in einem Bereich, in dem Franz Stimpfl in der Vergangenheit seine Problemchen hatte.

Die Fakten:

Heiner Schweigkofler schreibt in dem Rundbrief, dass Franz Stimpfl jetzt den angereiften Urlaub in Anspruch nehmen und ab Mitte Juni dieses Jahres nicht mehr im Büro sein werde.

Schweigkofler weiter:

„Nachdem seine Pensionierung in zweieinhalb Jahren ansteht, hat der Verwaltungsrat mit Dr. Stimpfl eine einvernehmliche Vereinbarung getroffen: Nach einer Auszeit wird er ab Herbst 2015 seine Tätigkeit beim Institut als Beauftragter für Qualität und Transparenz bis zu seiner Pensionierung weiterführen.“

Franz Stimpfl verlässt, also, das WoBi durch die Tür – und kommt durchs Fenster wieder zurück.

Im WoBi ist man über dieses „Zuckerle“ und den Umstand, dass Franz Stimpfl künftighin als eine Art Controller in Sachen Qualität und Transparenz fungieren soll, ziemlich überrascht.

Der Hintergrund: Gerade im Zuge des WoBi-Skandals hatte der Generaldirektor selbst große Probleme mit Qualität und Transparenz.

Im damals auch von der Mehrheit beschlossenen Bericht des WoBi-Untersuchungsausschusses wurde dem Generaldirektor des Instituts gerade in Sachen Qualität und Transparenz ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt.

Ein Zitat aus dem Untersuchungsbericht:

„… Mehrmals im Zuge der Untersuchungstätigkeit und auch während der langen Anhörung des Betroffenen hat der Ausschuss feststellen müssen, dass der Generaldirektor des WoBi seiner Aufgabe nicht gerecht geworden ist. In verschiedenen für das WoBi brenzligen Situationen verfügte der derzeitige Generaldirektor über keine sicheren Informationen, übernahm nicht die ihm obliegende Verantwortung und überließ die verschiedenen Ämter häufig sich selbst.“

 

MEHR ZU DIESEM FALL LESEN SIE IN DER WOCHENEND-PRINTAUSGABE.

 

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