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    Wie der Speck die Mäuse

    Der Fußballsport wird von Alt und Jung so sehr geliebt, dass man vielfach vergisst, wie viel in der Fußballpolitik daneben geht.

    von Klaus Schuster

    Letzte Woche wurde mir wirklich bewusst, dass es mir, was den Fußball anbelangt, derzeit gut geht: meine 12, 13- jährigen Buben vom SSV Brixen laufen, wann immer es geht, dem runden Leder nach, haben ihren Spaß, und als Trainer hat man auch noch die Genugtuung, dass man in dieser Altersklasse im Laufe von zwei Jahren gewaltige Lernfortschritte beobachten kann.

    Natürlich spielen auch diese Buben mit ihren Smartphones, aber daneben stehen, die meisten von ihnen, auch tagtäglich in ihrer Freizeit auf einem Bolzplatz und spielen mit irgendjemand, irgendwo, mit irgendeinem Ball.

    Fußball hat keine Nachwuchsprobleme! Und das weltweit ! Man kann diesen Sport überall ohne großen Aufwand ausüben, und die Zahl der Buben – und auch der, immer größer werdenden, Anzahl von Mädchen für die es einfach faszinierend ist, dass ein Ball dem, an und für sich wenig sensiblen, Körperteil Fuß gehorcht – ist ungebrochen groß.

    Der Fußballsport wird von Alt und Jung so sehr geliebt, dass man vielfach vergisst, wie viel in der Fußballpolitik daneben geht. Denn, in dieser Fußballpolitik geht es um Macht, Interessen und viel, viel Geld. Beginnend bei der FIFA, dem internationalen Fußballverband, über die UEFA, den europäischen Fußballverband, die FIGC, den italienischen Fußballverband bis zur kleinen Stadt Sterzing, in meiner näheren Umgebung, wird der Fußball immer wieder mit Korruption, Bestechung und politischen Interessen in Zusammenhang gebracht.

    Ich habe mich letzten Samstag beim Durchlesen der Tageszeitung wirklich gewundert, dass der Chef des leider einzigen wirklich großen Betriebes im Wipptal, Michael Seeber, den Verein Gladiators nannte und darüber Bescheid wusste, dass dieser, vom Militär gegründete, Club viermal nicht zu seinen Meisterschaftsspielen der 3. Amateurliga angetreten ist.

    Inzwischen hat der Verband diese Mannschaft von der Meisterschaft ausgeschlossen. Dies ist ein klassisches Beispiel, wo ein ganz kleiner Fußballverein, der alles andere als ein Vorzeigeclub ist, den es ab der nächsten Saison aber wahrscheinlich nicht mehr geben wird, für politische Zwecke herhalten musste. Spätestens seit Berlusconi ist das in diesem Staate aber nichts Neues.

    Was die, im letzten Sommer neu bestellten Funktionäre des italienischen Fußballverbandes sich in ihrem ersten Amtsjahr leisteten war sowieso fast nicht zu überbieten: von Präsident Tavecchios rassistischer Aussage über die zu vielen Farbigen in den Nachwuchsbereichen der Proficlubs, bis zu Bellolis Ausrutscher zu den „quattro lesbiche“ bei den fußballspielenden Frauen haben wir mehrere Aussagen von alten Männern erlebt, die in aufgeklärten Ländern wohl ihren Rücktritt zu Folge gehabt hätten. Und in die Serie A aufgestiegen sind ausgerechnet die Clubs aus den Kleinstädten Carpi und Frosinone, die das Verbandsvorstandsmitglied Lotito dort nicht haben wollte, weil mit ihnen kaum Geld zu verdienen ist.

    Und, um nun zum Ende dieser Pyramide zu kommen, beweist die Wiederwahl Sepp Blatters nur folgendes: Die Spitzenfunktionäre der FIFA können sich scheinbar alles leisten, weil sie mit der Vermarktung der von ihnen veranstalteten Turniere unvorstellbare Geldsummen verdienen und damit auch die kleinen Mitgliedsverbände- und deren Spitzenvertreter- am Leben erhalten. Auch ihre Verflechtung mit den Großkonzernen, mit denen sie im Sponsorbereich viele gemeinsame Interessen haben, ist so groß, dass es kurzfristig zu keinen radikalen Änderungen kommen konnte.

    Da spielt es keine Rolle, dass bei den Bauarbeiten an den Stadien im Austragungsland der WM von 2022, Katar, schon mehrere hundert Arbeiter ihr Leben verloren haben und dass in der vergangenen Woche in Zürich mehrere Spitzenfunktionäre wegen Schmiergeldannahme verhaftet wurden. Geld zieht Verbrecher an wie der Speck die Mäuse, beim Fußball gibt es fraglos eine ganze Menge unappetitlicher Nebenaspekte, aber insgesamt tut dies scheinbar seiner Faszination, die er auf die Massen ausübt, keinen Abbruch.

     

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